«Der Beschuldigte hat seine Vertrauensstellung als Onkel schamlos missbraucht», erklärte Gerichtspräsident Daniel Bussmann an der Urteilseröffnung. Der heute 48-jährige Schweizer wurde wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt.

Trotz Schuldspruch konnte der teilgeständige Limmattaler mit dem Entscheid nicht unzufrieden sein. So hatte die zuständige Staatsanwältin Claudia Kasper nicht nur wegen sexueller Handlungen, sondern auch wegen Vergewaltigung eine bedeutend härtere Strafe von viereinhalb Jahren Freiheitsentzug gefordert.

Vergewaltigung bestritten

Unbestritten war, dass der Beschuldigte 1998 seine damals achtjährige Nichte an seinem damaligen Limmattaler Wohnort wiederholt sexuell missbraucht hatte. In der Anklage war von Küssen, Streicheln und Kneten der Brüste die Rede. Der jedes Mal angetrunkene Onkel erklärte der Schülerin jeweils, sie müsse keine Angst haben, das sei normal.

Der Angeklagte hatte diese Vorwürfe nach seiner Festnahme im März 2011 während einer zweimonatigen Untersuchungshaft zugegeben. Seine inzwischen über 20-jährige und psychisch angeschlagene Nichte hatte sich zu einer Strafanzeige durchgerungen.

Sie machte geltend, dass sie vom Täter nicht nur begrapscht, sondern auch kurz nach den Weihnachten 1998 in einem Luftschutzkeller zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden sei. Wobei der Beschuldigte diese Vergewaltigung vehement in Abrede stellte.

Vergewaltigung nicht erwiesen

Vor Obergericht gab der Beschuldigte die sexuellen Handlungen zu und sprach von einem «Seich», den er getan habe. Eine Vergewaltigung wies er aber von sich. Zum Missfallen von Staatsanwältin Kasper, die sich nicht erklären konnte, dass die Geschädigte ausgerechnet in diesem Punkt nicht die Wahrheit gesagt haben soll.

Allerdings war bereits das Bezirksgericht Dietikon vor einem Jahr beim bestrittenen Hauptvorwurf zu einem Freispruch gekommen. Mit Argumenten, die nun auch die Oberrichter bestätigten. Die Privatklägerin habe bei den Vorwürfen der Vergewaltigung zu widersprüchliche Angaben zu Protokoll gegeben, hielt der Vorsitzende Bussmann fest. Zudem habe die Geschädigte während der Untersuchung ausgesagt, dass sie auch von ihrem Vater missbraucht worden sei. Weshalb nicht ausgeschlossen sei, dass das Opfer real Erlebtes mit einer falschen Person verknüpft habe.