Der Kanton Zürich versucht, Firmen mit über 75 Mitarbeitern dazu zu bringen, Mobilitätskonzepte zu erstellen. Damit will man unter anderem dafür sorgen, dass Angestellte auf ihrem Arbeitsweg anstelle des Autos vermehrt öffentliche Verkehrsmittel (öV) oder das Velo nutzen. Eine Umfrage bei Limmattaler Firmen und Behörden zeigt, dass diesem Vorhaben bisher kein durchschlagender Erfolg beschert ist.

Schlieren und Dietikon gehören zu den Partnergemeinden des kantonalen Mobilitätsberatungsprogramms «Mobilität in Unternehmen» (MIU). Firmen in diesen zwei Gemeinden können deshalb Beratungsdienstleistungen von MIU vergünstigt in Anspruch nehmen.

Bisher nutzten Unternehmen das Angebot nur vereinzelt, wie der Schlieremer Standortförderer Albert Schweizer auf Anfrage mitteilt. Diejenigen Firmen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt hätten, seien aber zufrieden, so Schweizer: «Unternehmen, die sich beraten liessen, können Erfolge vorweisen.»

Die Stadtverwaltung und Unternehmen auf Gemeindegebiet profitieren bei der Umsetzung von Mobilitätskonzepten von der Nähe zu den Anschlüssen des öV, erklärt der Standortförderer. Namen von Teilnehmern des Beratungsprogramms möchte er aber nicht nennen Die Stadtverwaltung selbst hat sich ebenfalls vom Kanton beraten lassen und führte als Massnahme im eigenen Fahrzeugpark ein reines Elektrofahrzeug ein, das den Strom von einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Stadthauses bezieht.

Gestaltungsplan verlangt Konzept

Auch in Dietikon besteht eine geringe Nachfrage für die Beratung des MIU vonseiten der Unternehmen, wie Benjamin Ruef vom Stadtplanungsamt sagt. Im Gebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt verlangt der öffentliche Gestaltungsplan aber für Betriebe ab 150 Arbeitsplätzen zwingend ein Mobilitätskonzept. Die Stadt kann ein solches jedoch erst verlangen, wenn der Gestaltungsplan rechtskräftig geworden ist.

Bisher haben erst die Firmen Coop, Dosenbach-Ochsner, Orgapack und Planzer Beratungsdienstleistungen von MIU in Anspruch genommen und teilweise Massnahmen umgesetzt, wie Ruef sagt.

Vor kurzem beschloss auch die politische Gemeinde Urdorf, eine Partnerschaft mit MIU einzugehen, wie Stabsleiter Patrick Müller sagt. Als erste Massnahme ersetzte die Gemeinde ihr benzinbetriebenes Weibelfahrzeug durch ein Elektrogefährt.

Urdorf plant weitere Massnahmen

«Wir sind derzeit daran, weitere Massnahmen für den Verwaltungsbetrieb aus dem Katalog von MIU auszuwählen», so Müller. Gleichzeitig werden alle Urdorfer Firmen mit über 75 Angestellten angeschrieben, um sie für MIU zu gewinnen.

Hat man angesichts des bescheidenen Erfolgs in den anderen Partnergemeinden vor, auch Firmen zur Erstellung von Mobilitätskonzepten zu verpflichten? «Nein», sagt Müller, «wir versuchen, einen möglichst grossen Anreiz zur Teilnahme am Programm zu schaffen. Aber das Interesse muss letztlich auch von Seite der Firmen kommen.»

Spital machte es vor

Als grösster Arbeitgeber Schlierens hat das Spital Limmattal 2012 ein Mobilitätskonzept erstellt, wobei es von MIU beraten wurde. Als konkrete Massnahme erhöhte man etwa die Gebühren für die Parkplätze beim Spital. Für den Erwerb von Parkplatzvignetten sind Mitarbeitende berechtigt, deren Anfahrtsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als 35 Minuten dauert. Ergänzend dazu führte das Spital finanzielle Beiträge an Pendler-Abos für den öV ein und verbesserte die Infrastruktur für Velonutzer.

In den ersten Monaten konnte die Zahl der ausgegebenen Parkplatzvignetten um zehn Prozent reduziert werden, wie das Spital Limmattal auf Anfrage mitteilt.

Ratschläge und Vergünstigungen

Abgesehen vom Spital und einzelnen Ausnahmen haben im Limmattal noch immer viele Grossfirmen kein Mobilitätskonzept. So etwa auch das Stahlhändlerunternehmen Pestalozzi und Co. AG. Mediensprecherin Franziska Wildi sagt, das Mitarbeiterhandbuch rate den Angestellten aber, «in der Regel die ökonomisch und ökologisch sinnvollste Transportart zu wählen».

Teilweise sorgen Firmen ohne Mobilitätskonzept mit Einzelmassnahmen dafür, dass Angestellte einen Anreiz dazu erhalten, mit öV oder Velo zur Arbeit zu kommen. So etwa die Firma Brieger Verpackungen in Schlieren.

«Vor zwei Jahren boten wir unseren Angestellten an, dass sie Velos über die Firma vergünstig kaufen können», sagt der Schlieremer Geschäftsleiter von Brieger, Patrick Rauber. Ein Mobilitätskonzept zu erstellen, sei bei Brieger derzeit aber nicht vorgesehen.