Limmattal
Hofladeneier sind begehrter denn je ‒ gegen Ostern werden sie knapp

Viele Limmattaler kaufen ihre Eier in Hofläden. Dieses Jahr ist der Eier-Boom besonders gross ‒ gerade jetzt vor Ostern.

Lydia Lippuner
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Parat für die Eiertütschete: An Ostern sind weisse Eier besonders beliebt.

Parat für die Eiertütschete: An Ostern sind weisse Eier besonders beliebt.

Severin Bigler

Direkt vom Hof auf den Tisch: Die Eier an den diesjährigen Osterbrunches stammen häufig aus lokaler Produktion. Das zeigt sich etwa beim Hofladen der Grobs in Urdorf. «Wir sind bereits seit dem Beginn der Pandemie knapp an Eiern», sagt Thomas Grob. Anders als in anderen Jahren, in denen die Nachfrage während des Jahrs schwankend war, habe er in den letzten Monaten nahtlos alle Eier verkauft. Und das obwohl der Verkauf an die Restaurants wegfiel – der tägliche Absatz von 1800 Hühnereiern geht nun an Privatkunden.

Die Nachfrage sei zur Zeit so hoch wie noch nie. «Vor Ostern merken wir eine zusätzliche enorme Zunahme. Wir müssen achtgeben, damit die Eier für alle reichen», sagt er. In den letzten Tagen habe er nie Eier gehabt, die älter als drei Tage alt waren. Manche Kunden hätten am liebsten gleich hundert Eier auf einmal geholt.

«Es fiel mir aber auch beim Gemüse auf, dass viele Leute seit der Pandemie wieder vermehrt im Hofladen einkaufen», sagt Grob. Er führt den Hofladen-Boom darauf zurück, dass die Bevölkerung nun noch mehr wissen will, woher die Nahrungsmittel kommen. «Die Leute wollen die Produzenten persönlich kennenlernen und fassen Vertrauen zu ihnen. Zudem schätzen sie die Transparenz der Bauernhöfe.» Aus diesem Grund wolle er trotz der grossen Nachfrage keine Eier von anderen Betrieben zukaufen. «Eier sind ein Vertrauensprodukt. Dieses wollen wir von unserem eigenen Hof anbieten», sagt Grob.

Im Hofladen können die Kunden den Bauern über die Schulter schauen: Thomas Grob und eine seiner 1800 Hennen.

Im Hofladen können die Kunden den Bauern über die Schulter schauen: Thomas Grob und eine seiner 1800 Hennen.

Severin Bigler (Urdorf, 16.4.2019)

Alle wollen weisse Eier

Auch in Dietikon, auf dem Betrieb der Familie Bräm, kaufen die Hofladenkunden liebend gern Eier ein. Die Nachfrage sei aber nicht mehr ganz so hoch wie im ersten Lockdown, als der Hofladen fast überrannt wurde. «Gegen Ostern nimmt die Nachfrage natürlich noch mehr zu», sagt Kurt Bräm. In diesen Tagen wollen die Leute besonders weisse Eier kaufen, um sie zu färben. Dazu müsse man aber sagen, dass sich die weissen Eier nur in der Farbe von den braunen Eiern unterscheiden. Inhalt, Qualität und Grösse seien identisch.

Das Pandemiejahr war auch ein Eier-Rekordjahr

Noch nie wurden so viele Eier produziert und verbraucht wie im vergangenen Jahr 2020. Das teilte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) mit. Jede Person habe durchschnittlich 189 Stück verspeist – das sind fünf mehr als im Vorjahr. Da die Bevölkerung anstelle von Restaurantbesuchen vermehrt zu Hause den Kochlöffel schwang, griffen die Hobby-Köchinnen und -Köche wohl auch häufiger zu Eiern als in den Vorjahren. Insgesamt wurden im Detailhandel 927 Millionen Eier verkauft. Das sei ein neuer Rekord. Von den 189 Eiern, die eine Person im vergangenen Jahr durchschnittlich gegessen hatte, waren 121 aus inländischer Produktion. Diese stieg ebenfalls an. Das sei jedoch unabhängig von der Pandemie geschehen und eine Folge der steigenden Nachfrage nach Schweizer Produkten, teilt das BLW mit. So wurde zum zweiten Mal in Folge über eine Milliarde Schweizer Eier produziert.

Stalders vermarkten alle Eier selbst

Seit der Pandemie stieg auch auf dem Hof der Familie Stalder in Aesch die Nachfrage nach Hofladenprodukten im Allgemeinen und nach Eiern im Speziellen. Vor Ostern spüre man den Andrang der Kunden noch stärker. Doch da die Eier braun sind, explodieren die Verkaufszahlen bei Stalders nicht übermässig. Für Kunden, die explizit Ostereier wünschen, färbt die Bäuerin einen Teil der Eier mit Zwiebelschalen ein. «Die gefärbten Eier laufen sehr gut. Wir können auf alle Fälle nie ein Eierlager anlegen», sagt Monika Stalder. Zudem sorge sie selbst dafür, dass die mehreren hundert Eier täglich an die Kundschaft gelangen: «Wir vermarkten alle Eier direkt, so können wir den Zwischenhändler umgehen», sagt Stalder. Dank der hofeigenen Vermarktung lohne sich der Aufwand auch finanziell. «Müssten wir die Eier dagegen zwischenverkaufen, würde es sich für uns gar nicht lohnen, sie zu produzieren», sagt Stalder.

Wer an Ostern auf echte Hühnereier verzichten will, wird ebenfalls im Limmattal fündig. Walter Dänzer, Gründer von Soyana in Schlieren erhielt vor einem Jahr von der weltgrössten Tierrechtsorganisation den Peta-Award für «die beste vegane Ei-Alternative». Mit seiner flüssigen Ei-Alternative und dem festen Ei-Ersatz zum Abschneiden will der Vegi-Pionier dem hohen Eierkonsum entgegenwirken. Aber obwohl die veganen Biolebensmittel von Soyana stetig beliebter werden, sei das vegane Ei noch nicht am Boomen. «Wenn die Leute wüssten, was Millionen von Hühnern und Küken erleben, damit die Menschen Eier essen können, würden sie sofort auf Ei-Alternativen umstellen», sagt er. Er sei sicher, dass sich dies in den kommenden Jahren ändere und künftig an Ostern statt Hühnereier vermehrt vegane Alternativen in den Bratpfannen landen.