Segeln

Oberengstringer steht vor dem Abenteuer seines Lebens

Immer die Nase im Wind: Simon Koster will mit seinem welschen Kollegen Valentin Gautier die Segelregatta «Transat Jacques Vabre» in 20 Tagen schaffen.

Simon Koster

Immer die Nase im Wind: Simon Koster will mit seinem welschen Kollegen Valentin Gautier die Segelregatta «Transat Jacques Vabre» in 20 Tagen schaffen.

Er ist der Limmattaler König der sieben Meere: Simon Koster startet in Le Havre zur Transatlantik-Segelregatta «Transat Jacques Vabre» - das Ziel liegt in Brasilien.

Der Name ist Programm: «Rösti Sailing Team» nennen der Limmattaler Simon Koster und sein Kollege aus der Westschweiz, der Genfer Valentin Gautier, ihr aktuelles Projekt. Die beiden starten diesen Sonntag als eines von 60 Zweierteams zur 4350 Seemeilen (rund 8000 Kilometer) langen Segelregatta «Transat Jacques Vabre» vom französischen Küstenort Le Havre an die brasilianische Ostküste nach Salvador de Bahia. Die beiden wollen nicht nur segelnd den sogenannten Röstigraben überwinden, sie fahren auch sonst für eine gute Sache.

«Nein, nervös bin ich nicht», meldet Koster gut gelaunt aus der Normandie. «Wir haben uns seriös vorbereitet, Essen und Trinken sind an Bord, die Elektronik funktioniert – es kann losgehen.» Mit anderen Worten: Koster (31) und sein welscher Copain Valentin Gautier (32) sind startklar. «Wir freuen uns auf die Herausforderung und wollen primär einmal durchkommen und das Ziel in Salvador de Bahia sehen.» Die drittgrösste Stadt Brasiliens sollte von den beiden, so die Berechnungen von Koster, in rund 20 Tagen erreicht werden. Zum Vergleich: Der Rekord auf der Strecke von Le Havre nach Salvador de Bahia liegt bei knapp 18 Tagen Fahrzeit.

Ein Neubau für 600 000 Franken

Der Limmattaler segelt seit vielen Jahren auf den Weltmeeren umher. Vieles hat er schon gesehen, manches erlebt. Aber ein Abenteuer, wie es unmittelbar bevorsteht, fehlt noch in seiner Sammlung. «Es ist definitiv etwas Besonderes, eine so lange Zeit zusammen auf einem Boot zu sein und über den Atlantik zu segeln.» Diese Regatta werde Material und Mensch an die Grenzen führen, ist sich Koster sicher. Apropos Material: Das Boot der beiden, die zwölf Meter lange Hochseeyacht «Class 40 Banque du Léman», ist ein nigelnagelneues Schmuckstück.

Die rund 600 000 Franken teure Hochseeyacht wurde vor einem guten Monat erstmals zu Wasser gelassen. «Zwei Sponsoren, welche für drei Jahre unterschrieben haben, ermöglichten es uns, ein Boot zu bauen, das auch 2021 noch konkurrenzfähig sein wird», sagt Koster. Darum habe man für den Neubau einen Yachtdesigner sowie eine erfahrene Werft ins noch nicht produzierte Boot geholt. «Die waren bereits mit der Entwicklung eines neuen Modells beschäftigt, so konnten wir von den vorangeschrittenen Designarbeiten profitieren, durften aber auch unsere Inputs einbringen und an gewissen Punkten mitentwickeln», verrät Koster.

Das Endprodukt könne sich sehen lassen, optisch und bezüglich der Fahrleistungen. «Nach einigen Tests darf ich sagen: Unser neues Schiff scheint nicht langsam zu sein», sagt Koster schmunzelnd. Wegen Verzögerungen beim Bau starten Koster/Gautier mit einem Boot, mit welchem sie noch nicht viel gesegelt sind. «Das Timing bis zum Start war eng, darum verlief die Vorbereitung nicht perfekt.»

Auf dem Meer für eine gute Sache einstehen

Das Duo Koster/Gautier kurvt in den nächsten knapp drei Wochen nicht einfach so auf dem Atlantik herum. Die beiden starten mit einer klaren Botschaft an die Welt. «Wir wollen eine soziale Kompetente einbringen und machen auf unserem Boot Werbung für die Dargebotene Hand», sagt Koster. Der Hintergrund: Valentin Gautier hatte früher psychische Probleme, fand dank Strukturen wie eben dieser «Dargebotenen Hand» wieder zurück in die Spur. «Wir geben mit dieser Botschaft unserem Abenteuer einen tieferen Sinn. Das ist sehr befriedigend», sagt Gautier. Natürlich kann die Telefonseelsorge-Organisation keine Sponsoring-Beiträge zahlen. «Ein Mäzen stellt seine Werbefläche zur Verfügung», verrät Koster.

Drei Wochen über den Atlantik segeln, sich die Sonne aufs Gesicht scheinen und die Haare im Fahrtwind flattern lassen – das tönt für Aussenstehende verlockend. Eine lustige Ferienreise ist die Hochseeregatta zwischen dem Startort Le Havre und dem Ziel an der brasilianischen Küste allerdings ganz und gar nicht.

Das Essen ist gefriergetrocknet und in Tagesrationen vakuumverpackt, als Kochherd dient ein kleiner Camping-Gaskocher, Alkohol gibt’s an Bord keinen, frische Früchte nur in den ersten zwei Tagen. Am härtesten sind die Präsenzzeiten auf Deck. Koster und Gautier wechseln sich alle zwei Stunden ab, während der eine schläft, isst oder das Logbuch ausfüllt, navigiert der andere mittels Satellitenverbindung und schaut, dass die Route eingehalten wird. «Das geht an die Substanz. Aber wir lieben es», sagt Koster strahlend.

Längst hat Simon Koster seinen Lebensmittelpunkt vom Limmattal in die Bretagne nach Lorient («meine Homebase») verschoben, dort lebt er das ganze Jahr hindurch. Kosters Eltern und Geschwister wohnen weiterhin in Oberengstringen. Er komme seine Familie «öppe emal» besuchen. Wann er das nächste Mal in der Region sein wird, weiss er nicht. Zuerst gilt es, das grösste Abenteuer seiner bisherigen Karriere als Hochsee-Segler erfolgreich zu bestehen.

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