Der Limmattaler Kinderschänder, den das Bezirksgericht Dietikon im Mai 2017 zu neun Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt hat, verantwortete sich gestern vor dem Zürcher Obergericht. Dieses verurteilte ihn zu zehn Jahren Gefängnis.

«Ich will eine Reduktion der Strafe erreichen, denn ich habe das Gefühl, sie ist extrem hoch. Auch wenn das, was ich gemacht habe, absolut nicht in Ordnung ist», sagte der Angeklagte, nachdem ihn Oberrichter Christoph Spiess fragte, was er mit seiner Berufung gegen das Dietiker Urteil erreichen will. Sieben Jahre Gefängnis forderte der Beschuldigte. Zwölf Jahre forderte hingegen die Zürcher Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte. Auch sie hatte Berufung gegen das Dietiker Urteil eingelegt.

Dem Gericht Lügen aufgetischt

Rund 20 Jahre lang hatte der Mann, ein ehemaliger Cevi-Leiter, mehrere Knaben mehrere hundert Mal missbraucht. Mehrere Dutzend Male filmte er zudem die Missbräuche. Hierzu hatte er die Knaben jeweils mit einem Schlafmittel betäubt. Diese Betäubung gab er nun erstmals zu. Den Dietiker Richtern hatte er noch weismachen wollen, die Knaben nicht betäubt zu haben. Eine glatte Lüge, wie sich herausstellte.

Unzufrieden mit Gefängnispersonal

Zwei Polizisten brachten den Kinderschänder gestern aus der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf ins Obergericht. Im Gefängnis hinterlässt er meistens einen guten Eindruck. Das zeigt der Führungsbericht, aus dem Oberrichter Spiess zitierte. Anständig sei er und korrekt, in der Arbeitsstätte des Gefängnisses bringe er zudem qualitativ und quantitativ eine gute Leistung. Manchmal habe er aber Mühe mit Entscheiden des Gefängnispersonals, heisst es im Führungsbericht weiter. Als ihn Spiess darauf ansprach, sagte er: «Manche Entscheide sind hirnverbrannt, die kann ich nicht nachvollziehen.»

Im Gefängnis hat der Mann im Februar eine ambulante Therapie begonnen. «Ich will sagen, dass ich in der Therapie erkannt habe, was ich den Kindern angetan habe», sagte der 53-Jährige in seinem Schlusswort vor Obergericht. Es sei anzuerkennen, dass sein Mandant sich je länger je mehr bewusst werde, was er seinen Opfern angetan habe und dass seine Reue immer grösser werde, hatte zuvor schon sein Verteidiger in seinem einstündigen Plädoyer gesagt. «Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei den Kindern und ihren Familien entschuldigen. Ich schäme mich total für das, was ich gemacht habe und dass ich das Vertrauen so schamlos ausgenutzt habe», fügte der Angeklagte zudem in seinem Schlusswort an.

Er wollte die Porno-Speicher zurück

Neben der Forderung nach einer milderen Strafe forderte der Mann vor Obergericht, dass seine Festplatten mit illegalem pornografischem Material und seine Smartphones mit Bildern der Opfer nicht vernichtet, sondern gesäubert und zurückgegeben werden. Auf den Geräten sei sein ganzes Leben. Es sei grundsätzlich schon so, dass nur das einzuziehen und zu vernichten sei, was wirklich kontaminiert sei, hielt Oberrichter Spiess fest. Aber aufgrund der grossen Anzahl Dateien sah das Gericht davon ab. «Alles nochmals durchsuchen und sicherstellen, dass da wirklich kein pornografisches Material drauf ist, ist mit vertrebarem Aufwand nicht möglich und daher unzumutbar. Das ist nicht Sache des Staates. Das Zeugs wird vernichtet», so Spiess. Dieses Risiko gehe nun mal ein, wer seine privaten Erinnerungen und Delikt-Dateien auf einem Datenträger vermische.

Oberrichter Spiess hielt weiter fest, dass der Kinderschänder «hinterhältig» vorging und sich sein Tun über «unglaublich lange Zeit» erstreckte. Einzig vom Missbrauch des einen Knaben sprach ihn das Gericht in dubio pro reo frei – der Knabe ist sich bis heute selber nicht sicher, ob er missbraucht wurde oder es nur geträumt hat.

Den Fall hatte die Limmattaler Zeitung im März 2017 exklusiv publik gemacht. Es handelt sich um einen der grössten Pädophilen-Fälle im Kanton Zürich. Er könnte noch vor Bundesgericht landen. Der Täter lebt seit 27. Januar 2015 hinter Gittern.