«Das heutige Armbrustschiessen hat mit Wilhelm Tell nicht mehr viel gemeinsam. Wir schiessen heute mit einem Präzisionssportgerät», sagt Peter Gloor. Dann nimmt der Schützenmeister der Armbrustschützen Oberengstringen (ASO) sein Gerät in die Hände und erklärt die einzelnen Bestandteile.

Die 15 Knaben hören ihm aufmerksam zu. So erfahren sie, dass eine Armbrust gut und gerne 5000 Franken kosten kann. Oder, dass ein Pfeil auf einem 30-Meter-Stand nur gerade eine halbe Sekunde in der Luft ist, ehe er im Ziel einschlägt.

Dann gilt es für die Knaben ernst. Im Rahmen der polysportiven Projektwoche der Oberstufe Weiningen haben sich die 15 Schüler für einen Armbrustschützenkurs entschieden. Nun müssen sie das Gehörte in die Praxis umsetzen. Armbrustschiessen ist für die Schüler Neuland. Einige haben zwar schon mit einer Pistole oder einem Gewehr geschossen. Eine Armbrust hatte jedoch noch keiner von ihnen in der Hand.

Verein plagen Nachwuchssorgen

Trotzdem ist die Trefferquote hoch. Die besten Schützen erreichen 44 von 50 möglichen Punkten. «Es ist eine coole Sache», findet der 14-jährige Nuot aus Unterengstringen. Besonders das Zielen und das Abdrücken seien speziell. Auch Simon aus Weiningen ist zufrieden. Am Ende des gestrigen Nachmittages steht er als Sieger des Schülerschiessens fest. «Es ist interessant, dass sich an der Armbrust eine Wasserwaage befindet, damit der Schütze merkt, ob er das Gerät waagerecht hält», sagt der 14-Jährige. Er könne sich gut vorstellen, ein weiteres Mal mit der Armbrust zu schiessen.

Solche Worte hört Peter Gloor gerne. Für die Oberengstringer Armbrustschützen ist der Nachmittag eine gute Gelegenheit sich vorzustellen. Den Verein, der einzige seiner Art im Limmattal, plagen schon seit Längerem Nachwuchssorgen. «Derzeit haben wir noch 12 Aktivschützen und 30 Passivmitglieder. Uns fehlen vor allem Schützen zwischen 20 und 40 Jahren sowie Jungschützen», so Gloor.

«Sieben Tage in der Woche schiessen»

Ab 12 Jahren könne man mit Armbrustschiessen beginnen, sagt Gloor. «Solange man fit ist, kann man danach diesen Sport ausüben. Das ist überhaupt kein Problem», hält er fest. Gegenüber anderen Schiesssportarten habe das Armbrustschiessen den Vorteil, dass es umweltfreundlich sei und sich die Schützen nicht an bestimmte Schiesszeiten halten müssten. «Man kann sieben Tage in der Woche schiessen»,so Gloor. Er selber sei meist dreimal wöchentlich auf dem Schiessstand, unter anderem am Donnerstag, wenn Training sei. Es sei eine gute Gelegenheit abzuschalten. Das sei auch wichtig. Nur wer sich konzentrieren könne, werde auch ein guter Schütze.

Gute Schützen hatte der 1949 von sechs Mitgliedern gegründete Verein einige. Die ASO wurden in der bisherigen Vereinsgeschichte siebenmal Schweizer Gruppenmeister. Letztmals war das vor 30 Jahren der Fall. Dennoch erreichen die Oberengstringer an Schützenfesten in der ganzen Schweiz noch immer regelmässig Spitzenplätze.

Einer der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte war das Eidgenössische Schützenfest, das 1961 mithilfe des gesamten Dorfes in Oberengstringen durchgeführt wurde. Die Schützen trafen sich damals bereits im Armbrustschützenhaus zwischen den Hölzern, das 1959 eingeweiht wurde. Zuvor befand sich die Schiessanlage an der Limmat auf der Höhe des früheren Gaswerkes.