Uitikon

Ortsbus-Knatsch kommt vor den Regierungsrat

Der Kanton Zürich stellt sich gegen die Zentralisierungsbestrebungen bei den ÖV-Tarifen.

Der Kanton Zürich stellt sich gegen die Zentralisierungsbestrebungen bei den ÖV-Tarifen.

Die Verlängerung der Ortsbuslinie 201 nach Schlieren kommt an die Urne. Dass eine Übernahme ins Regelangebot des ZVV nach vier Jahren aber nicht garantiert ist, zeigt ein Blick in die Nachbargemeinde Stallikon.

Im September befindet das Uitiker Stimmvolk darüber, ob die Ortsbuslinie 201 bis zum Bahnhof Schlieren verlängert werden soll. Das Bedürfnis nach dieser Verbindung kam aus der Bevölkerung. Jede Gemeinde hat die Möglichkeit bei den Zürcher Verkehrsbetrieben (ZVV) zusätzliche Verbindungen zu bestellen, solange sie dafür bezahlt. Unter gewissen Bedienungen, wird die neue Linie ins Regelangebot übernommen, womit der ZVV auch die Kosten für den Betrieb übernehmen soll. Sagen die Uitiker Stimmbürger an der Urne Ja, zahlen sie 2,4 Millionen Franken für den vierjährigen Testbetrieb zwischen 2017 und 2021. Erreicht die Linie einen Kostendeckungsgrad von 30 Prozent, übernimmt der ZVV.

2,5 Millionen über vier Jahre

Dass dies aber nicht garantiert ist, zeigt ein Beispiel aus der Nachbargemeinde Stallikon, wo man auch auf eigene Faust das öV-Angebot erweitern wollte. 2009 sprachen die Stimmbürger knapp 1.7 Millionen Franken für den Betrieb von drei Jahren. 2013 kamen weitere 780 000 Franken für ein viertes Jahr hinzu. Mit dem Bus 237 zwischen den beiden Bahnhöfen Bonstetten-Wettswil und Birmensdorf sollten unter anderem die Sekundarschule Bonstetten und das Quartier Sonnenberg erschlossen werden. Würden pro Fahrt zehn Personen den Bus nützen, wäre der von den ZVV geforderte Selbstfinanzierungsgrad erfüllt gewesen, erinnert sich der heutige Gemeindepräsident Werner Michel (parteilos). Doch es sollte anders kommen. «Der ZVV übernahm den Bus 237 nicht in den Regelbetrieb, obwohl die Anforderungen dafür erfüllt waren», sagt er. Mit der Begründung, dass man sich die Ausgaben nicht leisten könne, wurde eine Alternative – der Bus 227 – ab 2013 ins Liniennetz aufgenommen. Dieser erschloss jedoch weder die Sekundarschule noch den Sonnenberg. Für die Bevölkerung sei diese Lösung nicht befriedigend gewesen, so Michel, da der Bus auch in den Abendstunden und an den Samstagen nicht verkehren sollte. Die Stalliker Volksseele brodelte, auch weil man bei der Annahme des 2,5-Millionen-Kredits gedacht hatte, der 237er würde automatisch ins Netz aufgenommen.

Einer, dem die Pläne des ZVV besonders missfielen, war Andreas Ochsenbein. Gemeinsam mit den Bus-237-Initianten gründete er Visu (Verein Infrastruktur Stallikon und Umgebung) und lancierte 2014 eine Petition. Innert kurzer Zeit sammelten die Vereinsmitglieder rund 900 Unterschriften, jeder vierte Stalliker wollte die Linie 237 zurück. «Man fühlte sich vom ZVV veräppelt, zumal aus dem Bericht des Regierungsrates zur Ausnützung der ZVV-Linien ersichtlich war, dass die Linie 237 zu rund 33 Prozent selbsttragend war», sagt Ochsenbein. Im März des vergangenen Jahres wurde die Petition eingereicht.

Mischlösung für 180 000 Franken

Gemeinsam mit dem ZVV erarbeitete die Gemeinde eine Mischlösung, wie Gemeindepräsident Michel sagt. So betreibt der ZVV die Linie 227 während der Hauptverkehrszeiten und samstags via Lärchenhof und den Sonnenberg – also die alte 237er-Linie–, während der Nebenzeiten über die verkürzte Route. Doch kommt die Gemeinde Stallikon für diese zusätzliche Leistung auf. «Jährlich kostet uns dies rund 180 000 Franken», so Michel. Im Vorfeld des Fahrplanwechsels 2017 wird sich zeigen, ob der ZVV die Extraschlaufen wie die Abend- und Samstagsrouten ins Regelangebot übernehmen wird. Diesen Verhandlungen blickt er sorgenvoll entgegen, da die Ausnützung aufgrund der beschränkten Fahrzeiten sicherlich nicht mehr so hoch sein werde, wie bei der ehemaligen Linie 237 – «Wir hoffen aber, dass die 30 Prozent überschritten werden.»

Ochsenbein ist skeptisch: «Die Gemeinde kaufte nun ein, was der ZVV nicht bezahlen wollte», sagt er. Zwar will er den ZVV nicht verteufeln: «Nur weil es ein Mal dumm gelaufen ist, heisst es nicht, dass es ein zweites Mal auch so gehen muss», sagt er. Doch hätte er sich positive Signale vonseiten der Verkehrsbetriebe bezüglich der Übernahme ins Regelangebot gewünscht. Nachdem die Gemeinde den neuen Kredit gesprochen hatte, seien solche Signale verweigert worden.

Stallikon sei gut erschlossen

Der Fall Stallikon schlägt nun Wellen bis zum Regierungsrat. Erst kürzlich reichten die beiden Kantonsräte Daniel Heierli (Grüne, Zürich) und Max Homberger (Grüne, Wetzikon) eine kleine Anfrage ein. Darin vermuten die beiden Parlamentarier Willkür bei der Übernahme von Buslinien durch den ZVV und fordern von der kantonalen Exekutive dies abzuklären. Die regierungsrätliche Antwort steht aus.

Auf Anfrage sagt Caspar Frey, ZVV-Mediensprecher, dass für eine Aufnahme ins Verbundsangebot neben dem Kostendeckungsgrad noch weitere verkehrsplanerische Kriterien erfüllt sein müssten. «Aufgrund des schlechten Kosten-Nutzenverhältnisses und der hohen absoluten, ungedeckten Kosten der Linie 237 war eine Übernahme nicht vorgesehen», sagt er weiter. Stallikon sei jedoch ausreichend durch den öffentlichen Verkehr erschlossen: «Sogar besser als es in der Angebotsverordnung vorgesehen ist.» Bezüglich des Vorwurfs der Willkür verweist Frey auf die ausstehende Antwort des Regierungsrates.

Müsste Ochsenbein der Gemeinde Uitikon einen Ratschlag bezüglich der Verhandlungen mit den ZVV geben, dann lautete dieser: «Fakten sollten sauber dokumentiert werden, sodass falls nötig auch der Rechtsweg beschritten werden kann», sagt er.

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