Vanja Crnojević nimmt sich wenig Zeit für ihren Aufenthalt in der Schweiz. Vor wenigen Tagen war sie noch in Belgrad, wo ihre Hilfsorganisation Borderfree Association einen mobilen Zahnarztservice für Flüchtende aufbaut, der am 11. Februar startet. In wenigen Tagen wird sie wieder in die serbische Hauptstadt reisen. Bis zu minus 15 Grad herrschen derzeit am Einsatzort der Schlieremer Flüchtlingshelferin und ihrer Mitarbeitenden.

Neben den zahlreichen Menschen, die in Flüchtlingslagern um Belgrad untergebracht sind, campieren geschätzte 2000 weitere unter freiem Himmel. Es seien Leute, die Angst hätten, nach einer Registrierung als Flüchtling kein Asyl gewährt zu bekommen oder nicht mehr aus Serbien weg zu können, sagt die 36-Jährige. Damit verzichten sie – es sind laut Crnojević vor allem Männer aus Afghanistan, Pakistan und dem kurdischen Teil Syriens – auch auf einen warmen Platz in einem Camp.

«Als wir vor drei Monaten mit dem Aufbau der mobilen Zahnklinik begannen, erkannten wir, dass wir auch etwas machen müssen, damit die Menschen nicht erfrieren», sagt Crnojević. Die Regierung sehe es nicht gerne, wenn Flüchtlingen ausserhalb der Lager geholfen werde, weil sie diese zur Registrierung drängen wolle. Doch einige Hilfeleistungen, wie warme Mahlzeiten, gefütterte Schlafsäcke und Jacken zu verteilen, wurde der Borderfree Association erlaubt.

«Da unsere Organisation in Serbien registriert ist, kommen wir in bürokratischen Prozessen schneller voran», sagt die Limmattalerin, die Borderfree Association im Herbst 2015 gründete. Etwa, wenn es um Bewilligungen für Verteilaktionen oder das Rekrutieren von Personal gehe. Letzteres braucht die Organisation für das Vorhaben der mobilen Zahnärzte, die in einem für Zahnbehandlungen ausgerüsteten Krankenwagen die Lager anfahren werden. Neben freiwilligen Schweizer Zahnärzten beschäftigt das Projekt auch bezahltes lokales Personal.

«Ich bin überwältigt»

Für das Zahnarzt-Projekt hat sich Borderfree Association mit der Organisation Volunteers for Humanity der Aargauerin Marit Neukomm und der deutschen Mansoor Medical Institute GmbH zusammengeschlossen. Neukomm und Crnojević lernten sich im griechisch-mazedonischen Grenzort Idomeni kennen, wo vergangenes Jahr Tausende Flüchtlinge strandeten.

Schon seit letztem Sommer planten sie ein gemeinsames Hilfsprojekt. «Wir dachten an medizinische Hilfe», sagt Crnojević. Über Ärzte, das bestätigte man ihr, verfügen die europäischen Flüchtlingslager bereits in genügender Zahl. Zahnärzte aber sind in den Camps Mangelware. Die beiden Frauen entschieden sich, eine Zahnarztklinik auf die Beine zu stellen, die von Lager zu Lager fährt. «Ich bin immer noch überwältigt, wie schnell sich auf unseren Aufruf Zahnärzte für einen freiwilligen Einsatz gemeldet haben», sagt Crnojević. Andere Zahnärzte spendeten Material. Solange die Kältewelle anhält, wird die Organisation gemäss Crnojević auch weiterhin wärmende Kleidung verteilen. «Wir suchen gezielt nach Leuten ohne Schuhe und kaufen ihnen dann gleich welche in ihrer Grösse.»