Schlieren
Objekt-Inventar: Der Stadtrat Schlieren entschuldigt sich

Die Inventarisierung kulturhistorischer Objekte sorgt auch nach über einem Jahr für Unmut. Nun lud der Hauseigentümerverbad zu einer Aussprache. Dort räumte der Stadtrat ein, dass man besser über das Inventar hätte informieren können.

Jürg KRebs
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Schutzwürdige Häuser an der Zwiegartenstrasse in Schlieren: Zeitzeugen einer Epoche. jk

Schutzwürdige Häuser an der Zwiegartenstrasse in Schlieren: Zeitzeugen einer Epoche. jk

Limmattaler Zeitung

Von einem Hauseigentümer kann kein Beifall erwartet werden, wenn er entdeckt, dass seine Liegenschaft ins Inventar der kulturhistorischen Objekte aufgenommen worden ist. Kein Wunder, stiess der Schlieremer Stadtrat auf wenig Gegenliebe, als er im Dezember 2009 die Inventarisierung von 57 Objekten festsetzte.

Eigentlichen Ärger handelte er sich aber für die mangelnde Kommunikation in der Sache ein. Noch über ein Jahr später sind nicht alle Gemüter abgekühlt. Der örtliche Hauseigentümerverband (HEV) lud deshalb zu einer Aussprache mit dem Stadtrat. Für Sachfragen war im Stürmeierhuus ein Fachanwalt für Bau- und Immobilienrecht zugegen.

HEV-Präsident Peter Voser fand sich vor rund 50Anwesenden in einer seltsamen Rolle wieder. Als damaliger Stadtpräsident hat er die Absegnung des Inventars am 14.Dezember 2009 mitzuverantworten, als Präsident der Hauseigentümer nun die Gegenpartei zu vertreten. Er beschränkte sich deshalb in erster Linie auf die Moderation des Abends.

Kommunikation als Knackpunkt

Die Kommunikation wurde mehrmals zur Sprache gebracht. Die Hauptkritik: Die betroffenen Hauseigentümer hätten aus der Presse vom Inventar erfahren und seien nicht direkt informiert worden. Voser sprach auch als ehemaliger Stadtpräsident, als er erklärte, dass dies unglücklich gelaufen sei: «Man hätte besser informieren können.»

Der zuständige Stadtrat Bau und Planung, Jean-Claude Perrin, pflichtete ihm bei, entschuldigte sich bei den Anwesenden. Ein Brief an alle vom Inventar betroffenen Hausbesitzer sei vorbereitet, die Aktion vom beteiligten Juristen aber im letzten Moment gestoppt worden. Der Brief hätte nämlich von Gesetzes wegen ein so genanntes Provokationsverfahren ausgelöst, ohne dass sich die Hausbesitzer dessen bewusst gewesen wären und die Stadt dies gewollt hätte. Sie möchte nämlich bei Differenzen zunächst mit den Eigentümern verhandeln und eine gütliche Einigung erzielen.

Späte Orientierungsversammlung

Der anwesende Fachanwalt Thomas Wipf aus Urdorf bestätigte Perrins Darstellung. Kundenfreundlich zu informieren sei für eine Stadt in diesem Falle schwierig. Schuld sei das kantonale Planungs- und Baugesetz, nicht der Schlieremer Stadtrat. Jedoch: Eine Orientierungsversammlung, wie diejenige von diesem Donnerstag, hätte bereits 2009 stattfinden können, da waren sich alle einig.

Wipf erklärte ausführlich Sinn und Zweck eines Inventars: Es gehe um die Sicherung von Ortsbildern, Gebäuden oder Gebäudegruppen, die als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukünstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind. Der Entscheid für oder gegen eine Liegenschaft sei ein politischer, aber von Fachleuten unterstützter (Büro Vestigia). Perrin und Stadtingenieur Manuel Peer erklärten den Anwesenden den durchgeführten Inventarisierungsprozess und die möglichen Verfahrenswege.

Der vom Stadtrat gewählte Weg hält fest: Für einen Hausbesitzer ändert das Inventar erst etwas am Status quo, wenn er sein Haus verkaufen oder umbauen möchte (Kontext).

Gegen Ende der Veranstaltung wurden seitens des Publikums vor allem Einzelfälle vorgebracht. Es ging nicht zuletzt um mögliche Entschädigungsforderungen. Gerade solche seien juristisch gesehen nur selten durchzusetzen, sagte Wipf. Perrin und Peer mochten aus juristischen Gründen öffentlich zu den Fällen nicht Stellung nehmen. Es zeigte sich jedoch, dass mit den betroffenen Eigentümern bereits Gespräche aufgenommen worden sind.