Oberengstringen
Oberengstringen geht in Sachen Integration über die Bücher

Oberengstringen hat einen hohen Ausländeranteil. Mit Unterstützung des Kantons erarbeitet die Gemeinde nun ein individuelles Integrationsprogramm, das helfen soll, alle Einwohner ins soziale und kulturelle Leben einzubinden.

Sarah Serafini
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Gemeinderätin Käthi Mühlemann engagiert sich für ein Integrationsprogramm in Oberengstringen.

Gemeinderätin Käthi Mühlemann engagiert sich für ein Integrationsprogramm in Oberengstringen.

Sarah Serafini

Im Bezirk Dietikon ist die Zahl der ausländischen Wohnbevölkerung die höchste des Kantons Zürich. Wie können ausländische Schüler möglichst gut integriert werden? Wo lernen deren Mütter, die oft isoliert in ihren Wohnungen sitzen, deutsch? Wer zeigt ausländischen Personen, wo sie ihren Metallabfall entsorgen können? Mit solchen Fragen müssen sich die Gemeinden im Bezirk auseinandersetzen.

Seit letztem Jahr schafft die kantonale Fachstelle für Integrationsfragen Abhilfe. Mit «Kompakt» bietet sie den Zürcher Gemeinden ein individuelles Integrationsprogramm an. Schlieren und Oberengstringen sind nun die ersten Gemeinden im Limmattal, die mittels «Kompakt» ein solches Programm ausarbeiten.

Integration ist schon lange Thema

In Oberengstringen sind 28 Prozent der Bewohner Ausländer. «Das ist viel», sagt Käthi Mühlemann, Gemeinderätin (SP) des 6400-Seelen Dorfs. Das Thema Integration ist der Lehrerin und Sozialvorsteherin der Gemeinde eine Herzensangelegenheit. Schon jetzt gibt es diesbezüglich verschiedene Angebote, wie Lesehilfen an den Schulen, Deutschkurse für Mütter oder eine Spielgruppe mit spezieller Sprachförderung. Im Juni nehmen Gemeindevertreter aus Oberengstringen nun an drei Workshops mit der kantonalen Fachstelle für Integrationsfragen teil. Zusammen erstellen sie ein Gemeindeporträt. Sie diskutieren, wo in der Gemeinde bezüglich der Integration noch Handlungsbedarf besteht und wo Optimierungen vorgenommen werden müssen. Ziel der Sitzungen: Ein individuelles Programm für Oberengstringen, das die Integration für alle Gemeindebewohner verbessert.

Julia Morais, Leiterin der kantonalen Fachstelle für Integrationsfragen sagt: «Gemeinden haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Mit ‹Kompakt› können alle beteiligten Akteure an einen Tisch sitzen, um das kommunale Programm gemeinsam zu erarbeiten.» Lukas Vogt, der in Oberengstringen als Jugend- und Integrationsbeauftragter arbeitet, stimmt Morais zu: «Mit dem kommunalen Integrationsprogramm kann die Gemeinde schauen, wo in Oberengstringen noch Bedarf an Integration besteht und wie diese Lücken gefüllt werden können.»

Ausländer in Vereine einbinden

Käthi Mühlemann erhofft sich von «Kompakt», dass damit die Integration auf einen soliden politischen Boden gestellt wird. Sie bedauert, dass der Kantonsrat im Jahr 2011 das Integrationsgesetz bachab geschickt hatte. Mühlemann sagt: «Einen geregelten Rahmen hätte den Gemeinden einiges erleichtert.» Mit «Kompakt» möchte sie der Gemeinde Oberengstringen diesen Rahmen nun doch noch geben.

«Allen Bewohnern in Oberengstringen soll es möglich sein, am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen», sagt Mühlemann. In vielen Vereinen gebe es Nachwuchsprobleme, obwohl es durchaus interessierte Leute gebe, die sich gerne aktiv in Vereinen betätigen würden. Mühlemann sagt, dass ausländische Leute nur oft gar nicht von diesen Vereinsangeboten wissen. «Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden, sie sehr positiv reagieren.»
Mühlemann ist sich sicher, dass die Gemeinde mit «Kompakt» einen grossen Schritt in die richtige Richtung macht.

«Kompakt»: Auch Schlieren nutzt das Angebot

Auch in Schlieren nutzt die Gemeinde das Angebot der kantonalen Fachstelle für Integrationsfragen. Stadtpräsident Toni Brühlmann sagt, dass ihn die Fragen rund um die Integration angesichts der vielen Menschen, die direkt aus dem Ausland zuziehen und des hohen Ausländeranteils besonders beschäftigen. Eine Arbeitsgruppe der Stadt Schlieren hat bereits einen Teil der Workshops besucht. Brühlmann sagt, dass die erste Phase des Projekts «Kompakt» bis nach den Sommerferien abgeschlossen sein sollte: «Dann erarbeiten wir zusammen mit der kantonalen Fachstelle für Integrationsfragen ein individuelles Programm für Schlieren. Wenn uns die genaue Situationsanalyse vorliegt, wird ein Massnahmeplan erarbeitet und es entschieden, welche Projekte in welcher Reihenfolge umgesetzt werden sollen.» Die Dienstleistung der Fachstelle ist kostenlos. Der Aufwand für die Gemeinden besteht aus Arbeitszeit, die vor allem durch die Workshops anfällt. Nach der Bedarfsanalyse leistet die Fachstelle einen finanziellen Beitrag an die Umsetzung des ausgearbeiteten Integrationsprogramms. Zur Zeit beteiligen sich sieben Gemeinden im ganzen Kanton am Integrationsprogramm «Kompakt». (sar)