Ihre Meinung

Online Umfrage: Die neue Architektur im Limmattal überzeugt insgesamt

Die neue Architektur im Limmattal überzeugt die Teilnehmer unserer Online-Umfrage insgesamt – wenn bei gewissen Bauten die Meinungen auch weit auseinandergehen.

Im Limmattal sind in wenigen Jahren ganze neue Quartiere aus dem Boden geschossen. Besonders um die Bahnhöfe Schlieren und Dietikon ist Grosses entstanden. Aber auch Schönes?

Das wollte die Limmattaler Zeitung in einer Online-Umfrage von Ihnen erfahren. 60 Leserinnen und Leser haben übers Wochenende an der Umfrage teilgenommen – natürlich sind das zu wenige, um repräsentative Aussagen machen zu können; die Resultate zeigen aber zumindest eine Richtung an, wie die verschiedenen Gebäude in den neuen Quartieren ankommen.

Die Publikumsgewinner stehen demnach beide im Dietiker Limmatfeld: Es sind der Limmat Tower und der Holzfassadenbau im Zypressenhof, wo ein städtischer Kindergarten im Erdgeschoss eingemietet ist.

60 Prozent beantworteten die Frage, ob ihnen letzterer gefällt mit «Ja» – 46 Prozent von ihnen wegen des Witterungseffektes an der Fassade, 14 Prozent, weil «Holz ein Gebäude einfach immer sofort viel ansprechender»macht; nur 3 Prozent der Teilnehmenden fanden, dass man das Geld besser anders investiert hätte.

Der Limmat Tower vermag insgesamt sogar 64 Prozent zu überzeugen – 28 davon trotz anfänglicher Skepsis.

Weiteren 14 Prozent gefällt das Bauwerk zwar, sie finden aber, der Turm hätte höher als seine 80 Meter gebaut werden sollen. Nur 6 Prozent halten nichts vom Limmat Tower.

Auch die Lindenhöfe aus der Feder des Limmatfeld-Konzeptentwicklers Hans Kollhoff kommen bei den Teilnehmenden gut an: 40 Prozent gefällt der Bau sehr gut. Im Gegensatz zu den beiden Spitzenreitern sind hier allerdings auch die Ablehnung ausgeprägter.

Immerhin 15 Prozent wählten die Option: «Von allen Gebäuden im Limmatfeld gefällt mir dieses am wenigsten.»

Die tiefsten Punktzahlen werden ebenfalls im Limmatfeld registriert: Den Innenhof des Zedernhofs finden 32 Prozent «zu kalt, zu unpersönlich, zu dunkel».

Er ist allerdings das einzige Objekt in der ganzen Umfrage, das unter dem Strich mehr Minus- als Pluspunkte holte – bei den übrigen zwölf überwiegen die positiven Beurteilungen.

Architektur ok, Strasse nicht

Im Limmatfeld finden sich zudem die Bauten und Objekte, die am kontroversesten abschnitten. Allen voran der Rapidplatz, das eigentliche Herzstück des Limmatfelds: Hier wählten fast gleich viele der Teilnehmenden diametral entgegengesetzte Optionen: 18 Prozent finden, der Rapidplatz sei «der schönste öffentliche Platz im Limmattal», während weitere 20 Prozent «das grosse Potenzial» des Platzes als «überhaupt nicht ausgeschöpft» erachten. Weitere 20 Prozent finden, die angrenzende Heimstrasse «ruiniere» den an sich schönen Platz.

Auch die Kolonnaden, welche die Heimstrasse säumen, scheiden die Geister. 18 Prozent gefällt das städtische Flair, das diese verbreiten, 13 Prozent gefällt genau dieser Effekt nicht.

Mit 23 Prozent am deutlichsten lehnen die Teilnehmenden aber nicht die Kolonnaden an sich ab, sondern den Umstand, dass diese nicht frei auf ein Trottoir hinausführen, sondern von Parkplätzen blockiert werden.

Weniger klares Bild in Schlieren

Beim Schlieremer Goldschlägi-Wohnhochhaus gehen die Meinungen ebenfalls auseinander, wenn auch etwas weniger ausgeprägt: 21 Prozent gefällt das Gebäude ausserordentlich, 7 gut, 12 gar nicht. 26 Prozent loben zwar den Mut zur Höhe, nicht aber die Gestaltung.

Überhaupt wurden die neueren Bauwerke in Schlieren weniger eindeutig bewertet als im Limmatfeld – sowohl positiv als auch negativ.

Zwar erreichen hier einige Bauten beachtliche Zustimmungsraten, nur wiegen auch die negativen und vor allem die gleichgültigen Antworten schwerer – was natürlich die Gesamtnote beeinträchtigt.

Insgesamt lassen sich die Antworten für Schlieren unter «genügend bis gut» zusammenfassen. Gut kommen etwa der Rietpark (47 Prozent positive Antworten), das Bürohaus mit den Regenbogen-Storen (46 Prozent) oder das Zentrum am Goldschlägiplatz (37 Prozent) mit seiner grünen Fassade weg.

Auch das Parkside, häufig kontrovers diskutiert, gefällt unter dem Strich: Insgesamt 38 Prozent finden es entweder sehr gut oder in Ordnung; 23 Prozent haben Mühe mit Teilaspekten oder lehnen es ganz ab.

Sie bestimmen, was schön ist - in der grossen Umfrage zur neuen Limmattaler Architektur

In den vergangenen paar Jahren schossen im Limmattal ganze Quartiere aus dem Boden. Wie gefallen Ihnen die neuen Bauten? Hier haben Sie die Gelegenheit, sie zu bewerten.

Die Wohnüberbauung der Zürcher Architekten Gigon/Guyer (aus ihrer Feder stammt auch der Prime Tower in Zürich) südöstlich des Schlieremer Bahnhofs war eines der ersten augenfälligen Bauwerke, die den Boom im Limmattal einläuteten. Gefällt Ihnen dieser Bau?

Ja, sehr. Genau so vereint man Ästhektik und Nutzen.

Jein. Die Seite mit den Balkonen gefällt mir, die rote Fassade gegen die Gleise hin gar nicht.

Jein - bei mir ist es genau umgekehrt: Die Balkone finde ich abscheulich.

Nein, ich finde, das Gebäude passt nicht in diese Umgebung.

Nein, mir ist das Ding viel zu farbig.

Das Parkside zwischen Schlieremer Bahnhof und Ringstrasse wurde 2011 fertiggestellt. Gefällt Ihnen dieser massive Backstein-Bau, der Schlierens Zentrum ein neues Gesicht verlieh?

Sehr. Dieser moderne Bau mit seinen schlichten Linien tut dem Schlieremer Zentrum gut.

Das Parkside ist in Ordnung. Kein riesiger Wurf, aber ok.

Die grosse Geste finde ich gut. Aber dass es unbedingt dieses Projekt sein musste...? Naja.

Die Architektur finde ich in Ordnung. Aber das Gebäude nimmt zu viel Platz ein.

Nein, auch ich finde dieses Gebäude eine architektonische Missgeburt.

Weiter gehts auf die Nordostseite der Gleise. Im Glasbau rechts bezog unter anderem Sony 2011 neue Büros, nebenan steht eine Wohnüberbauung. Eine gelungene Auffrischung des Areals?

Ja, mir gefällt die gesamte Arealentwicklung inklusive einzelnen Gebäuden sehr gut.

Das Sony-Gebäude gefällt mir sehr. Die Wohnüberbauung ist eine andere Geschichte.

Es ist genau umgekehrt.

Aus diesem Gebiet hätte man mehr herausholen können.

Ich finde jedes einzelne Gebäude hier ganz fürchterlich.

Die Storen mit dem klingenden Namen "Iris" schillern einem schon von weitem entgegen. Macht die Kunstinstallation des Künstlers Kerim Seiler dieses Bürogebäude auf der Nordseite des Schlieremer Bahnhofs zur Augenweide?

Ja, total. Ist doch schön, etwas Farbe zwischen all dem Grau!

Farbe ist generell gut, das stimmt. Aber diese Farben finde ich etwas unharmonisch.

Einzeln betrachtet, gefällt mir das Gebäude, gerade auch die Storen. Leider passt es überhaupt nicht in sein Umfeld.

Ich bin auch nach zwei Jahren noch hin- und hergerissen, ob mir das gefällt oder nicht.

Das Gebäude darunter finde ich ganz in Ordnung - wenn nur die Storen nicht wären.

Mit 14000 Quadratmetern Fläche ist dieser Wohn- und Gewerbebau am Schlieremer Goldschlägiplatz einer der massigsten in der Region. Was halten Sie von ihm?

Das Gebäude gefällt mir ausserordentlich. Farbe, Form und Nutzen passen hier perfekt zusammen.

Mir gefällt die grüne Fassade gut. Vielleicht ist aber alles ein Stück zu gross geraten.

Zum Anschauen ganz ok. Ob ich darin wohnen möchte, ist eine andere Frage.

Nicht mein Favorit.

Dieses Gebäude ist ein Monstrum. Schrecklich.

Der Rietpark: Er wird sich über 40 000 Quadratmeter erstrecken und das Färbi- mit dem Geistlich-Areal verbinden. Finden Sie Gestaltung dieses Freiraums ansprechend?

Ja, hier will man verweilen. Mehr davon!

Ja. Ohne solche Räume dürfte es aber auch gar nicht erlaubt sein, neue Quartiere zu bauen.

Der Park ist hübsch gestaltet. Ob er aber auch gleich so viel Platz einnehmen muss? Da hätte doch gut noch ein weiteres Haus draufgepasst.

Finde ich jetzt nichts Spezielles.

Der Park gefällt mir nicht.

Das erste Minergie-P-Eco-Wohnhochhaus der Schweiz steht am Goldschlägiplatz. Besteht es auch den Ästhetiktest?

Absolut. Schlicht, elegant und doch imposant.

Ja, durchaus. Vielleicht ist es etwas gar schlicht geraten - es muss aber ja auch nicht jedes Gebäude gleich laut schreien.

Der Mut zur Höhe ist zu loben. Über die Gestaltung kann man sich streiten.

Das ist so ein typischer 0815-Bau - lässt mich völlig kalt.

Nein, gar nicht. Dieses Gebäude löst in mir Beklemmung aus.

Nun gehts ab nach Dietikon - ins Limmatfeld, das sich um den Rapidplatz herum orientiert. Ein gutes Beispiel für ein modernes Stadtquartier-Herz?

Der Rapidplatz ist der schönste öffentliche Platz im Limmattal. Punkt.

Der Platz gefällt mir gut. Wenn er nur etwas besser gepflegt würde.

Der Rapidplatz alleine wäre toll. Aber die vielbefahrene Strasse daneben ruiniert ihn gänzlich.

Muss man den Städteplanern nun auch noch dazu gratulieren, dass sie nicht einfach Klotz neben Klotz stellen?

Der Platz hätte grosses Potenzial gehabt. Die Ausführung hat dieses leider überhaupt nicht ausgeschöpft.

Der Lindenhof stammt vom Berliner Architekten Hans Kollhoff, der auch das städtebauliche Konzept fürs Limmatfeld lieferte. Wie gefällt Ihnen dieses Gebäude, das als eines der ersten am Rapidplatz fertig war?

Mir gefällt das Gebäude sehr gut.

Ich finde es nicht besonders bemerkenswert. Aber immer noch schöner als die benachbarten Klotzbauten.

Na ja, es ist halt ein Gebäude.

Das Gebäude selbst wäre schon in Ordnung. Aber es passt überhaupt nicht zu den anderen Gebäuden rund um den Platz.

Von allen Gebäuden im Limmatfeld gefällt mir dieses am wenigsten. Ich finde es bünzlig.

Die Kolonnaden entlang der Heimstrasse: Sie sollen im Limmatfeld städtisches Flair schaffen. Gelingt ihnen das?

Ja, in "unserer kleinen Stadt" fühlt man sich nicht zuletzt dank solcher Bauelemente tatsächlich wie in einer kleinen Stadt.

Städtisches Flair? Ich weiss nicht... Mir gefällt die Bauweise trotzdem.

Die Kolonnaden an sich finde ich gut. Dass davor kein Trottoir, sondern Parkplätze stehen, ruiniert den Effekt aber.

Städtisches Flair schaffen sie schon. Nur ist das nicht etwas, das gelobt werden sollte!

An diesem Säulenbau stimmt einfach nichts: Er blockiert die Sicht auf die Geschäfte, ist schwer zugänglich und dem Auge schmeichelt er auch nicht gerade.

Im Innern des Zypressenhofs steht dieses Gebäude. Gefällt es Ihnen?

Ja. Besonders gefällt mir die Holzfassade, die Witterungserscheinungen als Kapital zu nutzen weiss.

Ja. Holz macht ein Gebäude einfach immer sofort viel ansprechender.

Das Gebäude ist schön. Schade ist, dass es auf dem Platz davor so wenig Grün hat.

Ich finde es nicht bemerkenswert.

Nein, dieses Geld hätte man besser investieren können.

Bald ist es geschafft. Doch zuerst schauen wir noch beim Zedernhof vorbei: Ein schöner Innenraum?

Sehr. Hier können die Kinder spielen, die Erwachsenen auf den Bänkli sitzen und rundherum Tupfer von Grün. So holt man das Maximum aus den engen Platzverhältnissen heraus.

Ja, der ist ganz in Ordnung.

Zu diesem Innenhof habe ich keine Meinung.

Bei so vielen Türen bekomme ich Platzangst. Oder wie die Angst vor vielen Türen auch immer heissen mag.

Hier wird ja wohl ganz bestimmt nie jemand spielen - zu kalt, zu unpersönlich, zu dunkel.

Und nun zum grossen Finale: dem Limmat Tower. Auf ihm lasten grosse Erwartungen. Kommt die Architektur da mit?

Ich liebe den Limmat Tower. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Anfangs war ich ja skeptisch. Aber der Limmat Tower ist wirklich sehr schön herausgekommen. Besonders gut gefällt mir die Fassade, die das Wetter so schön wiederspiegelt.

Der Tower gefällt mir gut. Wieso aber auch er auf diesen schrecklichen Steinstützen stehen muss, verstehe ich nicht. Die Metalloptik hätte bis zum Boden durchgezogen werden müssen.

Es war überfällig, dass ein richtiges Hochhaus im Limmattal steht. Ich finde aber: Wenn schon, denn schon. 80 Meter sind zu wenig.

Nein. Dieser Turm kann nicht viel mehr, als Schatten zu spenden.

Vielen Dank fürs Mitmachen - das Resultat der Umfrage: demnächst in der Limmattaler Zeitung.

Und nun ab nach draussen, die neuen Quartiere wollen belebt werden!

Sie bestimmen, was schön ist - in der grossen Umfrage zur neuen Limmattaler Architektur

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