Dietikon

«Öises Dietike»: Oskar Meile nahm viel Publikum mit auf eine Reise durch sein Leben

Meile spielte 50 Jahre lang Tuba bei der Stadtmusik Dietikon.

Meile spielte 50 Jahre lang Tuba bei der Stadtmusik Dietikon.

«Ich habe mit viel weniger Leuten gerechnet», sagte Oskar Meile überrascht zu Beginn der Veranstaltung «Öises Dietike». Diese wurde vom Theater Dietikon gemeinsam mit der Kommission für Heimatkunde des Stadtvereins Dietikon organisiert und fand im Ortsmuseum statt.

Tatsächlich war jeder Stuhl besetzt. Manche Besucherinnen und Besucher standen am Rand oder hatten am Boden im angrenzenden Nebenraum Platz genommen.
Heiter führte die Dietiker Journalistin Helene Arnet durch den grauen Vormittag und entlockte ihrem Gesprächspartner witzige Anekdoten und interessante Einblicke in sein Leben sowie den Bezirkshauptort, als jener noch ein Dorf war.

Der 1928 in Dussnang TG geborene Oskar Meile war das zweitjüngste von neun Kindern in seiner Familie. Sein Vater arbeitete als Sticker. Seine Mutter verstarb, als er zehn Jahre alt war. Die älteste Schwester brach die Schule ab und kümmerte sich sodann um die Familie. Dieses Jahr sei sie 98 Jahre alt geworden. «Das zeigt, dass arbeiten nicht unbedingt krank machen muss», sagte Meile unter tosendem Gelächter aus dem Publikum.
Nach der Rekrutenschule in Uitikon absolvierte Meile eine Lehre als Wagner. Technischer Fortschritt machte diesen Berufszweig jedoch bald schon obsolet, worauf er eine Schreiner-Lehre in der Fahrweid anhängte. Er wechselte mehrmals den Arbeitgeber, war unter anderem bei der Dietiker Schreinerei Urech und der Max-Maag-Zahnräderfabrik in Zürich tätig.

Was ihn jedoch wirklich mit Dietikon verband, war die Musik. Meile spielte 50 Jahre lang Tuba bei der Stadtmusik Dietikon. «Ich habe Dietikon durch die Musik kennengelernt.» Die Proben führten ihn mit dem Velo regelmässig in den Bezirkshauptort. So trafen sich die Mitglieder etwa im Zentralschulhaus, im Steinmürli oder zum Feierabend in ihrem Stammlokal, der «Harmonie».

Das Trio Trello spielte für einmal als Duo

Und so passte es auch, dass das Trio Trello – an diesem Sonntag jedoch als Duo – auftrat. Die Geschwister Esther Arnet am Akkordeon und Guido Arnet an der Geige untermalten den Anlass virtuos mit passender Musik. So spielten sie einmal etwa das Thurgauerlied, später erklangen auf Wunsch von Meile böhmisch-mährische Walzerklänge.

In der Fahrweid lernte Meile seine zukünftige Frau, Margareta Meile, kennen; eine «temperamentvolle» Österreicherin, die in der Schweiz der Nachkriegszeit den einen oder anderen Anfeindungen ausgesetzt gewesen sei. So etwa einmal in der Metzgerei Hildebrand, als eine dickliche Frau meinte: «Ihnen sieht man aber nicht an, dass Sie mit einem Arbeiter verheiratet sind.» Darauf habe Meiles Frau geantwortet: «Ihnen sieht man aber auch nicht an, dass Sie mit dem Finanzminister von Dietikon verheiratet sind.»

Heitere Anekdoten wechselten sich mit traurigeren Erinnerungen ab. So erlitt seine Frau in fortgeschrittenem Alter eine Hirnblutung und war dadurch fortan einseitig gelähmt. «Es war eine schwierige Zeit für uns beide», erklärte Meile. Die letzten acht Jahre ihres Lebens litt sie zudem an Demenz. Zwei davon verbrachte sie im Pflegezentrum des Spital Limmattal. «Ich besuchte sie jeden Tag», erinnert sich Meile. Heute lebt er in einer Alterswohnung im Dietiker Ruggacker, kocht noch selbst und ist 13-facher Grossvater sowie 4-facher Urgrossvater.

«Er ist viel gesprächiger geworden»

Das Publikum zeigte sich sehr zufrieden mit dem rund einstündigen Gespräch. «Es ist schön zu sehen, wie fit man in dem Alter im Kopf noch sein kann», sagte etwa Daniel Joss aus Dietikon. Er spielte zusammen mit Meile bei der Stadtmusik Dietikon. Von der Neugierde gepackt war der Dietiker Wilhelm Notter. Er habe das gleiche Alter und einige Parallelen in seinem Leben, auch wenn er Meile nie kennengelernt habe.

Oskar Meile junior, Meiles Sohn, wusste von vielem bereits Bescheid. Vor allem nach dem Tod seiner Mutter habe sich sein Vater regelrecht nach aussen hin geöffnet. «Er ist viel gesprächiger geworden.»

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