Dietikon
Oberstufenschüler machen eine Woche Radio vom Pausenplatz

«Hey zäme, da sind d’Zoe, d’Sarah und d’Marina», lauten die allerersten Worte, die auf der UKW-Frequenz 95.7 Megahertz direkt vom Schulhausplatz in Dietikon an alle Radios gesendet werden.

Fabian Korn
Merken
Drucken
Teilen

Nachdem die drei 14- bis 16-jährigen Mädchen erst einmal sich und das Projekt vorgestellt haben, geben sie den Hörern durch verschiedene Beispiele einen Denkanstoss zum Thema Vorurteile.
«Power-Up-Radio» heisst einer von 15 möglichen Kursen, aus denen die rund 300 Oberstufenschüler des Schulhaus Luberzen während der diese Woche stattfindenden Projektwoche auswählen konnten. Daneben war fast alles vertreten, von Drechseln bis hin zur Kunst von Alberto Giacometti. 40 Schüler hingegen entschieden sich für den Radio-Kurs.

Vom Schulhof in jeden Haushalt

Geführt wird der Kurs vom «Power up Radio» der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Während einer Woche ist die Truppe mit ihrem «Power mobil» vor Ort. Dieses ist ein komplett ausgerüstetes Radiostudio, welches von Schule zu Schule unterwegs ist.

Gemeinsame Besprechung am Morgen Bilder: Fabian Korn
6 Bilder
Die erste Gruppe ist im Sendewagen
Oberstufenschüler des Schulhauses Luberzen gehen live auf Sendung
Nach den ersten 20 Minuten wollen alle wissen, wie es war
Von hier aus wir alles gesteuert
Die Antenne hat eine Reichweite von etwa 10 Kilometer

Gemeinsame Besprechung am Morgen Bilder: Fabian Korn

AZ

«Den Tag durch bereiten sich die Schüler auf die kommenden Sendungen vor und von 15 bis 21 Uhr sind sie dann jeweils in Gruppen live auf Sendung», erklärt Daniela Scherrer, Sekundarlehrerin des Schulhaus Luberzen und zuständig für den Kurs.

Senden werde man allerdings rund um die Uhr, sagt Adrian Strazza vom Radio-Team. Man habe eine Musikbibliothek mit rund 3000 Songs und könne zusätzlich auch Lieder von den Schülern einspielen, so Strazza. Hören könne man das Schülerradio auf 95.7 Mhz oder über die Webseite des Radios. Die, auf dem Sendewagen angebrachte Antenne habe etwa eine Reichweite von 10 Kilometern, sagt Praktikant Stefan Markwalder.

Moderieren will gelernt sein

Als Erstes erlernten die Schüler mit Strazza die Grundlagen des Radiomachens sowie verschiedene Arten, eine Sendung zu planen und zu gestalten. In kleinen Gruppen erarbeiteten die Schüler anschliessen ihre erste 20-minütige Sendung, mit der sie gestern bereits live auf Sendung gingen. Dies geschah jeweils zu einem Thema wie Rassismus, Gewalt, Freundschaft oder Mobbing. Dazu mussten sich die Schüler selbstständig etwas überlegen und ausarbeiten. In der restlichen Woche hat jede Gruppe zwei weitere Stunden Sendezeit zur Verfügung.

Nicht nur Hobby und Musik

«Viele wissen gar nicht, was man am Radio alles machen kann», sagt Strazza. So würden sich die anfänglichen Ideen oftmals auf Hobbys und Musik beschränken. Die begleitende Lehrerin, Daniela Scherrer, sagt, dass die Schüler unglaublich interessiert dabei wären und gut mitmachen würden. «Während der Anmeldephase konnten sich viele Schüler nicht so recht vorstellen, was sie erwarten würde. Jetzt aber erkennen sie die einmalige Chance, einen Einblick in die Radiowelt erhalten zu können.»

Sie selbst dürfe jedoch nicht mitmachen. «Die Schüler machen das Radio. Ich bin nur der ‹Tätschmeister›.» Sie führe zusammen mit den Leuten vom Radio durch die Woche. Auch Adrian Strazza sagt, dass die Schüler anfangs Woche sehr unsicher seien, da sie wissen, dass jeder auf der Welt sie hören könne. «Dies legt sich dann aber im Laufe der Woche», sagt Strazza. In dieser Beziehung sei es in allen Schulen etwa gleich. «Ansonsten ist es aber jedes Mal eine neue Erfahrung. Manchmal sind die Themen mehr vorgegeben als an anderen Orten. Hier in Dietikon sind die Schüler völlig frei, allerdings wäre es schön, wenn sie eines der heutigen Themen, wie Gewalt oder Mobbing, aufgreifen würden», sagt Strazza weiter.

Zoe (14), Sarah (16) und Marina (16) waren mit ihren ersten 20 Minuten Liveprogramm zufrieden. Sie hätten aber nicht gedacht, dass es so viel Text für so wenig Zeit brauche, sagt Zoe (14), die als eine der Ersten im Aufnahmewagen sass. Heute haben die drei Schülerinnen ihre erste ganze Stunde Moderation zu bewältigen.