Schlieren
Offizieller Spatenstich: Das jahrelange Hin und Her nimmt endlich ein Ende

Seit bald 20 Jahren will man das Spital Limmattal erneuern. Diese Zeit war von Hoffnung, Aufbruchstimmung und viel Frustration geprägt.

Bettina Hamilton-Irvine
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Visualisierung Spital Limmattal
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Limmi Viva: Ansicht von der Urdorferstrasse
Die Tarife funktionieren schon heute gut für das «Limmi». Der Gerichtsentscheid am Freitag gibt Hoffnung, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Zudem wird das Spital mit seinem Einzug in den Neubau ab 2018 seine Effizienz weiter steigern können (Bild: Visualisierung des neuen «LimmiViva»).
Limmi Viva: Bettenstation Korridor
Limmi Viva: Patientenzimmer privat

Visualisierung Spital Limmattal

spital-limmattal.ch

Würden Sie sagen, das Spital Limmattal ist ein architektonisches Signal, ein Symbol der Sicherheit oder ein Mahnmal, dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist? Sehr wahrscheinlich würden Sie heute andere Worte wählen, um das «Limmi» zu beschreiben. Vor bald 45 Jahren hingegen beantworteten die Anwesenden an der Eröffnungsfeier des Spitals Limmattal die Sinnfrage im Zusammenhang mit ihrem neuen Krankenhaus genau so. Dies berichtete das «Limmattaler Tagblatt» am 9. März 1970 unter dem Titel «Schlieren: Eines der modernsten Spitäler des Kantons wurde eingeweiht».

Auch das – die Sache mit der Modernität – ist heute längst nicht mehr wahr. Bei seiner Eröffnung war das Spital Limmattal noch der ganze Stolz der Region und galt als ultramodern – das «Limmattaler Tagblatt» schrieb, es sei wohl «Musik in den Ohren der Gemeindevertreter» gewesen, dass der damalige Zürcher Gesundheitsdirektor Urs Bürgi betonte, das Spital zähle zu den modernsten der ganzen Schweiz. Und Hans Durtschi, damals Präsident des Spitalverbands, schwärmte von den «modernsten Einrichtungen der heutigen medizinischen Therapie».

Heute jedoch, viereinhalb Jahrzehnte später, ist das «Limmi» längst in die Jahre gekommen und muss ersetzt werden. Mit dem gestrigen Spatenstich ist man dem Ziel, wiederum mit Stolz ein neues Spital Limmattal einweihen zu können, einen zünftigen Schritt näher gekommen. Das ist auch nötig. Denn man ist schon lange, bald 20 Jahre lang, unterwegs auf diesem Weg. Dass er nicht mit Siebenmeilenstiefeln beschritten werden konnte und dass man immer wieder auch längere Verschnaufpausen einlegen musste, hat die unterschiedlichsten Gründe.

Schon 1996 dachte man erstmals laut über eine Erneuerung des Spitals nach und begann mit der Planung. Im Jahr 2001 zeigten Untersuchungen, dass dringend Lösungen hermüssten: Das Spital Limmattal habe seine Grenzen erreicht, nun müsse man investieren.

Wieso? 30 Jahre nach der Eröffnung war das «Limmi» stark gewachsen. Die Anzahl der stationären Patienten hatte um 36 Prozent auf 7600 zugenommen und ambulante Patienten behandelte man mittlerweile jährlich 26 200. Weil das Spital zwar seine Leistungen und die medizintechnischen Geräte den Bedürfnissen anpassen konnte, nicht aber das Gebäude, kam es langsam in Not. Platznot – im Notfall, in den Operationssälen, auf den Bettenstationen, überall. Beeinträchtigt waren auch die betrieblichen Arbeitsabläufe, und nicht zuletzt sollte die Hotellerie modernisiert werden. Die Ansprüche der Patienten hatten sich verändert.

Freuen, bangen, aufatmen ...

Und die Lösung? Einen zusätzlichen achtstöckigen Neubau wollte man bauen, für knapp 100 Millionen Franken. Bis 2011 sollte er bezugsbereit sein. Die Gemeinden waren begeistert.

Doch erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt: Schon ein paar Monate später ordnete der Kanton einen Planungsstopp an, weil er keine Möglichkeit für eine Finanzierung sah. Es sah düster aus für das «Limmi», man befürchtete das Schlimmste. Im Frühling 2002 konnte man aber bereits wieder aufatmen: Die damalige Zürcher Gesundheitsdirektorin Verena Diener hob den Planungsstopp auf. Ein Jahr später wurde die Sache langsam konkret. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, den Metron für sich entschied. Nun wollte man auf ein neunstöckiges, zweites Hochhaus setzen. Leo Boos, damals Spitaldirektor, hoffte nach wie vor auf eine Fertigstellung im Jahr 2011.

Der nächste Katzenjammer

In den nächsten Jahren wurde das Projekt angepasst, man sprach nun von einer Fertigstellung bis 2015. Mittlerweile ging man von 142 Millionen Franken Kosten aus. Der geplante Neubau war unterdessen auf sechs Geschosse geschrumpft, das alte Hochhaus wollte man bis auf zwei Stöcke hinunter abreissen. Die Kosten sollten sich Gemeinden und Kanton teilen. Spitaldirektor Boos sagte damals in einem Interview mit der Limmattaler Zeitung auf die Frage, ob die Kosten auch noch steigen könnten: «Nein.»

Schon 2007 lagen sie aber bei knapp 150 Millionen Franken. Nichtsdestotrotz stellte sich das Stimmvolk in allen 17 Verbandsgemeinden mit über 80 Prozent Zustimmung hinter den Neubau.

Bald folgte der nächste Katzenjammer: Die Gesundheitsdirektion verfügte einen Ausführungsstopp. Der Grund: Man wolle vor einem Ja zum Neubaukredit die Leistungsentwicklung quantifiziert haben. Ende 2008 dann erklärte der Kanton das geplante Projekt aufgrund der steigenden Patientenzahlen als bereits zu klein und liess es scheitern. Ein angepasstes Projekt sollte nun nicht mehr 150 Millionen, sondern 250 Millionen Franken kosten.

Im Jahr 2010 dann erreicht das Spital Limmattal den Tiefpunkt seiner Geschichte: Zuerst lässt die Gesundheitsdirektion eine Bombe platzen und stoppt das Neubauprojekt endgültig. Mit Blick auf die baldige Veränderung des Spitalfinanzierungsgesetzes sei das Projekt nicht finanzierbar, es fehlten 100 Millionen Franken. Danach scheitert eine geplante Teilprivatisierung des Spitals unter dem zurückgekehrten Leo Boos am heftigen Widerstand der Bevölkerung – und damit auch das zweite Neubauprojekt.

Ein Jahr später dann hatte mit Direktor Thomas Brack und Präsident Markus Bärtschiger ein neues Team die Zügel in die Hand genommen. Das «Limmi» rappelte sich noch einmal auf, nahm zum dritten Mal Anlauf und einen Neubau ins Visier.

Endlich am Ziel

Und seither läuft es. Das neue Führungsteam schaffte es nicht nur, das Spital wieder in ruhigere Bahnen zu lenken und das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, sondern auch, ein überzeugendes Neubauprojekt vorzustellen und innert kürzester Zeit die Finanzierung – 270 Millionen kostet es insgesamt – sicherzustellen. Somit wird ein jahrelanger, teilweise mühseliger Weg zum Neubau in vier weiteren Jahren endlich zum Ziel geführt haben. Dass nach dem gestrigen Spatenstich auch die letzten Schritte auf diesem Weg noch sicher gefunden werden, davon darf man ausgehen.

Anders als im März 1970, als das «Limmattaler Tagblatt» von einem «nicht eben intelligenten Scherz» zur Eröffnung des neuen Spitals berichtete: Des Nachts seien in der Schlieremer Ortsmitte die Spitalwegweiser verstellt worden, «so dass vermutlich eine Reihe motorisierter Spitalbesucher zeitraubend und sinnlos in die Irre geführt worden sind». Aber das ist Geschichte.

Der lange Weg zum neuen Spital

1970 Am 1. Mai wird das Spital Limmattal in Schlieren eröffnet.

1998 Das «Limmi» wird auf die Zürcher Spitalliste gesetzt und kann weitergeführt werden. Andere – etwa das Akutspital Dielsdorf – werden geschlossen. Das «Limmi» muss sich neu im Markt positionieren. Es wird über eine Erneuerung des Spitals nachgedacht.

2003 Ein Architekturwettbewerb wird durchgeführt. Metron gewinnt.

2005 Das Projekt wird aufgrund einer aktualisierten Leistungsprognose weiterentwickelt.

2007 Die Stimmberechtigten der damals 17 Verbandsgemeinden stimmen einem Kredit über 149,5 Millionen für einen Neubau zu. Doch die Zürcher Gesundheitsdirektion verhängt einen Ausführungsstopp.

2008 Die Gesundheitsdirektion lässt das Projekt Neubau scheitern. Neue Analysen brachten ans Licht, dass das Spital im Bereich ambulante Leistungen und Notfall zu klein ist. Die Anpassung des Projekts lässt die Kosten auf 250 Millionen schnellen.

2010 Die Gesundheitsdirektion stellt die Wirtschaftlichkeit des Neubauprojekts mit Blick auf das neue Spitalfinanzierungsgesetz infrage. Die Idee einer Teilprivatisierung des Spitals scheitert am Widerstand der Bevölkerung.

2011 Start für das aktuelle Neubauprojekt «LimmiViva».

Juli 2013 Die Finanzierung für das Neubauprojekt steht. Von den 270 Millionen Franken Kosten werden 225 Millionen fremdfinanziert – mit einer langfristigen Basisfinanzierung von Postfinance und UBS. Dank historisch tiefer Zinsen, die auf 20 Jahre abgesichert sind, spart das «Limmi» gegenüber dem Businessplan 60 Millionen Franken.

2013 Am 22. September sprechen sich die Stimmberechtigten der Verbandsgemeinden an der Urne mit 91 Prozent Ja-Stimmen für das neue Spitalprojekt aus.

31.08.2014 Letzter Gottesdienst in der Spitalkapelle. Während der Bauphase steht im Spital Limmattal ein Raum der Stille zur Verfügung.

24.09.2014 Offizieller Spatenstich: Die Bauarbeiten beginnen.

Erstes Quartal 2015 Fertigstellung der Provisorien, die als Ersatz für Büros, Funktionsbereiche und technische Anlagen dienen.

März 2015 Die Abbrucharbeiten beginnen. Auch die Spitalkapelle wird abgerissen. Danach werden die Aushubarbeiten für das neue Spital in Angriff genommen.

Juni 2015 Das Erdsondenfeld für die zukünftige Wärmeversorgung des Spitals wird erstellt. Die Rohbauarbeiten beginnen.

Ab Herbst 2016 Innenausbau

Ab Anfang 2018 Test und Inbetriebnahme

Ende 2018 Das neue Spital wird bezogen.

Nach Bezug Abbruch des alten Spitals, Erstellung des Parks auf dem Grund des alten Gebäudes.