Schlieren
Obwohl der Ahornbaum geschützt ist: Mit dem neuen Pfarreizentrum muss er weg

Kommt das neue Pfarreizentrum der Katholiken, muss ein Ahornbaum verschwinden.

Alex Rudolf
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Sagen die stimmberechtigten Schlieremer Katholiken Ja zum neuen Pfarreihaus, muss der Ahornbaum dem Neubau weichen. aru

Sagen die stimmberechtigten Schlieremer Katholiken Ja zum neuen Pfarreihaus, muss der Ahornbaum dem Neubau weichen. aru

Mächtig ist er: Beinahe bis zum Turm der römisch-katholischen Kirche Schlieren reicht er. Die Rede ist von einem Ahornbaum. Er empfängt die Kirchgänger, die auf dem Kiesplatz parkieren und den schmalen Gehweg hin zum Gebäude nutzen. Er grenzt als erster der insgesamt vier Ahornbäume gleich an diesen Weg. Doch seine Tage sind gezählt. Wird voraussichtlich ab kommendem Sommer das neue Pfarrhaus gebaut, muss er weichen.

Dabei ist die gesamte Ahorngruppe im kommunalen Natur- und Landschaftsschutzinventar eingetragen und somit geschützt. Erst kürzlich gab der Schlieremer Stadtrat jedoch bekannt, dass dies unverhältnismässig sei. So stehe der Baum selbst nach einer «massiven Lagekorrektur» teilweise im Perimeter des geplanten Pfarrei-Neubaus. Ziel sei es gewesen, das gesamte Baumensemble zu bewahren. «Der Bau wurde deswegen so weit wie möglich nach Westen verschoben», schreibt die Exekutive. Eine weitere Verschiebung, die auch den Erhalt des letzten Ahorns möglich gemacht hätte, sei aber wegen der Grundstücksform nicht mehr möglich gewesen. Nach Abwägungen habe der Stadtrat entschieden, dass die gestalterischen und funktionalen Werte der Baumgruppe weiterhin erhalten bleiben, auch wenn einer der vier Bäume entfernt werde. Ein integraler Schutz der Baumgruppe erscheine unverhältnismässig, da dadurch die Bebauung eines eingezonten und erschlossenen Grundstücks übermässig erschwert würde.

Ersatz muss her

Im Stadtratsbeschluss ist auch ersichtlich, dass der Baum nicht ersatzlos gefällt wird. So sollen entlang der Uitikonerstrasse drei neue Ahornbäume gepflanzt werden. «Diese präzisieren den Strassenraum, dienen als Schattenspender und prägen weiterhin das Ensemble.»

Dass die Schlieremer Katholiken überhaupt bauen können, steht aber noch nicht fest. Erst an der Kirchgemeindeversammlung vom 22. November wird über den Baukredit abgestimmt. Der Platz wird jedoch dringend benötigt. Dies wurde an der Kirchgemeindeversammlung vor einem Jahr deutlich, als der Projektierungskredit in der Höhe von 370 000 Franken ohne Gegenstimme genehmigt wurde. Seit Ende der 1990er-Jahre habe sich die Mitgliederzahl verdoppelt, sagte Kirchenpflege-Präsident Hubert Zenklusen damals.

Das bereits im Frühjahr vergangenen Jahres präsentierte Siegerprojekt aus der Feder des Zürcher Architekturbüros Stöckli Grenacher Schäubli trägt den Namen «Ensemble». Dabei handelt es sich um einen dreigeschossigen Bau, der sich – der Name ist Programm – in das Ensemble bestehend aus Kirche und Kirchturm einfügen soll. Im Inneren sind ein unterteilbarer Saal sowie Gruppen- und Besprechungsräume vorgesehen. Im obersten Geschoss soll es einen Innenhof geben, der einen «meditativen wie auch einen festlichen Charakter» haben könne, hiess es damals an der Projektpräsentation. Anfänglich rechnete die Kirchenpflege mit Kosten von rund 4,7 Millionen Franken. Inzwischen stellte sich jedoch heraus, dass diese Schätzung zu bescheiden war. So sollen die Kosten mittlerweile rund 5 Millionen Franken betragen.