Reisebericht

On the Road Again: Weiter geht's nach Nordamerika

Romy Müller und Miro Slezak wollen es noch einmal wissen: Aus dem Projekt «von Urdorf nach Australien» wird nun eine Weltumrundung – der alte VW-Bus darf natürlich auch auf der letzten Etappe nicht fehlen

Eigentlich hatten wir geplant, dass unsere grosse Reise von Urdorf bis Australien gehen sollte. Am Ende unseres sechsmonatigen Aufenthaltes auf dem fünften Kontinent sind wir aber noch kein bisschen müde und entschliessen uns, eine weitere Etappe in Nordamerika anzuhängen. Somit soll es eine Reise rund um die Welt werden.

Das heisst nun, dass wieder einmal eine leidige Verschiffung des Autos ansteht. In Australien geht die Verladung auf ein Containerschiff mit der Unterstützung einer Agentur speditiv über die Bühne, anders sieht es jedoch mit dem Auslösen im Hafen von Los Angeles aus. Wie immer kommt das Schiff mit Verspätung an und auch der US-Zoll lässt sich Zeit – sehr viel Zeit. Tage vergehen, ohne dass sich das Amt rührt. Unser Agent tut sein Bestes, aber die Behörde lässt sich nicht hetzen. Wir können nur warten und immer wieder auf den nächsten Tag hoffen.

Für die Fahrten zwischen den Ämtern, der Agentur und unserem Hotel benutzen wir den Metrobus. Doch an einem Tag dauert unsere Fahrt nur kurz. An der zweiten Haltestelle meldet ein Passagier der Busfahrerin, dass sich im hinteren Teil des Busses ein herrenloser Rucksack befindet. Sofort wird Alarm geschlagen, nach ein paar Minuten treffen vier Polizeiautos mit Sirenengeheul ein. Wir müssen den Bus schleunigst verlassen und in sicherer Entfernung warten. Nach 20 Minuten kommt eine weitere Polizeieinheit, ausgerüstet mit Panzerwesten und begleitet von einem Hund. Die Polizisten machen sich sofort an die Untersuchung des verdächtigen Gepäckstückes. Dann kommt unser Ersatzbus, wir fahren weiter – und so werden wir nie erfahren, was sich im verdächtigen Rucksack befand.

1300 Dollar fürs Konfiszieren

Vier Tage nach der Ankunft des Schiffes erreicht uns das erste Rauchzeichen. Wir bekommen die Nachricht, dass der Zoll den Autoschlüssel braucht. Nach einem weiteren Tag – oh Wunder – hat die Behörde die Inspektion abgeschlossen. Unser Waschpulver wird konfisziert. Weisses Pulver scheint verdächtig zu sein, auch wenn es noch so parfümiert riecht.

Die Dienstleistung des Zolls hat ihren Preis, wie wir bald schmerzlich erfahren müssen: 1300 Dollar sind fällig. Wir können nur leer schlucken und in den sauren Apfel beissen, denn solange die Rechnung nicht beglichen ist, wird das Fahrzeug nicht freigegeben. Wir glaubten uns hier in einem zivilisierten Land, doch irgendwie fühlen wir uns nach Indien zurückversetzt.

Zwei Tage später kommt meine Tochter Janine mit ihrem Freund Raphael in Los Angeles an. Wir freuen und auf drei gemeinsame Wochen, in denen wir den Westen der USA bereisen wollen. Die beiden haben sich ein typisch amerikanisches Wohnmobil gemietet, das mehr als doppelt so lang wie unser VW-Bus ist. Die Ausstattung lässt keine Wünsche übrig: Klimaanlage, komplette Küche mit Herd und Mikrowelle, Kühlschrank mit Gefrierfach, warmes Wasser, ein Badezimmer mit Dusche und WC, Generator, und nicht zu vergessen: das romantische Schlafzimmer. Da können wir nur vor Neid erblassen.

Nur lenken möchten wir das Ungetüm nicht, vor allem nicht durch die riesige Stadt Los Angeles, die es jetzt erst einmal zu durchqueren gilt. Dann fahren wir auf der angeblich schönsten Strasse Kaliforniens, dem Highway Nummer 1, immer der Küste entlang in Richtung Norden nach San Francisco. Einige Abschnitte sind wirklich spektakulär, sie führen an der wilden, steilen Felsenküste entlang, andere entpuppen sich leider als gewöhnliche Autobahn. An einigen Stränden können wir die Tierwelt Kaliforniens kennenlernen: Wir beobachten Seelöwen, See-Elefanten, die ständig miteinander kämpfen, Pelikane, Geier, Kormorane und Möwen. Am lustigsten aber finden wir die kleinen, quirligen Erdhörnchen, die recht zutraulich sind.

Einfach und angenehm

Das Reisen in Amerika empfinden wir als einfach und angenehm. Die Strassen sind hervorragend, die Autofahrer verhalten sich diszipliniert, Tankstellen und Einkaufszentren gibt es in Hülle und Fülle, alles funktioniert reibungslos und dank des schwachen Dollars ist das Leben für uns günstig. Das Benzin, das bei uns am meisten zu Buche schlägt, ist ungefähr halb so teuer wie in der Schweiz. Und die Amerikaner sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit – ja, uns geht es gut.

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