Obergericht
Obergericht schickt Millionenbetrüger für ein Jahr ins Gefängnis

Das Zürcher Obergericht hat das Dietiker Urteil gegen einen Informatik-Millionenbetrüger bestätigt. Der 30-jährige Finanzunternehmer muss ein Jahr seiner Strafe absitzen. Der Mann hat bereits mehrere Vorstrafen auf dem Kerbholz.

Attila Szenogrady
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Blick ins Zürcher Obergericht (Archiv)

Blick ins Zürcher Obergericht (Archiv)

Keystone

Ein gescheiteter Dietiker Millionenbetrüger wollte gestern vor dem Zürcher Obergericht seine Strafe in eine Bewährungsstrafe umwandeln lassen. Das ist ihm nicht gelungen. Er war vom Bezirksgericht Dietikon zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten verurteilt worden. Ein Jahr davon soll er absitzen.

Es war im vergangenen Juli, als das Bezirksgericht Dietikon einen heute 30-jährigen Limmattaler Finanzunternehmer wegen Betrugs, mehrfacher Veruntreuung, Urkundenfälschungen und weiteren Nebendelikten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten verurteilte. Ein Jahr davon unbedingt, da der gebürtige Ostschweizer bereits mehrere Vorstrafen auf dem Kerbholz hatte. Gestern stand der heute hoch verschuldete Pleitier vor dem Zürcher Obergericht und wollte eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten erreichen.

Hohen Gewinn in Aussicht gestellt

Die Vorwürfe der Anklage waren vor Obergericht nicht mehr bestritten. Demnach hatte der Beschuldigte vor wenigen Jahren in Dietikon eine eigene IT-Firma betrieben und dabei gewinnbringende Anlagen mit Renditen von mindestens 6,75 Prozent in Aussicht gestellt. Mit einem selbstsicheren und überzeugenden Auftreten brachte es der junge Unternehmer tatsächlich fertig, mehrere Investoren zu grösseren Einlagen zu überreden. In der Folge verbrauchte der Täter die Summen für eigene Bedürfnisse oder verlustreiche Fremdgeschäfte. Zu seinen Opfern zählte aber auch die Grossbank Credit Suisse (CS). Der Beschuldigte konnte einen langjährigen CS-Kundenberater dazu bewegen, ihm innerhalb von wenigen Tagen 700 000 Franken zu überweisen. Allerdings setzte der Täter dazu nicht nur frei erfundene Geschichten, sondern auch gefälschte Urkunden ein.

Über 1,3 Mio. Franken ertrogen

Als dem Beschuldigten in finanzieller Hinsicht im Sommer 2008 das Wasser am Hals stand, erstattete er Selbstanzeige und verbrachte danach einige Tage in Untersuchungshaft. Der Pleitier und Halter eines Luxusfahrzeugs der Marke Porsche hatte die Geschädigten um über 1,3 Millionen Franken geprellt.

Der heute arbeitslose Beschuldigte zeigte sich gestern Montag vor dem Zürcher Obergericht reumütig und sprach von einem Teufelskreis. Sein Verteidiger zeigte sich überzeugt, dass sein Klient niemanden habe schädigen wollen. Er sei vielmehr davon ausgegangen, eines Tages alles zurückzahlen zu können. Deshalb sei eine deutliche Strafsenkung auf noch 18 Monate bedingt angezeigt. Bei der Befragung kam heraus, dass der Beschuldigte bisher nur wenig zurückerstattet hat. Er ist heute arbeitslos und lebt wieder bei seiner Mutter, die ihn finanziell unterstützt.

Urteil umfassend bestätigt

Das Obergericht sah keinen Grund, vom Dietiker Urteil abzuweichen. Im Gegenteil. Es erklärte, dass aufgrund einer hohen kriminellen Energie des Beschuldigten eine deutlich höhere Strafe angezeigt gewesen wäre. Da die Staatsanwaltschaft nur eine Bestätigung des Urteils verlangt hatte, durften die Oberrichter die Sanktion aber nicht mehr verschärfen. So blieb es beim Dietiker Verdikt. Der geständige Pleitier muss damit ein Jahr absitzen.

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