Urdorf
«Oberstes Ziel ist es, die Sicherheit zu erhöhen»: Konzept mit 72 Massnahmen für Velofahrer und Fussgänger verabschiedet

Am neuen Urdorfer Langsamverkehrskonzept haben auch die Kantonspolizei, die Schule und eine Kantonsrätin mitgearbeitet. Die finanziell grösste Velo-Massnahme wird in Urdorf-Nord anfallen.

David Egger
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In der Luberzen in Urdorf-Nord: Ab 2022 soll die Limmattalbahn den Bus 303 ersetzen. Wenn die Strasse dafür umgebaut wird, kommen auch Velofahrer auf ihre Kosten. Heute hat es nur stellenweise einen Radweg.

In der Luberzen in Urdorf-Nord: Ab 2022 soll die Limmattalbahn den Bus 303 ersetzen. Wenn die Strasse dafür umgebaut wird, kommen auch Velofahrer auf ihre Kosten. Heute hat es nur stellenweise einen Radweg.

David Egger

Am 2. Oktober gehen in Urdorf die lange erwarteten Bauarbeiten los, mit denen die Feldstrasse und die besonders wichtige Birmensdorferstrasse bis 2019 rundumerneuert werden (die Limmattaler Zeitung berichtete). Neben den Autofahrern dürfen sich auch die Velofahrer auf die beiden neuen Strassen freuen. Denn zum Projekt gehören auch zeitgemässe Velostreifen an den Strassenrändern, die die beiden Strassen sicherer machen werden.

Das kantonale 12-Millionen-Franken-Projekt lässt sich auch als Auftakt eines neuen Zeitalters sehen: Urdorf kümmert sich vermehrt darum, dass Velofahrer und Fussgänger sich besser zurechtfinden und sicherer unterwegs sind. Das verkleinert auch das Unfallrisiko für Autofahrer. Ende August hat der Urdorfer Gemeinderat sein Konzept für den Velo- und Fussverkehr verabschiedet – offiziell und in der Fachsprache Langsamverkehrskonzept genannt. Am Dienstag hat die Gemeindeverwaltung das Konzept der Presse vorgestellt. «Oberstes Ziel ist es, die Sicherheit zu erhöhen», sagt Rebecca Broekema, Bereichsleiterin Planung, Bau und Werke der Gemeinde Urdorf. Die Massnahmen bestünden insbesondere daraus, das Langsamverkehrsnetz zu vervollständigen, die Signaletik zu überprüfen und wo nötig neue Wegverbindungen zu schaffen, wie Broekema weiter ausführt. Gerade die Signalisation sei die grösste Schwäche des Urdorfer Velo- und Fussverkehrsnetzes. «Zudem enden manche Velowege ohne nahtlosen Anschluss oder es gilt dort ein Fahrverbot, wo der Veloweg durchführen würde», so Broekema weiter.

43 Massnahmen mit hoher Priorität

Konkret wurden über die letzten anderthalb Jahre 38 Massnahmen am Velowegnetz sowie 34 Massnahmen am Fusswegnetz ausgearbeitet. Mit dabei sind auch die eingangs erwähnte Birmensdorfer- und die Feldstrasse. Genauer in die Zahlen: Von den total 72 Massnahmen wurden 19 Velo-Massnahmen für 718 000 Franken mit der Priorität «hoch» eingestuft. Acht Massnahmen erreichten die Prioritätsstufe «mittel» und kosten 83 000 Franken, dazu kommen elf mit Prioritätsstufe «gering», die zusammen 62 000 Franken kosten. Bei den Fussweg-Massnahmen sind 24 von hoher Priorität (401 000 Franken), 4 von mittlerer Priorität (null Franken) und 6 von geringer Priorität (375 000 Franken). Macht total 72 Massnahmen für 1,639 Millionen Franken.

Da die Umsetzung schrittweise über die nächsten Jahre erfolgen wird und die Massnahmen mit geringer Priorität womöglich gar nicht umgesetzt werden oder werden können, wird die Gemeindekasse aber nicht sofort und kaum vollständig mit dem Millionenbetrag belastet. So sind für die Jahre 2017 und 2018 jeweils je 100 000 Franken für die Umsetzung budgetiert.

Kommentar zum Thema

Spätestens wenn alles umgesetzt ist, dürfte der «Tages-Anzeiger» das Urdorfer Velonetz nicht mehr als «eines der schlechtesten» bezeichnen, wie er es im Mai getan hatte – was in Urdorf für Erstaunen sorgte. Aber es stimmt, dass die Gemeinde seit Jahren darauf wartet, dass der Kanton Birmensdorfer- und Feldstrasse erneuert.

In der Arbeitsgruppe, welche das Langsamverkehrskonzept erarbeitet hat, waren neben der Gemeinde Urdorf und dem Dietiker Ingenieurbüro SWR Infra AG weitere Gruppen beteiligt: die Schule Urdorf, die Kantonspolizei, die Limmattalbahn-Planer, die Interessengruppe Pro Velo Limmattal sowie eine Hand voll Urdorferinnen und Urdorfer, die regelmässig Velo fahren und bereits Verbesserungsvorschläge gemacht hatten – darunter auch die Urdorfer GLP-Kantonsrätin Sonja Gehrig. An einem Tag machte die gesamte Arbeitsgruppe eine Velotour durch Urdorf, bewaffnet mit dem Entwurf des Langsamverkehrskonzepts und den entsprechenden Planungskarten.

Reibungsloses Umsteigen: Veloparkplätze an Limmattalbahn-Haltestelle Luberzen geplant

Die Limmattalbahn-Planer waren insbesondere wegen der grössten und teuersten Massnahme mit dabei, bei der es um die Strasse In der Luberzen im Wirtschaftsraum Urdorf-Nord geht. Dort sind 400 000 Franken eingeplant. Im Rahmen des Bahnbaus soll die Strasse einen halben Meter breiter werden. Nach dem Strassenumbau wird es auch neue Radstreifen geben. Zudem sollen die beiden Limmattalbahn-Haltestellen Luberzen mit Veloparkplätzen ausgestattet werden.

Auf der Urdorfer Gemeinde-Website ist das 30-seitige Langsamverkehrskonzept zurzeit noch nicht veröffentlicht. Als nächstes wird es aber am 23. Oktober den Ortsparteien vorgestellt (SP, EVP, GLP, CVP, FDP und SVP).

Teilrevision der Bau- und Zonenordnung in der Pipeline: Ein grosser Schritt für Urdorf-Nord

Das neue Urdorfer Konzept für den Velo- und Fussverkehr (Langsamverkehrskonzept) ist bei Weitem nicht das einzige Planungsinstrument, das Urdorf beschäftigt. Noch im Oktober will der Gemeinderat die Entwicklungsstrategie für den Wirtschaftsraum Urdorf-Nord verabschieden. Diese fliesst dann in die kommunale Siedlungsentwicklungsstrategie ein, die das seit 2014 gültige und teilweise schon nicht mehr aktuelle Gemeindeentwicklungskonzept ablösen soll. In der neuen Strategie wird der auch von Bund und Kanton angepeilte Grundsatz gelten: nach innen verdichten statt grüne Wiesen überbauen. Der erste Entwurf der Strategie ist bis Ende Oktober fertig. Im November treffen sich Gemeinde- und Kantonsvertreter. Der Kanton sagt dann der Gemeinde, ob angesichts der Strategie die Zeit schon reif ist für eine Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) für Urdorf-Nord. Diese ist nötig, um die angestrebte Entwicklung dieses Wirtschaftsraums in die Tat umzusetzen. «Die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung kann der Gemeindeversammlung frühestens im Herbst 2018 vorgelegt werden», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeindeverwaltung. Nach den Gesamterneuerungswahlen (im März 2018) wird zudem die Siedlungsentwicklungsstrategie im Rahmen des gemeinderätlichen Strategieprozesses weiterentwickelt. (deg)