Limmattal
Ob Fussballspielen oder Musizieren: Neuer Verein finanziert Hobbys von Kindern

Die Rotary-Clubs Zürich-Limmattal und Zürich-Dietikon gründeten einen Verein, mit dem sie Kindern und Jugendlichen helfen wollten. Bisher haben sie aber erst ein Gesuch um Hilfe erhalten.

Aline Ilk
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Fussball spielen wollen viele. Doch Fussballschuhe und Mitgliedergebühren sind für Working-Poor-Familien sehr teuer. KEY

Fussball spielen wollen viele. Doch Fussballschuhe und Mitgliedergebühren sind für Working-Poor-Familien sehr teuer. KEY

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Kinder und Jugendliche bei der Ausführung ihres Hobbys finanziell zu unterstützen: Das ist das Ziel des neuen Vereins Rokj Limmattal, der von den beiden Rotary-Clubs Zürich-Limmattal und Zürich-Dietikon gegründet wurde. Solche Rokj-Vereine sind mittlerweile in verschiedenen Regionen der Deutschschweiz vertreten. Beim Rokj Limmattal werden Kinder und Jugendliche bis jetzt in den Sparten Sport und Musik finanziell unterstützt. Laut Präsidentin Carol Hofer sollen später weitere Bereiche dazukommen.

Ein Hobby diene nicht nur der Beschäftigung, sagt Hofer. «Kinder und Jugendliche, die wegen finanzieller Engpässe keine Möglichkeit haben, in einen Sport- oder Freizeitklub zu gehen, obwohl sie das gerne möchten, können sich weniger gut integrieren», sagt sie. «Vielleicht sind ihre Freunde dort, und damit sie nichts verpassen, wollen wir diesen Kindern und Jugendlichen helfen, indem wir ihnen finanziell unter die Arme greifen.» Vor allem Working-Poor-Familien seien betroffen. Bei diesen Familien sind die Eltern zwar berufstätig, sie leben aber wegen des tiefen Lohns in Armut. An das Hobby oder die Mitgliedschaft in einem Fussballclub kann die staatliche Hilfe wie beispielsweise das Sozialamt aber oft nichts zahlen. Insbesondere hier will der neue Verein einspringen und die Familien mit ihren Kindern unterstützen. «Alle Kinder sollen ihre Fähigkeiten entwickeln und ihrem Hobby nachgehen können, egal aus welchen Verhältnissen sie kommen», sagt Hofer.

Vier Augen begutachten Gesuche

Entstanden ist die Idee im Kanton Thurgau im Jahr 2008 und verbreitet sich via Kanton Zürich nun in Richtung Mittelland. «Wir bieten eine unmittelbare, unbürokratische und schnelle Dienstleistung an», sagt Hofer. «Wenn ein Kind in einen Fussballclub möchte, möchte es das sofort. Kinder sind ungeduldig, für sie ist ein halbes Jahr eine Ewigkeit.» Wenn ein Gesuch eingeht, wird dieses jeweils von zwei Personen begutachtet und individuell voneinander entweder akzeptiert oder abgelehnt. Bis jetzt hat der Verein Rokj Limmattal nur ein Gesuch erhalten. Einerseits brauche es seine Zeit, bis der Verein in der Region bekannt ist. Andererseits seien sicher auch Hemmungen vorhanden. «Den Leuten ist es teilweise unangenehm, so viele persönliche Angaben zu machen. Wir brauchen diese aber, um genau zu schauen, ob eine Unterstützung gerechtfertigt ist oder nicht», so Hofer. Auch die Sprache kann ein Hindernis sein. Das Antragsformular gibt es nur auf Deutsch. «Vielleicht haben einige nicht genug Deutschkenntnisse, um das Formular vollständig auszufüllen», so Hofer.

Der Geldbetrag wird nie an die Eltern ausbezahlt, sondern direkt an die jeweilige Institution. «So wissen wir auch, dass das Geld für diesen Zweck genutzt und nicht für etwas anderes ausgegeben wird.» Wenn ein Kind zum Beispiel in einer Musikschule ein Instrument spielen lernen möchte, so wird der Betrag direkt an die Musikschule bezahlt. «Wir rechnen in Perioden von einem halben Jahr. Hört ein Kind früher auf, wird dann ein zweites Gesuch sicher weniger Erfolg haben», sagt Hofer.

Finanziert durch Spendengelder

Finanziert wird der Verein von Spendengeldern. Zudem werden immer wieder Benefizveranstaltungen organisiert. Das nächste ist ein Schachturnier im September. Kinder und Erwachsene können sich dafür anmelden. Gespielt wird dann jeweils um einen Betrag, der danach an den Verein Rokj Limmattal gespendet wird.