Oberengstringen
Adieu, alter Riese: Die 225-jährige Eiche von Oberengstringen steht nicht mehr

Noch Anfang März lag viel Holz in den Wäldern von Oberengstringen. Nun wurde geräumt. Neben den umgestürzten Bäumen wurden auch kranke Eichen, Eschen und Fichten gefällt, um Schlimmeres zu verhindern.

Carmen Frei
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Die Baumstämme stapelten sich vor dem Engstringer Wald. Das fiel auch einer Leserin der «Limmattaler Zeitung» auf.

Die Baumstämme stapelten sich vor dem Engstringer Wald. Das fiel auch einer Leserin der «Limmattaler Zeitung» auf.

Leserbild/Limmattaler Zeitung

Im Januar hatte Schnee dem Oberengstringer Wald zugesetzt. Nun wurden die Schäden behoben. Dass dabei viele Bäume gefällt wurden, blieb nicht unbeachtet. Eine Leserin der «Limmattaler Zeitung» berichtet: «Der Vitaparcours und das Naherholungsgebiet sind jetzt kahl.» Sie findet es schade für Sportler, Hunde und Kinder. Unter den gefällten Bäumen befände sich auch die älteste Eiche von Oberengstringen, teilte die Leserin mit.

Thomas Hubli weiss, von welchem Baum die Rede ist. Auch er findet: «Es war ein monumentaler Baum.» Hubli übernahm als Förster das Revier Ober- und Unterengstringen von Peter Rieser, der im letzten Jahr in Pension ging. «Die Eiche hat mir Peter Rieser noch gezeigt und mich darauf aufmerksam gemacht, dass sie krank ist», sagt er.

«Sie war 225 Jahre alt», erzählt Hubli. Sie habe jedoch an einer Pilzkrankheit gelitten, welche die Wurzel angriff. Darum sei eine Fällung unumgänglich gewesen. Zu gross war die Gefahr, dass der Baum unkontrolliert umstürzt.

Das Sicherheitsrisiko führte zum Holzschlag

«Es war die grösste Eiche der Holzkorporation und von ganz Oberengstringen», so Hubli. Er habe auch noch mit dem Präsidenten der Holzkorporation Oberengstringen gesprochen, bevor man beschlossen habe, sie zu fällen. Es habe eine Pfadigruppe in der Nähe, darum habe er kein Risiko eingehen wollen. Laut Hubli möchte die Holzkorporation das Holz auch nutzen. Ausschlaggebend für den Holzschlag sei aber das Sicherheitsrisiko gewesen, sagt er.

Schon als man im Wald mit der Fällung beschäftigt gewesen sei, habe er gewusst, dass es Reaktionen geben werde, sagt Hubli. «Es war schlechtes Wetter, das war gut», meint er. Denn an einem sonnigen Tag hätte man noch mehr Leute mit den gesperrten Wegen einschränken müssen. Beim Vitaparcours habe die Holzkorporation noch arbeiten können, als es trocken gewesen sei. So konnte vermieden werden, dass der Boden aufgewühlt wird. «In einem solchen Gebiet ist das Holzen extrem anspruchsvoll, aufwendig und nervenaufreibend», findet Hubli. Die Sicherheit habe immer oberste Priorität.

Vor dem Aufräumen versperrten beim Vitaparcours in Oberengstringen umgefallene Bäume den Weg. (Archivbild: 26.2.2021)

Vor dem Aufräumen versperrten beim Vitaparcours in Oberengstringen umgefallene Bäume den Weg. (Archivbild: 26.2.2021)

Carmen Frei / Limmattaler Zeitung

Nachhaltigkeit und Nutzung in Einklang bringen

Dass der Wald nun im Vergleich zu vorher ziemlich verjüngt daherkommt, liegt daran, dass neben der alten Eiche auch einige andere Bäume gefällt werden mussten. Entlang der Wege und beim Vitaparcours sei dies vor allem aufgrund des Schneebruchs und der Eschenwelke nötig gewesen, erklärt Hubli. Viele Bäume kippten wegen der Stürme in den vergangenen Jahren und des Schnees im Januar um. Ausserdem gibt es Fichten, die unter dem Borkenkäfer leiden. Eschen und Fichten sollten geerntet werden, solange das Holz noch eine gute Verwendung findet. «Wir versuchen die Biodiversität, die Nachhaltigkeit und die Wirtschaftlichkeit unter einen Hut zu bringen. Aber auch die Nutzung des Holzes ist wichtig», sagt Hubli.

Es seien auch einige Personen vorbeigekommen, als die Holzkorporation am Werk gewesen sei. «Viele beschäftigt das. Wenn wir ihnen aber die genauen Vorgänge erklären, dann zeigen sie meist Verständnis», sagt Hubli. Auch für ihn sei es nicht immer einfach, den Wald nach Stürmen und Belastungen wieder aufzuräumen und aufzuforsten. Als Förster müsse er darauf achten, dass der Forst für die kommenden Jahre und die klimatischen Veränderungen gewappnet sei.

Die nächste Generation der Bäume braucht Schutz

Eigentlich würde Hubli den Wald gerne anders bewirtschaften, als dies im Moment der Fall ist. «Es ist eine Zwangsnutzung. Es sind viele Bestände, die wir nicht so ernten möchten», sagt er. Vor allem gehe es nun darum, den Nachwuchsbestand zu schonen, erklärt Hubli. Denn wenn beschädigte oder kranke Bäume umfielen, könnten sie wertvolle Verjüngungsinseln mit nachwachsenden Trieben in Mitleidenschaft ziehen. Denn diese Bäume sollen die nächste stabile und artenreiche Baumgeneration bilden, so Hubli. Daher legt er Wert darauf, diese zu schützen.