Die Vereinsgründung des Oetwiler Jazz Clubs war viel eher Mittel zum Zweck, als sie ein Herzenswunsch war. Denn: Damit für die ursprünglich drei Veranstaltungen jährlich die Gemeindescheune kostenlos genutzt werden durfte, musste der Veranstalter als Verein organisiert sein. Andernfalls hätte es teuer werden können. Hans Schweizer kannte den Jazz Club bis vor der Mitgliederversammlung vom letzten April nur von den Konzerten her. «An drei Anlässen habe ich Würste gebrätelt», so der Stadtzürcher. Trotzdem wurde er zum Präsidenten des Jazz-Clubs Oetwil gewählt – einstimmig. Nach nur wenigen Wochen Mitgliedschaft. Spricht man mit Schweizer, dann wird klar, dass er mehr ist als eine Notlösung. Energetisch spricht er über den Jazz, den Club und über Oetwil.

Der 70-Jährige beerbte Mäni Pfister, der 29 Jahre das Präsidium des Vereins innehatte. Vorstandsmitglied Fredi Frei, ein Jugendfreund Schweizers, fragte diesen an, ob er Lust auf den Posten hätte. Noch vor einem Jahr stand es schlecht um den Traditionsverein. Der Vorstand liess verlauten, dass er altersmüde sei und künftig nicht mehr zur Verfügung stehe. Neues Personal konnte gefunden werden. Speziell: Nur rund die Hälfte des sechsköpfigen Vorstandes ist noch in Oetwil wohnhaft.

«Ziel ist es, den Jungmusikern in Oetwil eine Plattform zu geben.» Hans Schweizer Präsident Jazz Club Oetwil

«Ziel ist es, den Jungmusikern in Oetwil eine Plattform zu geben.» Hans Schweizer Präsident Jazz Club Oetwil

Stabübergabe an jüngere Semester

Für Schweizer steht fest, dass er das Amt nicht für die kommenden 30 Jahre übernehmen wird: «Ich denke, dass zwei bis drei Jahre genug sein werden.» Er hofft darauf, dass dereinst jüngere Kräfte das Ruder übernehmen werden. Auch sei eine Zusammenarbeit mit der Jazz-Schule der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) möglich. «Ziel ist es, den Jungmusikern in Oetwil eine Plattform zu geben», sagt er. Gut wäre auch, würde eine jüngere Form des Jazz Gehör finden. «Der Dixieland- Jazz und Blues, die hauptsächlich in Oetwil gespielt werden, haben ihre Berechtigung. Die moderneren Formen des Jazz, will ich aber in Oetwil fördern.» Zu der Jazz-Schule habe er gute Kontakte, da er früher selber in der Institution tätig war. In den frühen 1980er Jahren war er kaufmännischer Leiter des Konservatoriums und der Musikhochschule, einer der Vorgängerinstitutionen der ZHdK. Im Anschluss arbeitete er als stellvertretender Leiter der Fachstelle Kultur beim Kanton Zürich, seit seiner Pensionierung leitet er eine private Stiftung, die auch kulturelle Projekte unterstützt.

Morgen finden zum Jubiläum gleich zwei Konzerte auf dem Oetwiler Dorfplatz statt. «Dieser Anlass trägt eindeutig die Handschrift meines Vorgängers Mäni Pfister», so Schweizer. Er habe die Paramount Union Jazz-Band sowie die Big Band Connection buchen können. Zwar darf Schweizer noch keine konkreten Angaben machen, da noch keine Verträge unterzeichnet sind, doch für nächstes Jahr hat er grosse Pläne: So sei er bereits mit einer hochkarätigen Jazz-Sängerin in Verhandlungen.