Boxer-Zuchtschau
Organisator Hanspeter Kull im Inerview: «Der Boxer ist kein Modehund»

Der Hundeliebhaber Hanspeter Kull organisiert die diesjährige Boxer-Zuchtschau in der Reithalle.

Zoé Iten
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Mit Hund Bucky gewann Hanspeter Kull vor fünf Jahren die Welpenzuchtschau.

Mit Hund Bucky gewann Hanspeter Kull vor fünf Jahren die Welpenzuchtschau.

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Herr Kull, Sie organisieren in Birmensdorf eine Schau, an der die schönsten Boxer gekürt werden. Welche Kriterien muss ein Hund erfüllen, um vorne dabei zu sein?

Hanspeter Kull: Der Körperbau sollte quadratisch sein. Er muss eine muskulöse Statur und eine Taille aufweisen. Ein typischer Boxerkopf und keine zu hellen Augen gehören ebenfalls zu den wichtigen Kriterien. Die Farbgebung muss stimmen. Insgesamt gibt es drei Farben. Gelb, was allerdings mehr einem Hirschrot entspricht – so wie bei meinem Hund Bucky. Dann gibt es geströmt beziehungsweise gestreift, wovon es verschiedene Varianten gibt, und weiss. Früher wurden weisse Boxer nach der Geburt getötet. Das macht man heute nicht mehr. Jedoch kann mit ihnen noch nicht gezüchtet werden.

Zur Person Hanspeter Kull

Seit 15 Jahren leitet Hanspeter Kull den schweizerischen Boxerclub der Ortsgruppe Zürich in Aesch. Der 68-jährige gelernte Bauzeichner ist schon im Alter von sechs Jahren auf den Hund gekommen. In früheren Zeiten war aktiv im Hundesportverein dabei. Heute geniesst er mit seinem fünf Jahre alten Hund Bucky etwas mehr Ruhe.

Weshalb?

Weiss wurde früher als Fehlfarbe angesehen. Das ist zurückzuführen auf den hohen Taubheitsgrad dieser Art von Boxer. Man vertrat lange die Meinung, dass dieses Tier minderwertig sei. Mittlerweile denkt man anders. Zur Zucht ist er aber immer noch nicht zugelassen. Vielleicht entsteht irgendwann eine eigene Rasse daraus. So wie die weissen Schäferhunde.

Die Boxerschauen finden alljährlich statt.

Deshalb heisst der Anlass auch Jahressieger-Zuchtschau. Er findet zum 23. Mal statt. Bereits vorher gab es nationale Boxerausstellungen. Übernommen hat man dieses Format aber vor allem vom Ausland. Auch jetzt sind viele internationale Aussteller angemeldet, aus Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich, Holland. Alles in allem erwarten wir gut 120 Hunde. Man muss sich das hingegen anders vorstellen als die Darbietung der aufgemotzten Hündchen mit Schleife im Fell. Der Hund wird draussen vorgeführt, an der Leine, wie sonst auch. Der Hund kommt nature auf den Platz.

Wer zeigt sich für die Organisation verantwortlich?

Normalerweise findet der Anlass jährlich an einem anderen Ort statt. Und er wird von den verschiedenen Boxerclub-Ortsgruppen organisiert. Unsere Gruppe ist eine der grössten. Deshalb sind wir auch finanziell in der Lage, so eine Veranstaltung durchzuführen. Es spielen aber auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Etwa genügend Platz für die Besucher. Das 100-Jahr-Jubiläum des Schweizerischen Boxerclubs 2006 ist damals hier veranstaltet worden. Ein Jahr später fanden die Zuchtschauen in Birmensdorf statt, 2011 erneut. Mit unseren rund 50 freiwilligen Helfern kommen wir hier gut über die Runde.

Im Hinblick auf kommenden Sonntag, auf was freuen Sie sich am meisten?

Wenn es vorbei ist und alles funktioniert hat (lacht). Natürlich auch auf die vielen gleichgesinnten Menschen und gutes Wetter. Es gab viel Arbeit, auch jetzt noch. Am Schluss findet man dann: Gott sei Dank ist es vorbei.

«Die Zuchtschau hat nichts zu tun mit der Darbietung der aufgemotzten Hündchen mit Schleife im Fell.»

Hanspeter Kull, Präsident Boxerclub

In Ihrer Pressemitteilung für Sonntag ist von einem Boxer-Boom der 60er- und 70er-Jahre die Rede. Wie erklären Sie sich das?

Es ist schwierig zu sagen. Die Wurferfassung und Zahlen der Geburten hat man noch nicht so stark betrieben wie heute. Das waren oftmals Schätzungen. Ich will deshalb nicht von einem Boom sprechen. Fest steht, dass es in den letzten 20 Jahren immer etwa gleich viele Boxer gab. Der Boxer ist sicher kein Modehund.

Sind Boxerhunde einfach zu erziehen?

Nein. Sie sind sehr verspielt, oft bis ins hohe Alter. Sie können auch dickköpfig und misstrauisch sein. Sie sind gute Hunde, mit denen man gut arbeiten kann. Aber weil sie leicht abzulenken sind, braucht man viel Geduld. Es ist keine einfache Hunderasse.

Am Sonntag, 11. Juni ab 9.30 Uhr werden in der Reithalle im Vogelsang Birmensdorf die schönsten Boxer prämiert.

Wird ein Hund mit gewissen Charaktereigenschaften geboren oder werden diese anerzogen?

Beides. Es gibt genetisch bedingte Eigenschaften, welche bei der Zucht berücksichtigt werden. Bei einer gemütlichen Hündin nimmt man einen temperamentvolleren Rüden. Zwei Raufer und Beisser sollte man hingegen nicht miteinander paaren. Der gesundheitliche Aspekt spielt natürlich auch eine grosse Rolle. Hüftdysplasie, das Herz, das wird berücksichtigt. Gesundheit ist etwas vom Wichtigsten. Der Charakter natürlich auch. Die Schönheit spielt nicht so eine grosse Rolle, obwohl man natürlich gerne einen schönen Hund hat. Am Sonntag bei der Zuchtschau wird aber nur aufs Optische geachtet.

Welche Tipps zur Haltung und zum Erziehungsstil geben Sie zukünftigen Besitzern auf den Weg?

Primär sollte man sich genau überlegen, ob man genug Zeit hat. Ein Hund braucht Zeit, er braucht Bewegung, genügend Beschäftigung und Familienanschluss. Der Boxer ist kein Zwingerhund. Er ist sehr kinderlieb und ein Freund der Menschen. Wer ihm Aufmerksamkeit nicht garantieren kann, dem rate ich von einem Kauf ab.

Was war bei Ihnen der Auslöser für Ihre Liebe zu den Boxern?

Als ich sechs Jahre alt war, verliebte ich mich in den Boxer meiner Grossmutter. Sie hat mir danach einen zu Weihnachten geschenkt. Seit da hatte ich immer Boxer, mittlerweile schon den sechsten.

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Zoé Iten