Geroldswil
Oliver Meiers Südamerika-Reise soll zum Kunstwerk werden

Der Geroldswiler Oliver Meier trampt ein Jahr durch Südamerika und will den Kontinent mit kunstvollen Fotos porträtieren.

Sandro Zimmerli
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Oliver Meier kehrt Geroldswil für ein Jahr den Rücken, um sich in Südamerika dem Fotografieren zu widmen. zim

Oliver Meier kehrt Geroldswil für ein Jahr den Rücken, um sich in Südamerika dem Fotografieren zu widmen. zim

Oliver Meier reist gerne, am liebsten ohne Plan. Vor sieben Jahren radelte der heute 30-jährige Geroldswiler ohne Geld drei Wochen durch die Schweiz. Drei Jahre später wiederholte er das Experiment. Von Zürich ging es mit dem Fahrrad wieder ohne Geld bis nach Santiago de Compostela im Norden Spaniens. Nun zieht es ihn wieder in die weite Welt. Das Ziel heisst Mittel- und Südamerika – für ein Jahr.

Im Geiste der Streetart-Künstler

Nebst den nötigsten Reiseutensilien – dazu gehört für einmal auch Geld – ist eine Kamera das wichtigste Gepäckstück. Meier plant, seine Reise fotografisch zu dokumentieren. «Es soll ein Reisetagebuch ohne Worte entstehen, das gleichzeitig einen künstlerischen Anspruch erfüllt», sagt er. Es gehe ihm dabei darum, seine Fotos im Geiste von Streetart-Künstlern zu gestalten. «Ich will Gegenstände oder Menschen, die ich antreffe, in ihrer natürlichen Umgebung künstlerisch in Szene setzen und so die Stimmung des jeweiligen Ortes einfangen», hält er fest. Beispielsweise könne der Sand am Strand zu einer Skulptur geformt werden. Gleiches sei auch mit Abfall möglich.

Die Idee zu diesem Projekt ist Meier spontan eingefallen. «Ich will etwas Spezielles machen. Mit den Bildern kann ich zwei Hobbys miteinander verbinden», so Meier. Einerseits sei Reisen eine grosse Leidenschaft. Andererseits male und fotografiere er sehr gerne. «Das Projekt ist für mich ein Experiment. Auf einer solch langen Reise wird es schöne und weniger schöne Momente geben. Diese will ich festhalten», sagt Meier.

Wohin es ihn verschlagen wird, weiss Meier noch nicht. Am Freitag hat er das Flugzeug nach Havanna bestiegen. Dort wird er zwei Wochen eine Sprachschule besuchen. Danach geht es nach Mexiko und weiter nach Belize. «Mehr ist noch nicht geplant. Sicher ist nur, dass ich Anfang Februar 2013 einen Rückflug von Buenos Aires aus habe», sagt er. Wie er dorthin komme, werde sich weisen. «Ich trampe durch die Länder. Dabei werde ich in Bussen, zu Fuss oder per Anhalter reisen», so Meier.

Hilfswerk-Job in Honduras

Möglicherweise wird Meier einen zwei- bis dreimonatigen Stopp in Honduras einlegen. «Ich bin wegen eines Jobs mit einem Hilfswerk für Strassenkinder im Kontakt», hält er fest. Dort würde er für seine Dienste Kost und Logis erhalten. Ansonsten seien keine weiteren Jobs während des nächsten Jahres geplant.

«Ich habe in den letzten drei Jahren berufsbegleitend eine Ausbildung zum Maltherapeuten gemacht», sagt der gelernte Maler und Snowboardlehrer. In dieser Zeit seien sämtliche Ferien für die Schule reserviert gewesen. «Ich habe in dieser Zeit keine einzige Reise unternommen. Deshalb will ich dieses Abenteuer voll auskosten», hält er fest.

Die Idee, nach Südamerika zu reisen, trägt Meier schon lange mit sich herum. «Vor acht Jahren war ich in Mexiko. Land und Leute haben mich fasziniert», sagt er. Da habe er gewusst, dass er dorthin zurückkehren müsse. «Dann sind mir die beiden Reisen ohne Geld dazwischengekommen», so Meier. Nun freue er sich umso mehr, den Kontinent kennen zu lernen – wo auch immer das sein wird.