Limmattal
Ob Kunstrasen oder Spezialdrinks: Gute Stimmung ist an den Public Viewings garantiert

Die Limmattaler EM-Public-Viewings unterscheiden sich vor allem in der Platzzahl und haben ihre eigene Qualität.

Ly Vuong
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Wenn das nur gut kommt, denken die Schweizer Fans hier Böllebar
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Von jung bis alt das EM Spiel Schweiz-Albanien zog alle in den Bann
Verpasste Torchance löst Emotionen bei den albanischen Fans aus. Hier: Dietikon auf dem Kirchenplatz
Über Fussball lässt sich herrlich diskutieren in der Zeus Music Bar
Schattige Sommerbeiz mit mehreren Bildschirmen
So blicken Fans, wenn eine Torchance nicht geglückt ist in der Zeus Music Bar
Sandra Widmer aus Bergdietikon (rechts im Bild) jubelt mit Freunden und Familie für die Schweiz in der Sommerbeiz.
Rund 1500 Besucher davon 70 Prozent albanische Fans in Dietikon auf dem Kirchenplatz
Michael Pauli (links) mit EM-Spezialdrink Jagerella und Marcel Peter mit Eisshot
Steaks und Hamburger geben Kraft zum Mitfiebern (Dietikon)
Keiner zu klein, um Fan zu sein (Dietikon)
Glückliche Schweizer Fans in der Zeus Music Bar
Lauschig familiäre Stimmung beim Public Viewing in der Zeus Bar
Klein aber fein: Die Zeus Music Bar
Fussball verbindet Völker. Hier: Sommerbeiz
Freud und Leid liegen nah beieinander (Dietikon)
Fussball verbindet Völker, hier: Sommerbeiz
Bedrückte Stimmung bei den albanischen Fans (Dietikon)
Abseits des Public Viewing in der Böllebar in Urdorf spielen Nachwuchstalente Fussball
Das Publikum leidet mit ihren Helden mit (Dietikon)
Bedrückte Stimmung bei den albanischen Fans in Dietikon
Public Viewing SChweiz Albanien Limmattal
Einige fanden Zeit, um am Glücksrad zu drehen (Dietikon)

Wenn das nur gut kommt, denken die Schweizer Fans hier Böllebar

Ly Vuong

«Das Public Viewing in der Zeus Bar ist klein, aber fein», lobt der Zürcher Remo Küng, der mit seinen Freunden gemütlich in der mit Blumen, Fahnen und Bällen dekorierten Zeus Music Bar in Dietikon sitzt und wettet, wann das erste Tor im EM-Spiel Schweiz-Albanien fällt. Küng setzt auf sechs Minuten und unterliegt um 10 Sekunden seinem Kollegen Marc Lerchmüller, der auf drei Minuten getippt hat. Denn schon in der ersten Spielzeit von vier Minuten und 20 Sekunden gelingt Fabian Schär dank einem Eckball von Xherdan Shaqiri ein Goal. Selten habe Küng ein solch interessantes Spiel der Schweiz gesehen. «Es hat viele Torchancen für die Schweiz gegeben», meint Küng und gibt zu, dass er nach jedem nicht erfolgreichen Angriff der Schweizer Nati dem Ausrasten nahe steht. Zum Energie Tanken fürs Mitfiebern nippt Küng an einem gefrorenen Margarita und beisst herzhaft in ein zartes Grillsteak. Die ausgelassen fröhliche Runde in der Zeus Music Bar, die Platz für über 100 Besucher hat, besteht überwiegend aus Fans der Schweizer Nati und ist übersichtlich, was der Dietiker René Zbinden schätzt.

Etwas grösser ist die Sommerbeiz in Schlieren. Am Samstag zum Match Schweiz-Albanien sind rund 350 Zuschauer gekommen. Der 16-jährige Schlieremer Edi Aliji ist mit seinen Brüdern, Onkeln und Cousinen da, um die albanische Nationalmannschaft zu unterstützen. Sie sind nicht die einzigen albanischen Fans, etwa 35 Prozent des Publikums in der Sommerbeiz fiebern für die junge albanische Mannschaft. Jedes Mal bei einer Goalchance für die Albaner sind die Emotionen mit Edi hochgegangen, denn er hoffte auf ein 2:1 für die Albaner. Demgegenüber steht der Geroldswiler Richard Britt auf der Seite der Schweizer Nati. Im Vorfeld habe Britt keine grosse EM-Stimmung gespürt. Dies hat sich nun geändert. Die Stimmung in der Sommerbeiz finde er äusserst aufwühlend und mitreissend, nicht zuletzt, weil beide Teams auf Augenhöhe spielten, so Britt.

Überwältigende Stimmung stets friedlich

Die Enttäuschung über die Niederlage ist gross bei den albanischen Fans, die rund zwei Drittel der 1500 Besucher des Public Viewings Dietike 16 ausmacht. Doch geteiltes Leid sei halbes Leid, so das Ehepaar Armend und Aynaz Mustafa aus Neuenhof. Bereits bei der WM im 2014 gefiel ihnen das Public Viewing auf dem Kirchenplatz. Hier treffen sie auf Freunde und Bekannte. «Die Stimmung ist überwältigend und trotzdem sehr friedlich», lobt das Paar. Sein 6-jähriger Sohn Arbenor habe sich sehr geärgert, als Lorik Cana, Captain der albanischen Mannschaft, die rote Karte bekam, erzählt Vater Esat Dalipi. Vater und Sohn haben das Spiel nicht bis zu Ende schauen mögen. Auch bei der Zürcherin Debbie Lang liegen die Nerven blank, allerdings zugunsten der Schweizer Nati. «In der zweiten Halbzeit haben wir einen Chorgesang für die Schweiz angestimmt und wurden sofort von den albanischen Fans mit ihrem Gesang übertönt», meint Lang schmunzelnd. «Die Stimmung ist wunderbar und freundschaftlich, wie Sport sein sollte», bestätigt Peter Spori aus Weiningen, der ehemaliger Trainer des FC Dietikons ist. Er hat mit 11 Kollegen eine VIP-Lounge reserviert. Sie hätten alle das Gefühl Trainer zu sein und zu wissen, wen man auf den Mond schiessen und wem man die Fussballschuhe wegnehmen sollte, gibt Spori Einblicke in seine Männerrunde.

Auch in Urdorf frönt das 800-köpfige Publikum der Böllebar dem Fussball. Hier finden sich vorwiegend Fans der Schweizer Nati. «Ich bin erleichtert, dass die Schweiz gewonnen hat», verrät Patrick Schwarzentruber, der aus dem aargauischen Habsburg anreiste, was er nicht bereut. Denn der Kunstrasen im Zelt der Böllebar gebe ihm das Gefühl, mitten im Geschehen auf dem Fussballfeld zu sein, so Schwarzentruber. Zwar spielte die Schweizer Nati etwas zurückhaltend, doch die Stimmung in der Böllebar sei trotz ihrer Grösse sehr gemütlich und familiär, bilanziert Monika Mellini. Bereits vom Böllebar-EM-Spezialdrink «Jagerella» probiert haben Pascal Eichholzer und Kollegin Melina Schnell. «Sehr fein, dem Geschmack nach muss das «Jagerella» Zauberkräuter enthalten!», sagen sie. Nicht zufällig scherzen die Organisatoren der Böllebar Michael Pauli und Marcel Peter, dass Urdorfer die Gallier Limmattals verkörpern. Ihr «Jagerella» sei ihr Zaubertrank. Wer dies nicht glaubt, kann selbst einen Eisshot trinken und ihn auf die Zielscheibe hinter der Bar werfen. – Ob man mit dem Zaubertrank «Jagerella» tatsächlich besser trifft, kann ausprobiert werden!