Es ist 15.10 Uhr und ein trüber, eisigkalter Samstagnachmittag. Mit Erschrecken entdeckt ein Passant den dichten Rauch, der aus dem Schulhaus Rebberg in Oberengstringen qualmt. Aus dem Fenster rufen Menschen um Hilfe – sie scheinen kaum mehr atmen zu können.

Bereits fünf Minuten später fährt die Feuerwehr Oberengstringen mit Blaulicht an. Im Nu werden Schläuche verlegt und Kommandos gegeben. Auch der Samariterverband Engstringen ist bereits im Anmarsch und hält Ausschau nach Verletzten. Mehr und mehr Zuschauer versammeln sich auf der abgesperrten Strasse, um das imposante Geschehen zu beobachten. Sie sind froh, dass es sich hier nur um den Schlussakt der diesjährigen Feuerwehr-Hauptübung handelt.

„Hier im Limmattal kommt ein solcher Ernstfall in der Realität zum Glück nur sehr selten vor“, erläutert Kommandant Olivier Béguin. „Insgesamt mussten wir in diesem Jahr 20 Mal ausrücken. Dabei handelte es sich aber meistens um Kleineinsätze wie automatische Brandalarme, Ölspuren oder Kleintierrettungen. Solche Übungen erhalten die Routine aufrecht und helfen dabei, das Handwerk zu perfektionieren.“

Um die Anwohner für solche Ernstfälle und die Arbeit der Feuerwehr zu sensibilisieren, kommentiert er die Abläufe. „Nun wird die Leiter aufgestellt und die Atemschutzeinheit bereitet sich vor, um die Eingesperrten zu befreien. Lebensrettung ist Priorität eins“, erklärt Béguin.

Nach dem die Eingesperrten gerettet worden sind, wird der Brand eingedämmt. „Normalerweise steigt das Feuer in die Höhe. Wenn es aber von oben begrenzt wird, vergrössert es sich horizontal. Mit Knochenarbeit muss die Absturztruppe daher nun die Ziegel entfernen, um das Dach öffnen und so das Feuer von oben löschen zu können“, erläutert Béguin weiter.

Peter Knuchel, stellvertretender Kommandant, ist mit dem Einsatz sehr zufrieden. Insbesondere lobt er die eingehaltenen Sicherheitsvorschriften, das Handling der Gerätschaften sowie den Führungsrythmus von Einsatzleiter Ruedi Weber. Jedoch erkennt Knuchel auch Verbesserungspotential: „Beim nächsten Mal könnte etwas besser kommuniziert werden, wer welches Gerät mitnimmt. Zudem darf es nicht wieder vorkommen, dass ein Atemschutzträger alleine im brennenden Gebäude ist. So etwas gibt bei der Feuerwehr nicht.“

Zusammenschluss mit der Feuerwehr Weiningen und Unterengstringen

Zurzeit liegt zwischen der Feuerwehr Oberengstringen, Weiningen und Unterengstringen ein Zusammenarbeitsvertrag vor.  Auch wenn dieser soweit reibungslos funktioniert, appelliert Béguin mittelfristig für einen offiziellen Zusammenschluss der drei Teams. „In drei Jahren werde ich und vermutlich auch zwei weitere der insgesamt fünf Offizieren das Feuerwehramt ablegen“, so der 53-Jährige. „Das Durchschnittsalter unseres gesamten Teams liegt bei 47 Jahren. Es ist sehr wichtig, dass wir in den nächsten Jahren junge, motivierte Leute nachziehen können. Wir haben kein Personal- sondern ein Strukturproblem. Ein offizieller Zusammenschluss könnte helfen.“