Oetwil/Geroldswil
«Wir haben alles Erdenkliche versucht»: Der Private Fahrdienst des Seniorenrats wird per Ende Jahr aufgelöst

Seit 2014 fuhren Freiwillige des Seniorenrats Oetwil-Geroldswil-Fahrweid ältere Leute zum Coiffeur, zum Arzt oder zum Einkaufen. Wegen mangelnder Fahrerinnen und Fahrer ist in zwei Wochen damit Schluss.

Virginia Kamm
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Mit ihrem Privatauto hat die Freiwillige Doris Bortolani seit 2014 Fahrten für ältere Menschen ausgeführt.

Mit ihrem Privatauto hat die Freiwillige Doris Bortolani seit 2014 Fahrten für ältere Menschen ausgeführt.

Valentin Hehli

Noch rund zwei Wochen steht der Private Fahrdienst des Seniorenrats Oetwil-Geroldswil-Fahrweid älteren Menschen zur Verfügung, um zum Arzt, zur Therapie, zum Coiffeur, zum Einkaufen oder zur Pediküre gefahren zu werden. Dann ist Schluss: Per 31. Dezember wird der Fahrdienst aufgelöst. Dies nicht wegen mangelnden Bedarfs. Sondern weil es an Freiwilligen fehlt. «Für unsere Kundschaft ist das ein Schock», sagt Doris Bortolani, die zusammen mit Gründerin Nelli Schmid den Seniorenrat führt und den Privaten Fahrdienst 2014 ins Leben gerufen hat. «Das Bedauern um die Auflösung ist allseits sehr gross.»

Die Geroldswilerin findet es sehr schade, dass es so weit kommen musste: «Es war keine leichtfertige Entscheidung, den Fahrdienst aufzulösen. Wir haben alles Erdenkliche versucht, aber keine Alternative gefunden», sagt Bortolani. So habe der Seniorenrat, der nächsten Frühling seinen 20. Geburtstag feiert, die Möglichkeit geprüft, mit anderen Fahrdiensten zusammenzuarbeiten. Auf einen Aufruf dieses Jahr an 42 frisch Pensionierte aus Geroldswil und rund 30 aus Oetwil seien insgesamt nur vier positive Antworten mit diversen Einschränkungen gekommen. Auch auf Facebook habe ein Aufruf nicht gefruchtet. «Wir hoffen nun, dass jemand Interesse hat, einen Ersatz auf die Beine zu stellen», sagt die 79-Jährige.

Früher waren es 16 Fahrer, heute noch rund fünf

Wie wichtig das wäre, zeige das Beispiel eines Kunden-Ehepaars, das Ende 80 sei, sagt Bortolani. «Er sieht extrem schlecht und sie ist aufgrund einer Rückenoperation, die keinen guten Heilungsverlauf nimmt, von heute auf morgen sehr immobil geworden.» Beide würden eine Busfahrt nicht schaffen und hätten dennoch den unbedingten Wunsch, ihr Leben so gut wie möglich selbst zu stemmen. «Das ist auch ein Grundsatz des Seniorenrates», sagt sie. «Sie ist sein Auge und er ist ihr Halt – und der Fahrdienst ihre Mobilität.»

Das eigentliche Problem sei, dass heute kaum jemand mehr Freiwilligenarbeit leisten wolle, sagt Bortolani. Ein Herr, der sich gemeldet habe, habe wissen wollen, wie viel er beim Privaten Fahrdienst verdienen würde. Als er erfahren habe, dass mit dem Betrag, den die Kundschaft ihm zahlt, lediglich die Benzinkosten gedeckt seien, habe er dankend abgelehnt. Einst standen 16 Fahrerinnen und Fahrer zur Verfügung und waren mit ihrem Privatauto für den Seniorenrat unterwegs, heute sind es nur noch fünf bis sechs. Alters- oder gesundheitshalber beendeten Fahrer ihren Dienst, gleichzeitig stieg die Nachfrage in den letzten Monaten enorm an. Zu Spitzenzeiten werden bis zu 60 Fahrten im Monat ausgeführt. «Das ist heute mit den wenigen Fahrern nicht mehr möglich», sagt Bortolani. «Wir waren zunehmend gezwungen, Fahrten abzusagen.»

Dem Seniorenrat droht nicht die Auflösung

Mit der Gründung des Privaten Fahrdiensts hat der Seniorenrat Oetwil-Geroldswil-Fahrweid 2014 auf ein Bedürfnis reagiert: «Immer wieder haben wir Anfragen von älteren Menschen erhalten, die gerne zum Einkaufen, zum Coiffeur oder an Veranstaltungen gefahren werden wollten», erzählt Bortolani. In Oetwil und Geroldswil seien nur medizinische Fahrten im Angebot. Also hat sie beschlossen, ein privates Angebot zu schaffen, das neben medizinischen auch weitere Fahrten für ältere und insbesondere für gehbehinderte Menschen abdeckt. «Das hat ein paar Jahre lang gut geklappt mit all unseren motivierten und engagierten Helfern», sagt sie.

Beim Seniorenrat selber sieht es mit den freiwilligen Helferinnen und Helfern besser aus. Sie unterstützen ältere Menschen unter anderem im Haushalt, im Garten, bei handwerklichen Aufgaben und bei technischen Problemen wie der Handybedienung oder der Fernsehprogrammierung. «Im Moment sind wir in der glücklichen Lage, dass keine Auflösung des Seniorenrats droht», sagt Bortolani. Allerdings sei es überall schwierig, Freiwillige zu finden.

Die gute Nachricht: Einige der heute noch tätigen Fahrerinnen und Fahrer des Seniorenrats werden auch in Zukunft privat ihre Dienste anbieten. Zudem bestehen in den Gemeinden Oetwil und Geroldswil alternative Angebote. In Oetwil führt ein gemeindeeigener Fahrdienst medizinische Fahrten aus, in Geroldswil tut dies der Rotkreuz-Fahrdienst. Zudem ist in den Gemeinden das Tixi-Taxi für Menschen mit einer Behinderung unterwegs.

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