Dietikon

Online-Bestellboom: Täglich fahren 300 Güterwagen von Planzer über Dietikon

Jede Nacht rangieren rund 300 Zugwagons von Planzer im Limmttaler Güterbahnhof. Das Transportunternehmen erlebt dank der Coronakrise einen Boom.

Langsam fährt der dunkelrote Lastwagen rückwärts, er piepst und dockt an der Halle in Altstetten an. Drinnen werden die Güterwagen, die direkt ins Bahncenter fuhren, entladen und die Paletten, in die wenige Meter entfernten Lastwagen verfrachtet. «Ein solcher Lastwagen fasst 33 Europaletten», sagt Tom Koller und zeigt auf ein fünfachsiges Gefährt der Firma Planzer. Vor 30 Jahren machte er die Ausbildung zum Lastwagenfahrer beim Logistikunternehmen mit Dietiker Wurzeln. Heute ist er Filialleiter des Bahncenters in Altstetten. Zu Spitzenzeiten setzt sich Koller immer noch in die Führerkabine. Anstrengende Tage gab es in den letzten Wochen viele. «Während des Corona-Lockdowns verdoppelten sich die Aufträge in der Paketauslieferung», sagt er. Statt Stellen zu künden, stellte Planzer deshalb neue Leute ein. Diese seien jedoch nicht einfach zu finden, denn LKW-Fahrer gebe es zurzeit nur wenige, so Koller. Doch man suche nicht nur Lastwagenfahrer: «Wir haben auch kleinere Fahrzeuge, die man mit einem normalen Führerschein fahren kann.»

Seit drei Jahren mischt Planzer als Konkurrenz zu DHL und der Post im Paketlieferdienst der Schweiz mit. Seither wuchs das Segment stetig. Die cremefarbenen Lieferwagen mit dem Planzerlogo in Schreibschrift – es ist die Unterschrift des Firmengründers Max Planzer – fahren mittlerweile durch die ganze Schweiz. Der Ansturm während des Shutdowns ging an die Grenzen der Belastung. «Wir arbeiteten oft auch samstags. Die Leute hatten viele interessante Bestellungen», sagt Koller. Da standen Palmen, WC-Papier und Weinflaschen. Der Umschlagplatz zwischen Güterwagons und Lastwagenrampe sah ständig anders aus. Die einzigen Dinge, die das Unternehmen nicht transportieren könne, seien lebendige Güter oder offene flüssige Waren.

Die Zeit reicht entweder für 17 Privatkunden oder 25 Geschäftskunden

Sowohl die Auftragsmenge als auch der Aufwand für die verschiedenen Privatlieferungen stiegen in den letzten Monaten stark an. Das Transportunternehmen ging bereits vor dem Shutdown Kooperationen mit Grosshändlern ein, diese versenden seither ihre Online-Bestellungen über den Lieferdienst von Planzer.
Besonders bei Kunden mit fragilen Gütern sei Planzer beliebt, da die Pakete nicht in der sogenannten Chaosbeladung geladen werden, sondern jedes Pack seinen Platz im Fahrzeug bekommt. Dafür nehmen die Konsumenten auch einen höheren Preis in Kauf: «Wir haben mittlerweile sehr viele Sendungen, die wir an Privatpersonen ausliefern», sagt Koller. Das bedeute, dass sie die Endkunden vorgängig informieren und die Lieferungen einzeln planen müssen. Das führe zu komplizierten und zeitaufwendigen Auslieferdiensten. «In der gleichen Zeit, in der man 25 Geschäftskunden beliefert, kann man nur etwa 17 Privatkunden bedienen», sagt Koller.
Der Standort in Altstetten hat seine Dienstleistungen in drei Segmente unterteilt. Da wären erstens die Stücklieferungen. Das sind täglich über 2000 Sendungen, die mehr als 30 Kilo wiegen. Das zweite Standbein sind die Paketsendungen unter 30 Kilo und das dritte die Lagerlogistik. «Am stärksten wuchs das Paketliefersegment, die anderen beiden blieben gleich», erzählt Koller.

Die Auslieferungen sind ein Zusammenspiel aus Schienen- und Strassentransport. Zwischen eins und drei Uhr morgens rollen rund 40 Güterwagons in das Bahncenter in Altstetten. Um fünf Uhr, sobald schwere Lastwagen auf der Strasse erlaubt sind, starten die Chauffeure ihre Schicht. «Sie beladen ihre Fahrzeuge mit dem Stückgut und fahren zu den Kunden in ihrem Gebiet. Auf dem Rückweg nehmen sie Lieferungen mit, die dann abends auf der Schiene versandt werden», sagt Koller.

Als er anfing LKW zu fahren, verkörperte die Fahrt im Lastwagen noch Freiheit und Unabhängigkeit. Nun sind die Strassen meistens mit Autos blockiert. Das gilt insbesondere für die Strassen um Altstetten. «Der LKW-Chauffeur bekommt immer zu hören, dass er zu spät ist», sagt Koller. Dies sei anstrengend. Mittlerweile stellt das Unternehmen den Kunden gar einen Stauzuschlag in Rechnung. Pünktlichkeit ist aber immer noch ein wichtiges Qualitätsmerkmal: Deshalb sind alle Planzer-Fahrzeuge mit einem GPS-Peilsender ausgerüstet. Kommt eines der rund 100 Fahrzeuge auf der Strasse in Verzug, leuchtet im Verteilzentrum Altstetten automatisch eine rote Lampe beim Disponenten auf. Darauf informiert dieser den Kunden über die Verzögerung.

Fläche des Paketlieferdiensts wird verzehnfacht

Das 80-jährige Familienunternehmen betreibt schweizweit noch weitere zwölf Verteilzentren mit Bahnanschluss. Den gemeinsamen Nenner haben die meisten Planzer-Lieferungen im Limmattal. «Die meisten unserer Zugtransporte fahren über den Rangierbahnhof Limmattal. Von dort werden sie in die verschiedenen Verteilzentren in der Schweiz geschickt», so Koller. Insgesamt werden dort jede Nacht 300 Güterwagen von Planzer rangiert. Ob es künftig noch mehr sein werden, ist noch unklar. Das Unternehmen macht sich auf alle Fälle für einen stärkeres Wachstum bereit. Anfang nächstes Jahr soll die Fläche für den Paketlieferdienst in Altstetten verzehnfacht werden.

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