Das war knapp: Von den 2468 Schlieremerinnen und Schlieremern, die sich zum Bau einer neuen Asylunterkunft beim Werkhof äusserten, legten 1322 ein Ja in die Urne. 1146 waren dagegen. Dass es der Vorlage nur zu einer dünnen Mehrheit gereichte, gibt zu denken.

Das Parlament hatte den Verpflichtungskredit von 2,8 Millionen Franken im November einstimmig bewilligt. Und auch die politischen Parteien von links bis rechts beschlossen die Ja-Parole zur Vorlage. In Zeiten, in denen sich vielerorts lokale Widerstandsbewegungen gegen neue Unterkünfte formieren, eine erstaunlich einheitliche Haltung.

Doch zeugt sie vor allem von Pragmatismus: Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, 0,5 Prozent ihrer Wohnbevölkerung an Asylsuchenden aufzunehmen.

Sie in Unterkünften statt in Mietwohnungen zu platzieren, macht nicht nur finanziell, sondern laut der Asylorganisation AOZ meist auch aus betreuerischer Sicht Sinn. Die Schlieremer Classe politique war also unisono bestrebt, das städtische Asylwesen zu verbessern.

Die Haltung der Bevölkerung ist weniger eindeutig. Dies zeugt davon, wie stark der emotionale Diskurs auf nationaler Ebene auch kommunale Abstimmungen prägt.

Der generelle Unwille, mehr Asylsuchende aufzunehmen, führte wohl dazu, dass die Vorlage nur knapp angenommen wurde. Doch: Migrationspolitische Fragen werden auf Bundesebene beraten. Wer aus blinder Überfremdungsangst Projekte abgelehnt, die einer Stadt den Umgang mit ihrem Asylkontingent erleichtern sollen, schadet in erster Linie dieser selbst.