Oetwil
Für gemeindeeigenes Glasfasernetz ist eine Urnenabstimmung nötig: «KomNetz» erhält verstärkt Konkurrenz von Swisscom

Die Swisscom kann ihr Glasfasernetz in Oetwil mindestens ein Jahr früher ausbauen als «KomNetz». Das gemeindeeigene Netz verspricht aber, günstiger zu sein.

Virginia Kamm
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Die Swisscom will bereits dieses Jahr das Glasfasernetz in Oetwil ausbauen.

Die Swisscom will bereits dieses Jahr das Glasfasernetz in Oetwil ausbauen.

Keystone

Das Oetwiler Internet-, Fernseh-, Telefon- und Radionetz «KomNetz», das gebührenfinanziert ist und keinen Gewinn erwirtschaften darf, erhält verstärkte Konkurrenz von der Swisscom. Diese will im Verlaufe des Jahres ihr Glasfasernetz in der Gemeinde voll ausbauen und verspricht Geschwindigkeiten zwischen 80 Megabit und zehn Gigabit pro Sekunde. «Oetwil hatte schon immer flächendeckend zwei Kommunikationsnetze», sagt Thomas Bernegger (CVP/Mitte), Gemeinderat und Präsident der Oetwiler Antennenkommission. «Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft und bietet unseren Einwohnerinnen und Einwohnern somit eine Wahl.»

Bei «KomNetz» handelt es sich um ein Hybridnetz, also um eine Mischung aus Glasfaser- und Kupferkabelnetz. Der volle Glasfaserausbau muss zuerst vom Volk in einer Urnenabstimmung gutgeheissen werden. Im Gegensatz dazu kann die Swisscom ihren Glasfaserausbau ohne Hürden und daher wesentlich schneller durchführen. So profitieren laut der Swisscom bereits 1514 Schweizer Gemeinden von ihrem Highspeedinternet.

Leute empfinden Hausbesuche der Swisscom als aggressiv

«Unser Netz ist günstiger, da wir keine Profite an ein Aktionariat erwirtschaften müssen», erklärt Bernegger. So verspricht «KomNetz», pro Monat nur 102 Franken zu kosten, während man bei der Swisscom für das gleiche Angebot monatlich 120 Franken zahle. «Zudem sind wir stabiler als die Swisscom», sagt Bernegger. Der teilstaatliche Telekomkonzern hatte im vergangenen Jahr mehrmals mit Störungen und Netzunterbrechungen zu kämpfen.

Bernegger nimmt im Dorf verschiedene Ansichten wahr: Einige Leute seien vom guten Service der Swisscom angetan, andere entschieden sich für das günstigere Oetwiler Netz. «Das Abwerben von Kunden durch die Hausbesuche der Swisscom wird teilweise als aggressiv empfunden», sagt er. Bernegger bestätigt zwar, dass «KomNetz» bereits Kundinnen und Kunden an die Swisscom verloren habe. «Wir gewinnen aber auch Kunden von der Konkurrenz», sagt er. «Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob wir aufgrund des laufenden Swisscom-Ausbaus insgesamt Kunden verloren haben.»

Der Oetwiler Gemeinderat will demnächst einen Beschluss zum Ausbau von «KomNetz» auf ein Glasfasernetz fällen. Thomas Bernegger vermutet, dass die Abstimmung dazu im September dieses Jahres stattfinden wird. «Die Antennenkommission glaubt, dass die Zukunft in einem vollen Glasfaserausbau liegt», sagt er. Der Oetwiler Anbieter will im Jahr 2022 mit dem Ausbau seines Glasfasernetzes beginnen. So ist es auch im Finanzplan der Gemeinde festgehalten.