Oberengstringen
Kampfwahl ums Präsidium: René Beck (Mitte) fordert André Bender (SVP) heraus

Bei den Oberengstringer Wahlen im März 2022 tritt Mitte-Gemeinderat René Beck gegen den aktuellen Gemeindepräsidenten André Bender (SVP) an.

Lydia Lippuner und David Egger
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René Beck (Mitte, links) fordert den amtierenden Gemeindepräsidenten André Bender (SVP, rechts) heraus.

René Beck (Mitte, links) fordert den amtierenden Gemeindepräsidenten André Bender (SVP, rechts) heraus.

Bilder: zvg

René Beck (Mitte) kandidiert als Oberengstringer Gemeindepräsident. Dass Beck wieder als Gemeinderat kandidiert, war seit Längerem klar. Dass er zudem den Gemeindepräsidenten André Bender (SVP) direkt herausfordert, wird jetzt bekannt. Die Kandidatur ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil der Gesamtgemeinderat Beck Anfang Jahr drei seiner vier Ressorts entzogen hat. Beck setzt also auf Angriff statt Rückzug.

Sowohl seine Partei als auch Freunde und verschiedene Oberengstringer Stimmbürger hätten ihn zu diesem Schritt motiviert, sagt Beck, der seit 2001 im Gemeinderat sitzt. Die Kampfwahl gegen Bender – dieser ist seit 2006 Gemeinderat und seit 2011 Gemeindepräsident – sieht Beck sportlich: «Für mich ist es ein Rennen. Es wird einen Erst- und einen Zweitplatzierten geben. Aber wenn ich mir keine Chancen ausrechnen würde, hätte ich mich nicht gemeldet», sagt er.

Mit seiner Kandidatur wolle er neuen Wind in den Gemeinderat und in die Bevölkerung bringen.

«Es braucht unbedingt einen Aufbruch»,

sagt er. Denn dass an die letzte Gemeindeversammlung nur 37 Personen kamen, ist für Beck ein Alarmzeichen. «Es gibt kleinere Gemeinden mit doppelt so vielen Leuten an der Gemeindeversammlung.» Da liege offensichtlich etwas im Argen, so Beck. Genau da wolle er anpacken und die Sachpolitik wieder in den Vordergrund rücken. Dazu habe er als Gemeindepräsident mehr Möglichkeiten. Beck sagt: «Ich möchte mehr bewirken als in meiner aktuellen Position als Bauvorstand.»

Die Ressorts Entsorgung, Werke und Tiefbau, denen Beck bis Ende Januar vorstand, seien seine Lieblingsressorts gewesen. «Daher kam für mich bis zum jetzigen Zeitpunkt das Präsidialamt nicht in Frage, obwohl ich 2011 als Gemeindepräsident ad interim amtete (nachdem der damalige Gemeindepräsident Reto Cavegn (FDP) per sofort zurücktrat, Anmerkung der Redaktion)», sagt er. Nachdem ihm aber Anfang Jahr seine Lieblingsressorts entzogen wurden, änderte sich die Lage. Beck hat seither nur noch das Ressort Hochbau inne.

Zwei kleine zusätzliche Aufgaben darf René Beck jetzt übernehmen

Kürzlich gab der Gesamtgemeinderat bekannt, dass Beck neu in den Bürgerrechtsausschuss sowie in die Arbeitsgruppe «Sanierung Verwaltungsgebäude» aufgenommen wurde. In diesen beiden Funktionen ersetzt Beck den offiziell per Ende 2021 zurücktretenden Jürg Bruppacher (Mitte). Bruppacher, seit 2002 Finanzvorstand, hatte im Juni 2021 an der Gemeindeversammlung überraschend angekündigt, von seinem Amt zurückzutreten – unter anderem auch deshalb, weil er nicht einverstanden war damit, wie die Gemeinderatsmehrheit mit René Beck umging. Die beiden erwähnten Aufgaben, die Beck von Bruppacher übernimmt, werde Beck bis zur Neukonstituierung des neuen Gemeinderats Anfang Juli 2022 innehaben, teilte die Gemeinde mit. Obwohl Beck die Sanierung des Gemeindehauses freut, erachtet er die beiden Zusatzaufgaben als eher symbolisch.

Sieben Kandidaten für die sieben Gemeinderatssitze

Die Oberengstringer Wahlen gehen am 27. März 2022 über die Bühne. Bereits seit Längerem ­bekannt ist, dass David Döring (Mitte), bisher Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK), neu als Gemeinderat kandidiert. Ebenfalls neu kandidieren Urs Streichenberg (SVP) und Peter Zahnd (FDP). Letzterer will also dafür sorgen, dass die FDP, die seit 2018 nicht mehr im Gemeinderat vertreten ist, wieder im Gemeinderatszimmer dabei ist. Von den Bisherigen kandidieren André Bender (SVP) und Andreas Leupi (SVP) sowie Kurt Leuch (Forum) erneut. Nicht mehr antreten werden Jean-Fritz Weber (SVP) und Elisabeth von Atzigen (parteilos) und wie erwähnt Jürg Bruppacher. Das ergibt im Endeffekt sieben Kandidaten für die sieben Sitze im Gemeinderat.

Sechs Kandidaten für die fünf Sitze in der RPK

Bei der fünfköpfigen Rechnungsprüfungskommission (RPK) kommt es 2022 zur Kampfwahl mit sechs Kandidaten. So ist aktuell bekannt, dass das bisherige Mitglied Othmar Frey (FDP) wieder kandidiert – neu auch als Präsident. Ebenso werden die Bisherigen Lorenz Huber (SVP) und Erich Mettler (Mitte) wieder antreten. Das langjährige Mitglied Josef Egger (SP) stellt sich nicht mehr zur Verfügung. Die SP teilt auf Anfrage mit, dass sie stattdessen ihren Ortsparteipräsidenten Flavio Lustenberger ins Rennen schickt. Die GLP teilt auf Anfrage mit, dass ­Matthew Hauseder für die RPK kandidiert. Und die AL schickt Stefan Bolz ins Rennen – dieser verpasste 2018 die Wahl in die RPK um nur 13 Stimmen, nachdem er 2011 und 2014 erfolglos für den Gemeinderat kandidierte. Er erklärt auf Anfrage, dass die AL zwar der Meinung sei, dass dem Gemeinderat ein grösserer Wechsel guttun würde – er habe beim Unterschriftensammeln für seine RPK-Kandidatur gespürt, dass es in der Bevölkerung eine grosse Unzufriedenheit mit dem Gemeinderat gebe. Aber, so Bolz: «Da die beiden Hauptverantwortlichen für das schlechte Image des Gemeinderates wieder kandidieren, ist es sehr schwierig, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, die sich in diesem Gremium engagieren möchten.»

Schulpflege: gleich viele Kandidaturen wie Sitze

Bei der Schulpflege ist seit September bekannt, dass Werner Baltisberger (SVP), Claudia Béguin sowie Angie Fausch, Esther Gysi, Frank Nagel und Heike Schwaller (alle parteilos) wieder kandidieren werden. An­gesichts dessen, dass die Schulpflege aus sieben Mitgliedern besteht, wobei das siebte Mitglied jeweils aus der Schulpräsidentin respektive dem Schulpräsidenten besteht, die respektive den der Gemeinderat jeweils aus seiner Mitte bestimmt, steht also, Stand heute, bei der Schulpflege keine Kampfwahl bevor.

Weitere Kandidaturen werden noch möglich sein

Auch bei der Sozialbehörde, die jeweils aus dem für das Ressort Soziales zuständigen Gemeinderat und vier weiteren stimmberechtigten Mitgliedern besteht, zeichnet sich derzeit keine Kampfwahl ab. Hier ist bekannt, dass Evelyne Seiler (FDP), Martin Largier (parteilos) und Kornelia Vögeli (Forum) wieder kandidieren.

Es könnten bei allen Gremien noch weitere Kandidaturen öffentlich werden. Noch hat die Gemeinde Oberengstringen keine offizielle Liste aller Kandidaturen bekannt gegeben. Die erste Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen ist am 20. Dezember abgelaufen.

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