«Der grüne Zweig»
Oberengstringer Max Meyer schrieb seinen ersten Roman

Max Meyer will zeigen, dass «einem der gesunde Menschenverstand weiter bringt als alle schönen Theorien». Deshalb hat er bewusst eine ganz normale Frau zur Protagonistin seines Romandebüts gemacht.

Sandro Zimmerli
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Max Meyer mit seinem Roman «Der grüne Zweig».

Max Meyer mit seinem Roman «Der grüne Zweig».

Sandro Zimmerli

Wie findet man sich in einer komplexen, mit vielen Versuchungen lockenden Gesellschaft zurecht, ohne seine innere Stabilität zu verlieren? Veronique Geissbühler weiss es. Sie macht Karriere, ist materiellen Gütern nicht abgeneigt, dennoch sind sie nicht Richtschnur auf ihrem Lebensweg. Veronique ist eine «Normalbürgerin», eine Frau, wie man sie überall antreffen kann. Sie steht mit beiden Beinen im Leben und ist dennoch nur Fiktion.

Veronique Geissbühler ist die Schöpfung des Oberengstringers Max Meyer, der mit «Der grüne Zweig» seinen Romanerstling vorlegt. Ein Roman, in dem bewusst eine ganz normale Person im Zentrum steht. «Ich habe festgestellt, dass viele Neuveröffentlichungen von historischen Ereignissen, wie den Weltkriegen, beeinflusst sind. Zudem gibt es immer mehr Romane, in denen die Vulgarität im Vordergrund steht. Das stört mich», sagt Meyer.

Ganz normale Personen, die durchaus aus dem Leben gegriffen sein können, würden kaum zu Hauptpersonen einer Erzählung. Dem wollte er mit Veronique Geissbühlers Lebensgeschichte entgegenwirken. «Ich bin ein kritischer Gesellschaftsbeobachter. Der Normalbürger, der sich in der komplizierten Gesellschaft zurecht findet und dabei seine innere Stabilität bewahrt, existiert als Romanhauptfigur nicht», hält er fest.

Seinen Weg finden

An einer fiktiven Frauenfigur wolle er zeigen, dass man seinen Weg finden könne, selbst wenn man aus einfachen Verhältnissen stamme, so Meyer. Man müsse seinen Kopf behalten, dann gelinge dies. Der Titel des Buches sei denn auch wörtlich zu nehmen, im Sinne von «auf einen grünen Zweig kommen, zu reüssieren», sagt Meyer. Die Protagonistin bringe es auf einen grünen Zweig. Trotz Karriere sei ihr der grüne Zweig in ihrem Büro wichtiger als materielle Güter.

Dass sich Meyer in seinem Debüt mit gesellschaftlichen und karrieretechnischen Fragen auseinandersetzt, kommt nicht von ungefähr. Der heute 67-jährige, promovierte Ökonom arbeitete bis zu seiner Pensionierung über 25 Jahre in verschiedenen Wirtschaftsverbänden. Dabei hat er festgestellt, dass «einem der gesunde Menschenverstand weiter bringt als alle schönen Theorien. Es lohnt nicht, sich auf Mythen zu verlassen». Dennoch sei der Roman nicht autobiografisch. «Es sind aber gesellschaftliche Beobachtungen darin enthalten, die ich während meiner beruflichen Laufbahn gemacht habe», erklärt Meyer.

Erfahrungen weitergeben

Während dieser Laufbahn hat Meyer bereits zu schreiben begonnen. «Ich habe damals schon viel publiziert, vor allem für Fachzeitschriften», sagt er. Irgendwann habe er dann von dieser fachlichen Schiene loskommen wollen. Nach der Pensionierung sei es sein Ziel gewesen, Distanz zu gewinnen. Berateraufträge habe er aber trotzdem noch angenommen. Dabei sei er immer mit den gleichen Fragen über Führung konfrontiert worden. «Ich habe mich dann entschieden, meine Erfahrungen weiterzugeben. Daraus ist ein Buch über die Führung von Wirtschaftsverbänden entstanden», so Meyer.

Gleichzeitig sind verschiedene Texte entstanden, die in Anthologien oder in einem Gedichtband veröffentlicht wurden. «Geschichten zu schreiben, hat mir schon lange Freude bereitet. Ich mag eine feine Sprache, die Anspielungen macht», hält Meyer fest. Bevor er sich jedoch an seinen ersten Roman wagte, der «ohne Masterplan und in einem Guss» geschrieben wurde, publizierte Max Meyer vor vier Jahren zwei Theaterstücke. Geht es nach ihm, sollen noch weitere Veröffentlichungen folgen. «Ein weiterer, teilweise autobiografischer Roman, ist bereits fertig und wird hoffentlich bald herausgegeben.»