Im Moment ist es historisch heiss und trocken. Das macht den Limmattaler Bauern schwer zu schaffen. Landwirte gehen davon aus, dass sie bald Milchkühe schlachten müssen, weil kein Futter mehr wächst (wir berichteten).

Um den Bauern zu helfen, hat das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) gestern beschlossen, dass die Gemeinden vorerst selbst entscheiden können, ob Landwirte Wasser aus der Limmat entnehmen können. Das gilt auch für die restlichen grossen Flüsse im Kanton. Doch eine Umfrage dieser Zeitung bei den Gemeinden zeigt: Die Bauern machen davon keinen Gebrauch. Im Bezirk gibt es sieben Gemeinden mit Limmatanstoss. Von den sechs, die geantwortet haben, hat keine ein Gesuch erhalten.

Das liegt vor allem daran, dass die Bauern, deren Felder in Limmatnähe liegen, meist sowieso mit dauerhafter Bewilligung Wasser aus der Limmat pumpen. Und die anderen, die Wasser bräuchten, sind zu weit von der Limmat entfernt.

Erstmals bewässert er Mais

Ständig eine Pumpe im Wasser haben etwa der Betrieb der Familie Bühler aus Oetwil und der von Armin Troxler aus Dietikon. Sie bringen das kühle Nass der Limmat mit Feuerwehrschläuchen zu ihren Feldern. «Wir bewässern jetzt den Mais. Das haben wir noch nie gemacht», sagt Benjamin Bühler. «Es wächst kein Gras mehr. Also müssen wir wenigstens den Mais-Ertrag maximieren, damit wir Futter für die Rinder haben.» 100 Kühe haben die Bühlers auf ihrem 50-Hektar-Hof. Für Benjamin Bühler ist klar: «Wenn man nicht auf eine Bewässerung eingerichtet ist, wirds schwierig.»

Kein Wasser wegen der Höhe

Gar nicht vom Limmatwasser profitieren kann hingegen Armon Fliri, der das Gut Sonnenberg in Unterengstringen gepachtet hat und dort Mutterkuhhaltung sowie Ackerbau betreibt. Das Gut liegt gut 80 Höhenmeter über der Limmat: «Uns bringt die Massnahme des Kantons nichts, weil wir natürlich keine Schläuche bis an die Limmat runter legen können.» Auch sonst kann er seine Weiden und Felder nicht bewässern. «Wir sind auf einem Hochplateau und kommen deshalb nicht an die Wassermengen, die wir bräuchten.» Diese ist riesig: Nötig wären rund 30 Millionen Liter Wasser, um einige Tage richtigen Niederschlag zu imitieren.

Die kantonale Massnahme bleibt also mindestens bei Fliri wirkungslos. Gefragt, wie seinem Betrieb denn sonst geholfen werden könne, sagt er: «Mit Ausfällen muss man leben.» Aber er habe vorgesorgt. «Die meisten unserer Kühe sind auf der Alp. Das machen wir seit Jahren so, weil die Hitzesommer seit einiger Zeit immer intensiver werden.» Ausserdem verwendet er im Ackerbau Pflanzensorten, die weniger anfällig auf Trockenheit sind.

Bei Godi Werffelis Reben in Weiningen ist noch keine Bewässerung nötig. «Sie sehen im Moment noch gut aus», sagt Werffeli. «Die Lage ist also zumindest bei den Reben noch nicht prekär.» Sorgen macht ihm viel mehr, dass er das Futter für seine Milchkühe und die Pferde in der Pferdepension, die er auf dem Hof betreibt, aus der Winterreserve nehmen muss.