Urdorf

Ohne permanente Gastfamilie in der Schweiz: Was nun?

Simon Ariza widmet einen Grossteil seiner Freizeit dem Schreiben von Songtexten – dabei inspiriert ihn die Schweiz.

Simon Ariza widmet einen Grossteil seiner Freizeit dem Schreiben von Songtexten – dabei inspiriert ihn die Schweiz.

Austauschschüler Simon Ariza hat sich in einem Monat schon gut in der Schweizeingelebt — nur mit einer permanenten Gastfamilie hat es bis jetzt noch nicht geklappt.

Simon Ariza ist ein ruhiger Austauschschüler. Er überlegt sich seine Sätze ganz genau und redet nie zu viel. Viel lieber beschäftigt er sich mit seiner Musik und schreibt Liedertexte. «Der Aufenthalt in der Schweiz inspiriert mich sehr. Später will ich aber lieber Schauspieler werden, die Musik ist einfach ein grosses Hobby», sagt er.

Ariza ist 18 Jahre alt und wohnt normalerweise in der Kleinstadt Marina in Kalifornien. Jetzt ist er seit gut einem Monat in Wettswil am Albis bei seiner Willkommensfamilie und besucht die Kantonsschule Urdorf. «Ich mag die Ambühls und habe einen guten Draht zu ihnen», sagt Ariza. Die Familie hat ihn allerdings nur übergangsmässig aufgenommen, bis er eine permanente Gastfamilie gefunden hat.

Schon Anschluss gefunden

Obwohl Ariza erst seit einem Monat in der Region lebt, konnte er schon einige Freundschaften schliessen. «Meine 16-jährige Gastschwester hat eine Party veranstaltet. Dort waren auch ein paar Jungs in meinem Alter, mit denen ich mich gut verstehe und bis heute schon einiges unternommen habe», so Ariza. In der Schule halte er sich aber noch zurück. «Deshalb denken einige, es gefalle mir hier nicht. Das ist aber nicht wahr, ich fühle mich sehr wohl», sagt er. Er sei sich das Reisen einfach schon gewöhnt und spüre nicht mehr dieselbe Aufregung, wie jemand der zum ersten Mal von zu Hause weg ist. «Ich bin in Kolumbien geboren, danach zogen wir nach Arizona, wieder zurück nach Kolumbien und schliesslich nach Kalifornien. Dazwischen habe ich alleine Südkorea und Südamerika bereist», erzählt Ariza. Seine Familie sei auf der ganzen Welt verstreut. So besucht er an Weihnachten beispielsweise einen Teil der Familie in Belgien. «Danach will ich noch einige andere europäische Länder sehen, wie Deutschland, Italien oder Tschechien», sagt Ariza.

Kulturelle Unterschiede

Er konnte auch schon einige Unterschiede zwischen der Schweiz und den USA feststellen. «Ich liebe den öffentlichen Verkehr hier. Zu Hause kommt man ohne Auto nicht sehr weit», sagt er. Er schätze es sehr, sich in den Zug setzen zu können und innerhalb weniger Minuten in Zürich zu sein.

Auch die Schule sei etwas anders. «Hier behandeln dich die Lehrer als Erwachsenen und übergeben dir viel mehr Eigenverantwortung», so Ariza. In den USA würde man viel mehr kontrolliert und müsse für alles um Erlaubnis bitten. Teenager hingegen seien überall gleich, nämlich ziemlich neugierig. «Ich kam einmal in das volle Klassenzimmer und sagte einem Mädchen bloss ‹Hallo› und schon drehten sich alle Köpfe um», erzählt er.

Obwohl Ariza schon einiges von der Welt gesehen hat, wollte er unbedingt ein Jahr weg. «Ich will neue Dinge entdecken und Lektionen für das Leben lernen», so Ariza. Er habe aber lange nicht gewusst, in welchem Land er sein Austauschjahr verbringen sollte. «Ich habe mich dann für die Schweiz entschieden, weil sie eine grosse Vielfalt bietet, nicht nur an Sprachen.»

Da er davon träumt, als Schauspieler erfolgreich zu sein, könne er sich aber erstmal nicht vorstellen dauerhaft in Europa zu bleiben. «In den USA hat man viel mehr Möglichkeiten, um als Schauspieler durchzustarten», sagt er. Wegen seines Karrierewunsches habe er es auch nicht eilig, die Schule zu beenden. «Ich brauche noch Zeit, um richtig gut zu werden.» Trotzdem habe er vor, zu studieren, um einen Plan B in der Hinterhand zu haben.

Die Zeit wird knapp

Bis zu den Herbstferien muss seine Austauschorganisation AFS eine dauerhafte Lösung finden. «Wenn ich bis dann keine Gastfamilie habe, weiss ich nicht, was passiert», sagt Ariza. Er habe einen Freund, bei dem er sicher unterkommen könne. «Ich weiss aber nicht, ob das AFS erlauben würde», sagt Ariza. Bis jetzt ist es noch nie vorgekommen, dass ein Austauschschüler wieder nach Hause geschickt wurde, sagt Nicole Rast von AFS. Das sollte Simon beruhigen. Und vielleicht bleibt er am Ende sogar bei Familie Ambühl. «Es kann durchaus vorkommen, dass die Willkommensfamilie den Austauschstudenten so sehr ins Herz schliesst, dass sie ihn doch für ein ganzes Jahr aufnehmen«, so Rast.

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