Bezirksgericht Zürich
Oberengstringer muss wegen Erpressung ins Gefängnis

Ein überschuldeter Oberengstringer Geschäftsmann hat von einem Unternehmer eine Million Euro zu erpressen versucht und mehrere Darlehen ergaunert.

Attila Szenogrady
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Bezirksgericht Zürich.

Bezirksgericht Zürich.

Keystone

Kaum hatte der 47-jährige Beschuldigte den Schuldspruch vernommen, versteckte er sich hinter der Anklagebank. «Wo sind Sie? Haben Sie einen Zusammenbruch? Geht es Ihnen schlecht?», wollte der überraschte Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli vom inhaftierten Limmattaler Geschäftsmann wissen. «Wenn ich so einen Seich höre, geht es mit schlecht», antwortete der Beschuldigte, der in der Kauerstellung weiter ausharrte. Der Grund: Er wurde wegen versuchter Erpressung, gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung, Drohung sowie Irreführung der Rechtspflege zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Aus dem Saal geführt wurde er von der Polizei dann wieder in aufrechter Haltung.

Der Schweizer betätigte sich laut Anklage schon seit mehreren Jahren als gewiefter Hochstapler und ging diverse Freunde, Bekannte und Verwandte um höhere Geldbeträge an. Er erzählte dabei von angeblich erfolgreichen Flugticket-Geschäften oder einem millionenschweren Börsenprogramm, das er entwickelt habe. In einem Fall berichtete er von einer Reise des Musikvereins Unteres Aaretal und bat einen Kollegen für die Vorfinanzierung um 60 000 Franken. Der Geschädigte sah sein Geld nie wieder und erfuhr erst am Mittwoch im Gerichtssaal, dass es den fraglichen Musikverein gar nicht gibt. Ebenso wenig die Börsenprogramme, welche die Richter ebenfalls als fiktiv einstuften.

Vom Hochstapler zum Erpresser

Sicher ist, dass mehrere Privatkläger dem Betrüger insgesamt über eine Viertelmillion Franken überwiesen hatten und damit dessen Leben finanzierten. Einer geregelten Arbeit ging er bereits seit dem Jahr 2004 nicht mehr nach. Im August 2013 plante er einen neuen Coup. Dabei wandelte er sich vom Hochstapler zum perfiden Erpresser.

Laut Anklage wandte sich der Beschuldigte an einen wohlhabenden Zürcher Unternehmer und forderte von ihm eine Million Euro. Dabei erklärte der Betrüger, dass er von zwei bewaffneten Asiaten aufgesucht und bedroht worden sei. Diese Männer hätten ihm Fotos vorgelegt, auf welchen der Unternehmer Sex mit Kindern praktiziert habe. Sollte er nicht zahlen, würden die Bilder veröffentlicht, drohte der Limmattaler und stellte sich ebenfalls als Opfer der Asiaten dar. So würden sie ihn bei einer Nichtbezahlung der Gelder umbringen, behauptete er und meldete diese Geschichte auch noch der Polizei.

Der Plan misslang. Der Geschädigte zahlte nichts, worauf der Erpresser festgenommen wurde und seither im Gefängnis sitzt.

Vergebens Unschuld beteuert

Vor Gericht hinterliess der Beschuldigte nicht den besten Eindruck. So wich er den richterlichen Fragen jeweils aus und stellte mit komplizierten Sätzen seine Sicht der Dinge dar. Er hielt an seinem Bild eines erfolgreichen Geschäftsmannes unbeirrt fest und machte immer andere Personen für finanzielle Misserfolge verantwortlich. Er beharrte auch auf der Geschichte mit den Asiaten, konnte allerdings nicht plausibel erklären, warum das Opfer die eine Million Euro auf sein Konto einzahlen sollte.

Der Verteidiger räumte ein, dass sein Klient zwar teilweise unwahre Angaben gemacht habe. Trotzdem seien mangels Beweisen ein voller Freispruch und die sofortige Haftentlassung angezeigt. In einem langen Schlusswort beteuerte der Beschuldigte seine Unschuld und sprach von einem Justizirrtum. Zum Schluss vergebens.

Dreieinhalb Jahre Freiheitsentzug

Das Gericht kam zu umfassenden Schuldsprüchen und lastete dem Beschuldigten zahlreiche, frei erfundene Lügengeschichten an. Die Asiaten habe es zum Beispiel nie gegeben. Den Geschädigten habe er vorgegaukelt, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, führte der Vorsitzende Aeppli aus. Mit einer Strafe von dreieinhalb Jahren blieb das Gericht unter dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft, die sogar vier Jahre Freiheitsentzug gefordert hatte.