Gefängnisausbruch Limmattal
Nur wenige Meter vom Gefängnis entfernt: Angela M. verursachte Fast-Unfall

Nicht nur die Flucht aus dem Limmattaler Gefängnis wird Angela M. vorgeworfen. Kurz nach der Haftanstalt soll sie einen Beinahe-Crash mit einem entgegenkommenden Auto verursacht haben. Auch das Entwenden einer 60 Franken teuren Hose führt unter anderem zur Anklage.

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Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.
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Sie schloss die Türen auf, während ihr Kollege auf Nachtschicht schlief. Und: Bald ist klar, dass Angela M. und Hassan K. ein Liebespaar sind.
Hassan K. kam 2010 in die Schweiz. Er wurde vom Bezirksgericht Dietikon wegen Vergewaltigung einer knapp 16-Jährigen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil er es an das Zürcher Obergericht weiterzieht.
Angela M. ist in Wohlen AG aufgewachsen, trainierte dort Kickboxen. Vor der Flucht lebte sie seit drei Monaten von ihrem Mann getrennt, den sie 2014 geheiratet hatte.
Nach ihrer Flucht wurde bekannt, dass sie mit einem Auto über die Grenze zu Italien geflüchtet waren. Es handelte sich um einen schwarzen BMW X1 mit dem Kennzeichen ZH 528 411.
Am 21. März tauchte eine Video-Botschaft vom M. und K. auf: Die ehemalige Gefängniswärterin entschuldigte sich darin bei ihrer Familie und beteuerte, Kiko sei «der Mann ihres Lebens».
Gott habe sie für seine Flucht gesandt: So äusserte sich Hassan K. im Video über Angela M. Er beteuerte, er sei zu unrecht verurteilt worden und beklagte sich über die Haftumstände.
«Das war nicht so gescheit»: Das sagte der IT-Experte Lionel Bloch über die Veröffentlichung des Videos. Tatsächlich fand die Polizei - nicht nur dank des Videos allerdings - heraus, wo sich das Pärchen versteckte.
In der Nacht auf Karfreitag, 25. März, klickten die Handschellen: Sie und er waren im Bett, als nachts um 3 Uhr Polizisten die Wohnung stürmten. Die Wohnung befand sich in einem Hochhaus in Romano di Lombardia (I), rund 100 Kilometer von der Schweizer Grenze und 60 Kilometer östlich von Mailand entfernt. Angela M. wehrte sich so sehr, dass vier Beamte nötig waren, um sie zu überwältigen.
Danach sitzen sie in einem italienischen Gefängnis. Gemäss ihres Anwalts haben sie ihrer Auslieferung in die Schweiz zugestimmt.
Nach 66 Tagen war Angela M. am Donnerstag, 14. April 2016, zurück in der Schweiz. Bis zur Urteilsverkündung sass sie in Untersuchungshaft. In Chiasso übernahmen Schweizer Polizisten Angela M.
Talk Täglich, 23. Mai 2016: Angela M. mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.

Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.

Kapo ZH

Am Mittwoch informierte die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis über die Anklage gegen Angela M. und Hassan K., die beim Bezirksgericht Dietikon hängig ist. Nun gewährt die Anklageschrift einen ausführlichen Einblick in die Nacht vom 8. auf den 9. Februar, als die Gefängnisaufseherin den Häftling aus dem Limmattaler Gefängnis befreite und mit ihm nach Italien flüchtete.

Die Flucht wäre beinahe missglückt, wie die "NZZ" unter Bezug der Anklageschrift berichtet. So soll Angela M., nachdem sie kurz vor Mitternacht das Gefängnis mit ihrem Liebsten verlassen hatte, beinahe einen Verkehrsunfall mit dem Fluchtauto, dem geleasten schwarzen BMW, verursacht haben.

Vermutlich aus Nervosität geriet sie bei einer Verkehrsinsel auf die Gegenfahrbahn und kollidierte beinahe mit einem korrekt entgegenkommenden Fahrzeug. Obwohl es nicht zu einem Unfall kam und die Staatsanwaltschaft den anderen Lenker bis heute nicht ausfindig machen konnte, wird dieser Vorfall als vorsätzliche grobe Verletzung von Verkehrsregeln angeklagt.

Schlüssel und Uniformhose mitgenommen

Auch zweimal Begünstigung sowie Sachentziehung wird der ehemaligen Aufseherin neben Entweichenlassen von Gefangenen vorgeworfen. So soll sie ein Imbussschlüsselset sowie einen Generalschlüssel mitgenommen haben, was für das Gefängnis erhebliche Kosten zur Folge hatte, weil die Türschlösser ausgewechselt werden musste, schreibt die "NZZ" weiter. Auch das Entwenden einer Uniformhose im Wert von 60 Franken wird ihr angelastet.

Weil sie den Insassen mit einem Handy versorgte und ihn im Auto wegfuhr, wird ihr ausserdem zweimal Begünstigung vorgeworfen. Gemeinsam sorgen diese Vorwürfe für ein vergleichsweise hohes Strafmass der Staatsanwaltschaft, welches Urs Huber, der Anwalt von Angela M., bereits kritisierte. Er hält eine bedingte Strafe von sechs bis sieben Monaten für angemessen.