Feuerwehrmänner schritten durch die Wellen und der Regen sorgte für eine düstere Stimmung. Was in der Chronikstube lief, war ein Kurzfilm von Mitte Mai 1994, als nach heftigen Niederschlägen der Wüeribach und die Reppisch über die Ufer traten und einen Grossteil der Gemeinde überschwemmten.

«Wir wissen nicht, wer der Urheber des Films ist», sagte Albert Wey, Restaurateur und Kurator des Ortsmuseums Birmensdorf sowie Vorstandsmitglied der Heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf. Man habe die Aufnahmen auf einem Super-8-Film im Fundus des Museums gefunden und sie digitalisieren lassen. Es handle sich dabei um einige der seltenen Aufnahmen des Hochwassers, das am 15. Mai 1994 eintrat, die das Museum habe. Nun wurden die Szenen erstmals öffentlich gezeigt. «Es war eine andere Zeit und man hatte nicht so schnell eine Kamera zur Hand. Zudem dachte man während des Hochwassers an andere Dinge als daran, Filme zu drehen», sagte Wey.

Die Wucht des Wassers

Die Aufnahmen sind teilweise unscharf und verwackelt, verbergen aber nicht, wie Birmensdorf beinahe versank. Das Publikum, rund 20 Personen, sah daher gebannt zu. Einige dachten, sie würden gar einige Personen im Film erkennen, die mit Pumpen und Sandsäcken gegen das Hochwasser kämpften. Unter den Zuschauern war auch der Birmensdorfer Peter Kobli. «Ich kann mich besonders an den starken Regen an diesem Tag erinnern. Ich war mit Kollegen auf dem Üetliberg und als wir abends nachhause zurückkehrten, lagen die Strassen unter Wasser», sagte er.

«Wasser kann lieblich sein, aber Wasser ist auch hart wie Stahl», sagte Kurator Wey. Vor der Filmvorführung versuchte er dem Publikum die Wucht des Wassers verständlich zu machen, und welche Wege es sich bahnen kann. Er selber war damals auch betroffen. «Unser Garten war nach dem Hochwasser voller Schlamm und das Wasser riss auch unsere Kaninchenhäuser einfach mit», sagte er.

Wey erinnerte daran, dass Birmensdorf schon mehrmals von Hochwassern heimgesucht wurde. Dies war neben 1994 auch 1972, 1999 und 2007 der Fall. Der im Publikum anwesende Birmensdorfer Arthur Rüegg zeigte nach dem Hauptfilm noch einen weiteren Kurzfilm aus dem Jahre 1999, den er selber drehte. Neben den Wassermassen, die den Wüeribach erneut in einen reissenden Strom verwandelten, filmte er auch überflutete Keller. Szenen, die betroffen machten.

Heute besser geschützt

Heute muss sich Birmensdorf keine Sorgen mehr vor einem Hochwasser in diesem Ausmass machen. Das Bachbett des Wüeribachs wurde so ausgebaut, dass es einem sogenannten Jahrhunderthochwasser standhält. Dabei wurde beispielsweise das Flussbett um einen halben Meter gesenkt. Man verfolgte beim Ausbau drei Ziele: den Schutz vor Hochwasser, gute Bedingungen für Pflanzen und Tiere und die Schaffung von Naherholungsgebieten. Die Arbeiten begannen im August 2014 und dauerten 15 Monate. «Heute ist es schön zu sehen, wenn die Leute wieder am Bach sitzen und die Kinder darin spielen können», sagte Wey. Er hoffe, das es in Zukunft so bleiben werde.

Weitere Vorführungen

Der Kurator will den Hochwasser-Film noch einige Male vorführen. Interessierte können sich daher bei Wey melden, damit er eine Vorführung organisieren kann. Rund zehn Minuten dauert der Rückblick aus dem Jahr 1994 des bis dato unbekannten Urhebers, und jener Film von Arthur Rüegg aus dem Jahr 1999 dauert rund fünf Minuten.