Oberengstringen
Abwärme der Equinix-Server könnte künftig dem Limeco-Fernwärmenetz zugeführt werden

Die Abwärme des Oberengstringer Datencenters soll künftig nicht mehr verpuffen, sondern Häuser erwärmen. Auch der Gemeinderat macht Schritte, um erneuerbare Energien zu fördern.

Lydia Lippuner
Drucken
Die Serverwärme aus dem Oberengstringer Datencenter könnte künftig Nachbarhäuser erwärmen.

Die Serverwärme aus dem Oberengstringer Datencenter könnte künftig Nachbarhäuser erwärmen.

Bild: Valentin Hehli

Hunderte Internetserver blinken tagein, tagaus im Oberengstringer Datencenter Equinix. Sie generieren eine beachtliche Abwärme. Diese verpufft bislang noch ungenutzt in die Welt. Das soll sich künftig ändern. «Es laufen bereits Gespräche mit der Limeco, um die Serverabwärme dem Fernwärmesystem zuzuführen», sagt René Beck (Mitte). Der Oberengstringer Hochbauvorstand begrüsst diese Entwicklung. Die Gemeinde sei zwar nicht in diesen Prozess involviert, doch der Gemeinderat empfehle, auf erneuerbare Energien zu setzen.

Vor einer Woche bot Becks Mitte-Partei in Zusammenarbeit mit Equinix eine Führung durch das Datencenter an. Mit von der Partie waren zwei bekannte Zürcher Mitte-Politikerinnen: die Regierungsrätin Silvia Steiner und die Aescher Kantonsrätin Janine Vannaz.

Die Zürcher Regierungsrätin Silvia Steiner (Mitte) posiert an der Datencenterführung mit Equinix-CEO Roger Semprini und der Kantonsrätin Janine Vannaz (Mitte).

Die Zürcher Regierungsrätin Silvia Steiner (Mitte) posiert an der Datencenterführung mit Equinix-CEO Roger Semprini und der Kantonsrätin Janine Vannaz (Mitte).

Bild: zvg

Equinix könnte vom Kanton verpflichtet werden

Im Zürcher Kantonsrat stand das Traktandum Serverabwärme vor wenigen Wochen ebenfalls auf dem Programm. In einem dringlichen Postulat forderten GLP, SP und EVP, dass die Rechenzentren künftig zum Heizen von Wohnungen verpflichtet werden sollen. Das Postulat wurde mit 139 zu 28 Stimmen überwiesen – dagegen war nur die FDP. In der Folge könnten die Zürcher Datencenter künftig verpflichtet werden, ihre Abwärme in einen Heizungsverbund einzuspeisen.

Die Equinix schreibt auf Anfrage: «Selbstverständlich ist Equinix bestrebt, an Lösungen mitzuarbeiten, um die Abwärme nutzbar zu machen.» Schliesslich habe sich das internationale Unternehmen das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Das Unternehmen wolle sich aber nicht unter Druck setzen lassen: «Obligatorien sind hier aus unserer Sicht nicht zielführend», sagt Roger Semprini, CEO-Equinix Schweiz.

Man sei jedoch im Gespräch mit der Nachbarschaft in Oberengstringen, um mögliche Projekte in Zukunft umzusetzen. Das Unternehmen gibt aber auch zu bedenken, dass der Wärmeanbieter alleine nichts tun könne. «Es braucht auf der anderen Seite einen Abnehmer, der die Infrastruktur baut respektive bereitstellt, damit die Abwärme effektiv auch weiterverteilt und genutzt werden kann.»

Kommunale Bewilligungsgebühren sollen künftig erlassen werden

Heizen mit erneuerbarer Energie wurde auch im Oberengstringer Gemeinderat zum Thema. Der Hochbauvorstand René Beck beantragte an der letzten Gemeinderatssitzung am Montagabend, dass Hausbesitzer bei der Umstellung von konventionellen auf erneuerbare Energieinstallationen finanzielle Unterstützung erhalten. «Wir erlassen diesen Bauherren künftig die gemeindeinternen Bewilligungskosten», sagt Beck.

Der Verwaltungszuschlag, den die Gemeinde bei externen Bewilligungen beispielsweise für eine Solaranlage, eine Erdwärmesonde oder eine Ladeinfrastruktur erhebt, wird künftig ebenfalls erlassen. Die Bewilligungskosten des Kantons bleiben jedoch weiter bestehen. Der Gemeinderat hat den Antrag laut Beck diskussionslos angenommen. Die Regelung gilt rückwirkend ab 1. Januar 2022.

In Zahlen ausgedrückt heisst dies, dass die Gemeinde für das laufende Jahr Kosten von insgesamt rund 2500 Franken erlassen wird. Dieses Jahr sanierten bereits elf Bauherren ihre Heizung, sie werden von Becks Vorschlag profitieren. «Der Zustupf ist ein kleines Zeichen der Wertschätzung», sagt Beck.

Der Datenhüter: Roger Semprini ist Geschäftsführer von Equinix Schweiz.
8 Bilder
Zuständig fürs Klima: Hinter den digitalen Lagerhallen befinden sich riesige Kühlungsmaschinen.
Ausbau bis ans Limit: Equinix verbaute in den letzten Jahren das Gelände an der Autobahn immer weiter. Nun stehen noch zwei weitere Bauetappen an.
Digitale Augen: Das Gelände wird mit vielen Videokameras überwacht.
Sicherheit geht vor: Jeder Besucher geht einzeln durch das Drehkreuz.
Fingerabdrücke: Am Eingang müssen die Besucher ihre Hand in den Scanner legen.
Im Innern der Halle: Hier befinden sich Hunderte Server von bekannten Unternehmen.
Korrekt verkabelt: Die meisten Unternehmen sind selbst zuständig für die Wartung ihrer Geräte, Equinix stellt lediglich die geeignete Infrastruktur zur Verfügung.

Der Datenhüter: Roger Semprini ist Geschäftsführer von Equinix Schweiz.

Valentin Hehli

Laut Beck ist es wichtig, dass möglichst viele Heizungen erneuert werden. «Da viele Oberengstringer Häuser aus den 70er-Jahren stammen, sind sie in einem energietechnisch sanierungsbedürftigen Zustand», sagt Beck. So habe auch die Anzahl der Baugesuche für Heizungssanierungen zugenommen.

«Viele Besitzer von Mehrfamilienhäusern lassen ihre Gebäude am erweiterten Fernwärmenetz der Limeco anschliessen, und viele Einfamilienhäuser satteln von Ölheizungen auf Wärmepumpen um», sagt Beck. Auch seitens der Gemeinde könnte man noch mehr für die Umwelt tun. So ist laut Beck zu prüfen, ob man künftig auf den Dächern der öffentlichen Gebäude Solaranlagen installieren könnte.

Lagerhäuser für Daten

Equinix ist ein börsenkotiertes Unternehmen, das weltweit rund 240 Rechenzentren betreibt. Dabei nutzen digitale Unternehmen die von Equinix zur Verfügung gestellte Plattform, um ihre Infrastruktur zusammenzuführen. Der Standort in Oberengstringen ist verbunden mit jenem in Zürich-West. Der Ort in Zürich ist strategisch im Herzen eines der grössten Finanzmärkte Europas platziert. Dabei sollen die Server der Equinix-Kunden den Grossteil Europas innerhalb von Sekundenbruchteilen erreichen.