Schlieren
Ostereier: Farbenpracht dank Wurzelsud

Die Eier selber färben ist ein Osterbrauch, der nicht mehr oft praktiziert wird. Die Trachtenleute aus Schlieren pflegen diese traditionelle Art aber noch immer. Dafür ist ebenso viel Arbeit wie Fingerspitzengefühl vonnöten.

Fabian Korn
Merken
Drucken
Teilen

Limmattaler Zeitung

Die Eier selber färben ist ein Osterbrauch, der nicht mehr oft praktiziert wird. Der Detailhandel bietet fertig eingefärbte Ostereier in frühlingshaft bunten Farben an. Die Trachtenleute aus Schlieren halten jedoch nicht viel von diesem Industrieprodukt und färben die Eier lieber selber. Für den alljährlichen Osterverkauf praktizieren sie den alten Brauch und färben das Ostersymbol auf traditionelle Weise im Zwiebelschalen- und Farbholzsud. Dafür ist ebenso viel Arbeit wie Fingerspitzengefühl vonnöten. Dies zeigt ein Blick ins «Stürmeierhuus» in Schlieren.

Kleine Kunstwerke entstehen

Dort präparierten und färbten schon früh morgens gut 15 Frauen die 800 Eier aus dem Zürcher Oberland für den heute Donnerstag stattfindenden Ostereier- und Backwarenverkauf. Es herrscht eine ausgelassen fröhliche Stimmung, und die Frauen finden während der Arbeit immer wieder Zeit für ein Schwätzchen. Neben Justin Bieber und «Tokio Hotel» wird auch über das Alter, die Qualität der Kräuter und die Technik des Eiervorbereitens philosophiert.

Die Frauen sind jedes Jahr gerne wieder dabei, teilweise seit 21 Jahren, denn so lange gibt es diese Tradition der Trachtenleute bereits.

Plötzlich bricht erst Geschrei und kurz darauf Gelächter aus, weil sich unter den Kräutern auf dem Tisch eine mitgesammelte Ameise versteckt, die nichts Besseres zu tun hat, als einer unschuldigen Frau in den Finger zu beissen. Der Zwischenfall unterbricht die Arbeit jedoch nur kurz.

Liebevoll belegen die Frauen die weissen und braunen Eier mit frischen Frühlingskräutern, die sie zuvor selber gesammelt hatten. Anschliessend werden sie in Strumpfnetze eingewickelt und dann in Zwiebelschalen- oder Farbholzsud gekocht. Je nach Sud erhält das Ei eine andere Farbe, wie Irma Strejcek, Präsidentin des Trachtenchors, erklärt: «Sandelholz färbt die Eier gelblich, während zum Beispiel der Krappwurzelsud ins rot-bräunliche geht.»

Andere Eier wurden bereits am Dienstag in Seide eingenäht und nun im Wasserbad gekocht, bis sich das Muster der Seidenstoffe auf die Eier überträgt und so Kunstwerke mit den unglaublichsten Formen und Farben entstehen lässt.

Neben Eiern auch Konfi und Zopf

Verkauft werden die Eier am heutigen Gründonnerstag zusammen mit verschiedenen hausgemachten Osterbackwaren. «Manchmal kommen die Leute bereits vor 8Uhr und protestieren, wenn wir noch nicht so weit sind, um ihnen die Eier verkaufen zu können», sagt Maya Naumann, die in ihrer Tracht unterwegs ist.

Als gestern gegen Mittag alle Ostereier vorbereitet und eingefärbt sind, geht es gleich in der Küche weiter, wo die Backspezialitäten zubereitet werden. Annemarie Gruber erzählt, dass sie für dieses Jahr eine Löwenzahnkonfitüre gemacht habe.

Die Einnahmen des Osterverkaufs werden meist für einen guten Zweck gespendet, wie Frida Gerber erklärt. Ab und zu gehen sie aber auch an den eigenen Verein.