Oberengstringen
Oberengstringen kündigt Nulltoleranz für Strassenstrich an

Prostituierte und Zuhälter, die sich aufgrund strengerer Kontrollen der Stadt Zürich nach örtlichen Alternativen umsehen, wären in Oberengstringen nicht willkommen. Gemeindepräsident ad interim René Beck droht mit «Kampfmassnahmen».

Bettina Hamilton-Irvine
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Die Tage des Strassenstrichs am Sihlquai sind gezählt - kommen die Prostituierten jetzt nach Oberengstringen? (Archiv)

Die Tage des Strassenstrichs am Sihlquai sind gezählt - kommen die Prostituierten jetzt nach Oberengstringen? (Archiv)

Keystone

Ab morgen gilt für die Prostituierten in der Stadt Zürich ein neues Regime: Sie erhalten nur noch dann eine Arbeitsbewilligung, wenn sie sich zuvor einer Kontrolle der Stadtpolizei unterzogen haben. Diese muss mit einem entsprechenden Formular beantragt werden. «Wir werden die Identität und die Selbstständigkeit der Frauen genau anschauen und, wenn alles in Ordnung ist, eine Empfehlung an das Amt für Wirtschaft und Arbeit abgeben», erklärt Marco Bisa, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. Dieses werde dann eine Arbeitsbewilligung für maximal 90 Tage ausstellen.

Die verschärfte Regelung ist ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Handhabung des Strassenstrichs und wurde letzte Woche als Teil eines Massnahmenpakets der Stadt Zürich präsentiert (siehe Kasten). Ab Frühling 2012 soll der Strassenstrich am Sihlquai dann ganz verschwinden. Stattdessen werden so genannte «Verrichtungsboxen» in Altstetten in Betrieb genommen.

Prostituierte in der Agglomeration?

Könnte das strengere Regime bedeuten, dass sich Prostituierte und Zuhälter, die sich keiner umfassenden Kontrolle und Überwachung ausgesetzt sehen wollen, dann in die Agglomeration - zum Beispiel ins Limmattal - verschieben werden? Mediensprecher Bisa will sich dazu nicht äussern. Wie die ganze Umsetzung funktioniere, müsse sich erst noch zeigen, sagt er.

In Oberengstringen hat man sich diesbezüglich ebenfalls noch keine Gedanken gemacht, wie René Beck, Gemeindepräsident ad interim sagt. Man wolle dies jedoch baldmöglichst nachholen: «Wir werden das Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung besprechen müssen.» Denn die Möglichkeit, dass Prostituierte aus Zürich in das angrenzende Oberengstringen ausweichen könnten, sei vorhanden, meint Beck: «Diese Befürchtungen sind sicher nicht unberechtigt.»

Gemeinde zieht bereits heute Freier an

Dass die Gemeinde aufgrund einiger Erotiklokale bereits Freier aus Zürich anziehe, dessen ist sich Beck bewusst. Doch seien diese Lokale konform mit den geltenden Vorschriften. Prostituierte auf den Strassen seien in Oberengstringen jedoch nicht akzeptabel, sagt Beck: «Das würden wir auf keinen Fall tolerieren.

In diesem Fall müssten wir ganz sicher Kampfmassnahmen einleiten», sagt er. Was dies genau bedeute, müsse der Gemeinderat zuerst absprechen und aufgleisen, sagt Beck. Man werde entsprechende Vorabklärungen treffen, damit man auf die Situation vorbereitet wäre. Dazu gehöre sicher auch, dass man mit der Stadt Zürich Kontakt aufnehme, um sich auszutauschen oder gegebenenfalls ein gemeinsames Vorgehen zu definieren. Natürlich hoffe man, dass Massnahmen gar nicht nötig sein werden, sagt Beck. Falls doch, wolle man jedoch bereit sein: «Dann könnten wir nur noch den Hebel umschalten.»

Es wäre nicht das erste Mal, dass Oberengstringen gegen einen Strassenstrich kämpfen müsste. Letztes Jahr und davor bereits 1999 setzte sich die Limmattaler Gemeinde für die Aufhebung des unliebsamen Autobahnrastplatzes zwischen der A1 und der Limmat ein, da dieser nicht nur als Nachtquartier für Fernfahrer, sondern auch als Strassenstrich für Schwule bekannt war. Die Mühe war jedoch vergebens: Das Bundesamt für Strassen, das für den Rastplatz verantwortlich ist, wollte an diesem festhalten.