Unumwunden verschaffen einige Limmattaler ihrem Frust Luft. Die Nachricht des Logistikunternehmens Planzer, das bis zu 100 Flüchtlinge erst ausbilden und anschliessend anstellen will, erntet in der Branche und in der Politik viel Lob. Bei den Lesern stösst diese Initiative jedoch kaum auf Gegenliebe. So schreiben einige auf der Website der Limmattaler Zeitung sinngemäss, dass die eigene Bevölkerung links liegengelassen werde und die freien Stellen sicherlich nicht von Flüchtlingen besetzt werden sollen, solange es hier Arbeitslose gebe, die am Existenzminimum leben würden.

«Logistik wird zu einem immer wichtigeren Teil des Lebens.» Peter Greif Leiter RAV Dietikon

«Logistik wird zu einem immer wichtigeren Teil des Lebens.» Peter Greif Leiter RAV Dietikon

Solche Bemerkungen hört Peter Greif, Leiter der Regionalen Arbeitsvermittlungsstelle (RAV), nicht oft. Denn das RAV Dietikon unternimmt viel, um Arbeitssuchende der Region wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. «Auch sind die Hürden für Unternehmen, die Ausländer aus Drittstaaten anstellen wollen, sehr hoch. Sie müssen nachweisen, dass in der Schweiz kein geeignetes Personal zur Verfügung steht», so Greif. Doch zeigen Zahlen des Kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, dass der Logistikbranche, wie auch etwa der Pflege- und IT-Branche, dereinst mehrere Tausend Arbeitskräfte fehlen werden. Darunter sind jedoch nicht nur Chauffeure und Lagerarbeiter zusammengefasst. «Alle Zubringer und Versorger dieser Branche sind gemeint, also auch etwa Köche und Kaufleute», so Greif. Der Mangel an Berufsleuten liege aber eindeutig bei Chauffeuren und Lagerarbeitenden.

Bei der Rekrutierung von Schweizer Arbeitssuchenden stellte sich heraus, dass für die RAV-Aktion nur gerade jeder zehnte infrage kam. Foto: Sven Broder

Bei der Rekrutierung von Schweizer Arbeitssuchenden stellte sich heraus, dass für die RAV-Aktion nur gerade jeder zehnte infrage kam. Foto: Sven Broder

Dabei habe diese Entwicklung nicht unbedingt damit zu tun, dass eine Anstellung im Logistiksektor wenig attraktiv sei. «Viel eher ist es so, dass diese Branche zu einem immer wichtigeren Teil des Lebens wird.» Mit den Home-Delivery-Angeboten von Einrichtungshäusern oder Grossverteilern und der generell steigenden Bevölkerungszahl sei dies eine logische Konsequenz.

Deutsch ist massgeblich

Diesem Mangel an Arbeitskräften will das RAV entgegenwirken. Vor einem Jahr lancierte es gemeinsam mit dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband (Astag) ein Rekrutierungsprojekt. «Das Ziel ist es, Quereinsteiger als Chauffeure zu rekrutieren und anschliessend auszubilden», so Greif. Rund 90 Personen liessen sich in den vergangenen zwölf Monaten Eignungstests unterziehen, um abzuklären, ob sie für den Chauffeur-Beruf infrage kommen. «Nur gerade zehn Prozent dieser Arbeitssuchenden brachten die gewünschten Anforderungen mit», so Greif. Hauptgrund für das Ausscheiden der restlichen Bewerber waren mangelhafte Sprachkenntnisse. «Ohne ein gutes Deutsch kann man die Berufsprüfung nicht bestehen.»

Ebendiese Sprachkenntnisse seien bei den von Planzer geplanten Stellen für Flüchtlinge nicht im Vordergrund, wie CEO Nils Planzer zu Beginn der Woche bekannt gab. Etwa Aufgaben in den Bereichen Konfektionierung und Kommissionierung, also das Umpacken und neu Beschriften von Lieferungen, sei auch zu bewältigen, mit weniger guten Deutschkenntnissen. Bereits heute würden rund 400 Menschen in diesen Bereichen bei Planzer arbeiten.

Technologie kein Allheilmittel

Peter Greif weiss, dass es auch bei solchen Stellen wichtig ist, zumindest rudimentäre Sprachkenntnisse zu haben. So müssten beispielsweise Qualitätssicherungsmassnahmen auch von einem Lager-Hilfsmitarbeiter verstanden und befolgt werden. Zwar würde die fortschreitende Technologisierung diese Hürde ein wenig senken, etwa wenn Belege oder Codes eingescannt werden müssten und eine Kontrolle durch den Lagerangestellten obsolet würde. «Doch muss ein Lagermitarbeiter sehen, ob ein Lieferschein der richtige oder der falsche ist.» Ansonsten entstehen Fehler in den Abläufen.

Knifflig wird es auch bei der Einhaltung der Suva-Richtlinien am Arbeitsplatz. «Es ist die Pflicht des Arbeitgebers, sicherzustellen, dass der Angestellte diese Richtlinien verstanden hat und sie auch befolgt», so Greif. Diesbezüglich hätten Sprachbarrieren in der Vergangenheit bereits zu Konflikten geführt. «Hilfskräfte mussten in verschiedenen Betrieben bereits entlassen werden, weil das Verständnis für diese Sicherheitsvorschriften nicht ausreichend vorhanden war.»