Kloster Fahr
Ohne sie bleiben die Geigenkästen an Pfingsten geschlossen

Die Dietikerin Xenia Burkard (19) organisiert seit zwei Jahren die Pfingstkonzerte.

Gabriele Heigl
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«Seit ich mich erinnern kann, schon als ganz kleines Mädchen, bin ich immer im Kloster mit dabei gewesen», sagt Xenia Burkard.

«Seit ich mich erinnern kann, schon als ganz kleines Mädchen, bin ich immer im Kloster mit dabei gewesen», sagt Xenia Burkard.

Sandra Ardizzone

Wie kommt eine 19-Jährige zu dieser Aufgabe? Seit letztem Jahr zeichnet Xenia Burkard, die mit ihrer Familie in Dietikon wohnt, verantwortlich für die Organisation der alljährlichen Pfingstkonzerte im Kloster Fahr.

«Musik war einfach mein ganzes Leben ein Thema», meint sie. Mutter Eva-Maria ist Cello-Lehrerin an der Musikschule Dietikon und spielt als sogenannte Zuzügerin im Zürcher Opernhaus-Orchester. Auch der Vater ist Berufsmusiker. Gallus Burkard spielt unter anderem im Tonhalle-Orchester Kontrabass.

Der «Job» für Tochter Xenia rührt aber aus einem anderen seiner musikalischen Engagements her. Er ist Gründungsmitglied des «Schweizer Oktetts» und einer der Initianten der mittlerweile zum 15. Mal stattfindenden klösterlichen Pfingstkonzerte.

Xenia Burkard: «Seit ich mich erinnern kann, schon als ganz kleines Mädchen, bin ich immer im Kloster mit dabei gewesen.» Während ihre Eltern mit Konzertvorbereitungen beschäftigt waren, spielte sie mit Andrea Schmid-Kunz, dem Sohn von Johannes Schmid-Kunz, Manager des Oktetts und ehemals Pfingstkonzerte-Organisator. «Ich habe als Kind für jedes Konzert-Plakat, das ich in den Geschäften platziert hatte, 50 Rappen bekommen. Ein gutes Geschäft», meint Xenia Burkard und lacht.

Konzertförderung: Mal mehr – mal weniger

Eine Veranstaltung wie die Pfingstkonzerte trägt sich nicht selbst und ist daher auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Das sieht man auch bei der Stadt Dietikon so. Dietikons Kommunikationsbeauftragte Esther Pioppini: «Die Konzerte werden von vielen Personen aus Dietikon besucht, darum werden sie unterstützt.» Die Höhe der Förderung schwankt aber.

Gab Dietikon von 2004 bis 2015 jährlich noch durchschnittlich 1500 Franken, wurde der Beitrag 2016 aufgrund von Kulturbudgetkürzungen auf 800 Franken reduziert. In diesem Jahr wurden 1000 Franken gesprochen. Auch Schlieren ist Pfingstkonzertförderer. In den Jahren 2015 und 2017 lag der Beitrag bei je 600 Franken. Und auch die Gemeinde Würenlos ist mit 800 Franken dabei. (GAH)

Einfach angepackt

Als im letzten Jahr der Organisationsposten vakant wurde, trug Vater Gallus die Aufgabe an die 18-Jährige und den damals 21 Jahre alten Andrea heran. Andrea, der Geschichte und Germanistik studiert, hat in diesem Jahr die Sponsorenakquise, die Werbung und die Medienarbeit übernommen. Hauptorganisatorin ist Xenia, die im 2. Semester an der ETH Bauingenieurwesen studiert. «Glücklicherweise finden die Konzerte am Semesterende statt. So überschneidet sich die Organisationsarbeit nicht mit meiner Lernphase.» Die Programmheft-Gestaltung, eine besonders umfangreiche Aufgabe, konnte sie an ihren Bruder Roman delegieren.

Da bei Xenia Burkard alle Fäden zusammenlaufen, stehen spätestens ab Februar mehrere Besprechungen auf ihrer To-do-Liste, etwa mit dem Förderverein des Oktetts und mit dem Restaurant «Zu den zwei Raben», wo jeweils am letzten Konzertabend die Diner-Veranstaltung stattfindet. Dabei geht es um Raumreservation und Menüauswahl. «Ich suche das aus, was ich fein finde», meint sie und lächelt verschmitzt. In diesem Jahr sind das Nüsslisalat, Rindsbraten mit Kartoffelstock und Gemüse und Pannacotta mit Beeren.

Auch mit der Hausherrin des Klosters, Priorin Irene Gassmann, stimmt sie sich ab. Zu klären sind etwa der zeitliche Ablauf und neue Ideen. So war im letzten Jahr erstmals eine Klosterführung durch die Priorin in das Programm aufgenommen worden. «Aus Platz- und zeitlichen Gründen hat sich das nicht bewährt», so Xenia Burkard. Dafür wurde in diesem Jahr ein Text der Priorin in das Programmheft aufgenommen.

«Ich habe als Kind für jedes Konzert-Plakat, das ich in den Geschäften platziert hatte, 50 Rappen bekommen. Ein gutes Geschäft.»

Xenia Burkard Studentin des Bauingenieurwesens und Organisatorin der Pfingstkonzerte

Es gehe in erster Linie darum, zu schauen, ob «wir beide auf derselben Wellenlänge sind», meint Burkard. Priorin Irene unterstützt die Konzerte gerne: «Für mich sind sie eine schöne, passende Tradition zum Pfingstfest, denn Musik bringt Menschen in Bewegung, Musik verbindet Menschen. Das ist ein pfingstliches Bild, ein pfingstliches Erleben.» So könnten sie an den Feiertagen an diesem besonderen Ort etwas von dieser Atmosphäre spüren und mit nach Hause nehmen.

Auf dem rechten Ohr taub

Um das musikalische Programm müssen sich Burkard und Schmid-Kunz nicht kümmern, das ist die ureigenste Aufgabe des Oktetts. Aber mitreden könnte Xenia Burkard schon. Mit dreieinhalb Jahren bekam sie bereits Geigenunterricht, bis festgestellt wurde, dass sie auf dem rechten Ohr taub ist. Der Arzt meinte, ein Instrument so nah am funktionierenden Ohr wäre nicht gut für sie. Also probierte sie Harfe, Trompete und Querflöte aus und landete schliesslich bei Cello und Kontrabass. Sie spielt in verschiedenen Orchestern. Unter anderem war sie auch Teil des Stringendo-Ensembles, dem Jugendorchester, das bei den Pfingstkonzerten immer die musikalischen Gottesdienste gestaltet.

Konzert-Programm

- Freitag, 2. Juni, 19.30 Uhr: Nachwuchs-Künstlerinnen und -Künstler in der St.-Anna-Kapelle

- Samstag, 3. Juni, 19.30 Uhr: Abendkonzert in der Klosterkirche

- Sonntag, 4. Juni: 9.30 Uhr: musikalischer Gottesdienst in der Klosterkirche; 17 Uhr: Festkonzert in der Klosterkirche, unter anderem mit Mussorgskis «Bilder einer Ausstellung»; 19 Uhr: Diner-Musical im Restaurant «Zu den zwei Raben».

Die Organisationsarbeit läuft nicht immer glatt. «Zu schaffen macht uns, dass jedes Jahr weniger Geld gesprochen wird, sowohl von den Gemeinden wie den Sponsoren», meint Xenia Burkard. Da gab es auch in diesem Jahr eine mutlose Phase, als sich herausstellte, dass nur mit ganz wenig Geld von Sponsoren zu rechnen war. Auf einer Krisensitzung mit dem Vater und anderen Oktett-Mitgliedern sowie dem Vorstand des Fördervereins beschäftigte sie sich mit der Frage: Wo können wir noch Geld hereinholen, oder wo auf etwas verzichten?

Auf der Kostenseite schlagen vor allem die Programmhefte, Flyer und Plakate zu Buche. «Die Tickets habe ich selbst entworfen und gedruckt», so Burkard. An die 400 davon werden jedes Jahr verkauft. Gerne würde man mehr Publikum anlocken, vor allem auch jüngere Musikfreunde. «Die Konzerte haben wenig junges Publikum. Allerdings hilft es, dass wir Organisatoren junge Leute aus unserem Umfeld dafür interessieren können.» Auch ein noch höherer Studentenrabatt (50 Prozent statt 10 Franken) und Flyer an Hochschulen sollen helfen. «Wir arbeiten dran», meint Burkard. So kurz vor dem Konzertwochenende hat sie nur noch einen Wunsch: das richtige Wetter. «Im letzten Jahr hatten wir leider scheusslich viel Regen.»