Abstimmung
Nur Quartierverein Schlieren sagt Nein zur Goldschlägi-Öffnung

Bürgerliche und Linke sind dafür – ihre Argumente für die Vorlage unterscheiden sich aber.

Florian Niedermann
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Wo derzeit nur Fussgänger und Velos passieren dürfen, sollen künftig auch Autos zur Bernstrasse gelangen.

Wo derzeit nur Fussgänger und Velos passieren dürfen, sollen künftig auch Autos zur Bernstrasse gelangen.

Florian Niedermann

Seit 2005 spricht die Stadtregierung davon, nun kommt es endlich zur Abstimmung: Die Schlieremer Bevölkerung befindet am 30. November über den Kredit in der Höhe von über 6,5 Millionen Franken für die Verlängerung und Öffnung der Goldschlägistrasse zur Bernstrasse. Die Ortsparteien haben ihre Parolen gefasst: Von links bis rechts stösst das Projekt auf Zustimmung. Nur der Quartierverein Schlieren (QVS) empfiehlt dem Stimmvolk ein Nein.

Parteipräsident Jürg Naumann sagt, der QVS sei der Meinung, dass es während der Bautätigkeit des Kantons an der Schönenwerdbrücke und der Hallerkreuzung ab 2015 zu massivem Mehrverkehr auf der Badenerstrasse komme, wenn der Verkehr dann wie vorgesehen über die Goldschlägistrasse zur Bernstrasse fährt: «Eine Umleitung des gesamten Verkehrs vom Autobahnzubringer Urdorf Richtung Zürich auf dieser Strecke ist unzumutbar», sagt er. Der Stadtrat habe es verpasst, ausreichende, flankierende Massnahmen aufzuzeigen, mit denen während dieser Zeit eine Überlastung der Badenerstrasse und des Spitalquartiers verhindert werden könne. «Problematisch ist dies vor allem, weil die Schüler des neuen Schulhauses Reitmen ab 2017 täglich die Badenerstrasse queren müssen», so Naumann. Und schliesslich ist dem QVS das Projekt auch zu teuer.

Ähnlich sieht dies auch ein Teil der Mitglieder der CVP, wie Fraktionspräsident Rolf Wegmüller sagt. Seine Partei habe zwar die Ja-Parole beschlossen, jedoch stehe sie nicht geschlossen hinter der Goldschlägi-Verlängerung. «Vielen von uns sind die Kosten zu hoch», so Wegmüller. Der Stadtrat habe dem Parlament in der vorberatenden Sitzung im September das Messer an den Hals gesetzt und auf den Druck des Kantons verwiesen. «Wir fanden schon damals, dass die beiden Häuser an der Goldschlägistrasse zu teuer erkauft wurden. Die Besitzer wussten um die Zwangslage der Stadt. Da hätte man mehr herausholen können», sagt Wegmüller.

Befürworter gewichten anders

Für die Annahme der Vorlage sind auch SVP, FDP, EVP, SP und die Grünen – allerdings stehen nicht bei allen die gleichen Argumente im Vordergrund. Die linken Parteien sowie die EVP sehen die Goldschlägi-Öffnung vor allem als flankierende Massnahme für das Vorhaben der Stadt, den Verkehr im Stadtzentrum zu reduzieren. Auch die GLP ist laut Parteipräsident Andreas Kriesi dieser Ansicht. Seine Partei hat allerdings noch keine offizielle Parole gefasst.

Beat Rüst, Präsident der Grünen, sagt, seine Partei hätte sich dazu durchgerungen für einmal den Bau einer neuen Strasse zu unterstützen: «Wir erwarten aber, dass sich die bürgerlichen Parteien ebenso kooperativ verhalten, wenn es darum geht, Projekte zur Reduktion der Verkehrskapazität im Zentrum umzusetzen.» SP-Präsidentin Béatrice Bürgin lässt ebenso verlauten, dass auf den Durchstich zwischen Badener- und Bernstrasse weitere Massnahmen folgen müssten, um den motorisierten Individualverkehr im Zentrum einzuschränken.

Bedürfnis des Quartiers im Fokus

Für die SVP und FDP steht die weitere Planung im Stadtinnern nicht im Vordergrund. Sie sehen die Goldschlägi-Verlängerung vor allem als Notwendigkeit für die grossen Neubau-Siedlungen auf dem Färbi- und Geistlichareal. SVP-Präsident Beat Kilchenmann sagt: «Wenn man den neuen Stadtteil entwickelt, muss man auch dafür sorgen, dass der Verkehrsfluss aus dem Quartier zur Bernstrasse als Hauptverkehrsader funktioniert.» Zwar sieht auch er den Durchstich als Teil des Verkehrskonzepts mit der Entlastung des Zentrums. Die Frage, wie stark die Kapazität der Strassen dort reduziert werden soll, gelte es aber erst noch zu klären, so Kilchenmann. FDP-Präsidentin Barbara Angelsberger bezeichnet das Projekt Goldschlägi als «logische Folge und lang geplante Entwicklung im neuen Stadtteil». Sie verweist dann aber doch auch auf seine Wirkung auf das Zentrum.

Für die Vorlage kämpft nun auch ein Komitee, das der Verein IG Rietbach gegründet hat. Die IG fördert und entwickelt seit 2001 das Gebiet Rietbach, durch welches die Goldschlägistrasse verläuft. Vereinspräsident Gianfranco Basso sagt, das Pro-Komitee sei gegründet worden, um die Mitglieder der IG und die Anwohner des Quartiers für die Vorlage zu mobilisieren. «Wir unterstützen das Vorhaben, weil die Verlängerung der Goldschlägistrasse für das Gebiet Rietbach eine bessere Erschliessung und eine Entlastung der oft überlasteten Brand- und Rietbachstrasse bedeutet», so Basso.

Am 6. November organisiert das Komitee einen Informationsanlass im Firmengebäude der AMAG, an dem Bauvorstand Markus Bärtschiger detailliert über das Vorhaben informiert.

Die Goldschlägistrasse wird zur Umfahrungsachse

Die Abstimmungsvorlage sieht vor, dass die Goldschlägistrasse so ausgebaut und in nördlicher Richtung verlängert wird, dass sie eine Verbindung zwischen der Badener- und der Bernstrasse bildet. Heute ist die Strasse erst für Fussgänger und Velofahrer durchgängig nutzbar. Die Idee dieser Verbindung wurde erstmals bereits im Stadtentwicklungskonzept von 2005 festgehalten. Die neue Verbindungsachse soll künftig als flankierende Massnahme dabei helfen, das Zentrum mit dem geplanten einspurigen Kreisel vom Verkehr zu entlasten. Dazu würden auch die Engstringerbrücke beim Bahnhof und die Engstringerkreuzung von einem Teil des Verkehrsaufkommens befreit. Ende September genehmigte das Schlieremer Parlament den Kredit von 6,5 Millionen Franken in einer vorberatenden Sitzung mit 26 zu 5 Stimmen. Bei der Umsetzung des Projekts steht der Stadtrat unter Zeitdruck. Denn der Ausbau der Goldschlägistrasse ist Teil der neuen Verkehrsführung im Zentrum, die auf den Baustart der Limmattalbahn und des Zentrumskreisels abgestimmt wird. Beides ist auf den Frühling 2017 terminiert. Vorher stehen aber entlang der Bernstrasse noch zwei grössere Bauprojekte des Kantons an: Die Schönenwerdbrücke wird neu gebaut und die Hallerkreuzung saniert. Diese beiden Vorhaben will der Kanton im Herbst 2015 angehen. Weil die Goldschlägistrasse dann zur Verkehrsverlagerung dienen soll, muss sie vorher ausgebaut sein. Damit der Ausbau möglich wurde, musste der Stadtrat drei Grundstücke für insgesamt 3,8 Millionen Franken kaufen. Diese Ausgaben sind im Kredit enthalten. Weil die Goldschlägistrasse eine kommunale Strasse ist, trägt die Stadt den grössten Teil der Kosten. Der Kanton beteiligt sich mit 1,1 Millionen. Weil die Stadt zudem Grundstücke für 2,2 Millionen verkaufen will, würden sich die Kosten für Schlieren auf 3,2 Millionen belaufen. Die Abstimmung findet am 30. November statt.