«Kämpfen, OG, kämpfen!», schrie eine Gruppe Kinder von Spielfeldrand, und auch Jean Marie Broggi, der Trainer von Oetwil-Geroldswil, trieb seine Spieler an: «Rennen, Jungs! Kommt!». Noch zehn Minuten blieben zu spielen in der Partie zwischen Oetwil-Geroldswil und Wollerau, zehn Minuten, die Spannung versprachen. Denn plötzlich fehlte den Limmattalern nur noch ein Tor, um wenigstens einen Punkt aus diesem Spiel mitzunehmen, das in der Mitte der zweiten Halbzeit eigentlich schon entschieden schien: Wolleraus Michael Forrer war ganz alleine auf die Reise geschickt worden, Oetwil-Geroldswils Torhüter Yannick Fux stürmte aus seinem Kasten, verpasste den Ball aber. Und so schoss Forrer den Ball ins verwaiste Tor – 3:1 für Wollerau.

Doch nur fünf Minuten später wurde Oetwil-Geroldswils Ahmet Bozova von Wolleraus Torhüter Sandro Kümin gefoult. Strafstoss für die Limmattaler. Yven Pfenninger verwandelte den Penalty sicher. Nur noch 2:3. Die Limmattaler waren damit wieder im Spiel. Oetwil-Geroldswil warf nun alles nach vorne, um wenigstens noch den Ausgleichstreffer zu erzielen. Die Gäste beschränkten sich aufs Kontern und kamen dadurch beinahe zum nächsten Treffer, als wieder ein Wollerauer an der Strafraumgrenze lanciert wurde. Doch diesmal konnte Fux den Ball abwehren. Dann ein Schuss von Pfenninger, der geblockt wurde und bei Kälin landete, doch der schlug ein Luftloch.

Platzverweis gegen Zouaoui

Die Zeit rannte den Limmattalern davon, sie mussten dadurch immer mehr riskieren. In der vierten Minute der Nachspielzeit dann ein Pass auf Wolleraus Marc Schelling, Oetwil-Geroldswils Aimen Zouaoui rannte ihm hinterher und wusste sich an der Strafraumgrenze nur noch mit einem Foul zu helfen. Zouaoui wurde daraufhin unter die Dusche geschickt, der fällige Freistoss brachte jedoch keine Torgefahr. Kurz danach war die Partie zu Ende.

«Ich weiss nicht, ob der Schiedsrichter so kurz vor dem Ende des Spiels die rote Karte zeigen muss», sagte Broggi danach. «Das Foul gegen Stefan Steuble wäre für mich eher rotwürdig gewesen.» Steuble war kurz zuvor ebenfalls von hinten gefoult worden und blieb danach minutenlang liegen. Die Attacke gegen ihn löste einen kleinen Tumult aus, der Sünder wurde verwarnt.

Ärgerlicher als der Platzverweis gegen Zouaoui war für Broggi allerdings der Spielverlauf. Denn seine Schützlinge hatten gut begonnen, gerieten dann aber nach einer knappen Viertelstunde in Rückstand – Wolleraus Forrer hatte sein erstes Tor an diesem Abend erzielt. Fünf Minuten vor der Halbzeitpause traf Marco Credaro für die Limmattaler zum Ausgleich. «Die erste Halbzeit war ausgeglichen, das 0:1 war ein Sonntagsschuss», sagte Broggi.

Im zweiten Durchgang hatten die Limmattaler nach einer Viertelstunde die Möglichkeit, in Führung zu gehen, doch Pfenningers Schuss wurde abgewehrt. Im Gegenzug traf dann dafür Srecko Lovrinovic für die Gäste, als er einen Abpraller verwertete. Viel bitterer war allerdings das erwähnte dritte Gegentor. «Wir haben Fehler gemacht und damit leider das Spiel verloren», so Broggi. «Schade.»

Nun gegen Wollishofen

Damit ist die erste Heimniederlage der Saison für Oetwil-Geroldswil Tatsache. Der zwischenzeitliche Sprung an die Tabellenspitze gelang den Limmattalern nicht, im Gegenteil: Sie mussten sich von Wollerau überholen lassen. Dennoch stehen sie mit dem vierten Rang immer noch sehr gut da. Laut Broggi hat das auch mit der 3.-Liga-Gruppe zu tun, in die seine Mannschaft auf diese Saison hin gewechselt hat. «Wir spielen gerne in dieser Gruppe, auch wenn wir weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen», so Broggi. «Die Atmosphäre gefällt uns. Man sitzt mit den Gegnern nach den Partien jeweils noch zusammen, um etwas zu trinken.» Nach dem Verfolgerduell gegen Wollerau folgt am nächsten Sonntag der nächste schwierige Gegner für Oetwil-Geroldswil: Die Limmattaler spielen auswärts gegen Wollishofen. «Da müssen wir gewinnen», so Broggi.