Roger Balmer stand regungslos an der Seitenlinie des neuen Sportplatzes Brunewiis und schwieg. Der sonst so leidenschaftliche Engstringer Trainer, der seine Mannschaft zuvor fast während der gesamten Partie angefeuert hatte, schien sich wenige Minuten vor Ende des Spiels mit der Niederlage abgefunden zu haben. Sein Team hatte soeben das vierte Gegentor vom FC Oetwil-Geroldswil kassiert – und das war ein besonders bitteres. Torhüter Maverick Plüss war aus seinem Kasten herausgekommen, um den Ball vor dem heranstürmenden Marco Brandenberger abzufangen. Doch Plüss kam einen Schritt zu spät, Brandenberger setzte den Ball am Goalie vorbei ins Tor. «So etwas kann passieren», meinte Balmer nach dem Spiel beschwichtigend.

Mehr zu denken geben dürfte Balmer die Tatsache, dass seine Mannschaft die Schwächephase der Gäste zu Beginn der Partie nicht nutzen konnte. «Wir sind schlecht gestanden», so Brandenberger selbstkritisch, und auch Oetwil-Geroldswils Trainer Jean Marie Broggi fand deutliche Worte: «Wir haben in den ersten 30 Minuten sauschlecht gespielt. Wir hatten keine Ordnung auf dem Platz.» Der Grund dafür war aus Broggis Sicht das System, das seine Mannschaft zu Beginn spielte. «Wir haben während des Sommers zwei Systeme einstudiert», erläuterte er, «dann aber gemerkt, dass das eine an diesem Samstag nicht funktionierte. Also haben wir umgestellt.» Trotzdem gingen die Gäste nach fünf Minuten nach einem Standard durch Ahmet Bozova in Führung.

Danach kam Engstringen durch Haseef Haneef und Patrick Meier zu guten Möglichkeiten, auf der anderen Seite setzte Luca Kälin den Ball knapp neben das Tor. Wenige Minuten blieben noch zu spielen bis zur Pause, als Raul Marcella von der linken Seite aus spitzem Winkel einen Schuss abgab – und der Ball an Plüss vorbei ins rechte Eck flog – 0:2 für die Gäste. «Wir lagen zur Pause zwar in Führung», sagte Brandenberger, «es hätte aber ebenso gut 1:1 stehen können.»

Nicht einmal ein Ehrentreffer

Dann hätte die Partie in der zweiten Halbzeit womöglich einen anderen Verlauf genommen. Dass es nicht dazu kam, dafür sorgte Brandenberger gleich selbst. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff erzielte er den ersten seiner beiden Treffer im ersten Limmattaler Derby der Saison: Nach einem wunderbaren Sololauf traf er in die weite Ecke zum dritten Tor für die Gäste.

Balmer reagierte und brachte Leandro Catalano für Jackson Manikuttiyil, ein Wechsel, der den Engstringern beinahe wenigstens den Ehrentreffer bescherte. Catalano kam 20 Minuten vor Schluss im Strafraum an den Ball, das Tor war leer. Doch sein flacher Schuss wurde von Nicolas Huxley auf der Linie abgewehrt. Es war die grösste Engstringer Chance an diesem Abend gewesen.

Danach kamen die Gäste nochmals zu guten Gelegenheiten. Die beste hatte Daniel Marquart, der allein auf Torhüter Plüss zurennen konnte, an diesem dann aber scheiterte. Damit blieb es beim 4:0 für Oetwil-Geroldswil. Trotz der Niederlage war Balmer froh, dass sein Team nicht auseinandergefallen war: «Wir hätten sonst noch mehr Gegentore kassieren können.» Nun gelte es, die Niederlage abzuhaken. «Das ist kein Todesurteil», fand er. «Wir müssen aber noch an uns arbeiten. Dann bin ich überzeugt, dass wir etwas bewirken können.»

Broggi dagegen konnte sich über einen Auftakt nach Mass freuen. «Wir haben in den letzten 60 Minuten alles richtig gemacht, was wir in der ersten halben Stunde falsch gemacht haben», bilanzierte er. Und da seine Mannschaft nächstes Wochenende spielfrei habe, sei es wichtig gewesen, nicht zu verlieren: «Sonst steht man zwei Wochen ohne Punkte da. Und ein Sieg im Derby ist natürlich umso schöner, vor allem auf diesem neuen Platz, für den Oberengstringen ein Kompliment verdient hat.»