Dietikon
Nun verstummt die Musik im Sounddock 14 für immer

Ohne Erfahrung, aber mit viel Herzblut hat sich eine Bergdietiker Familie vor sieben Jahren dem Projekt eines Live-Musikclubs verschrieben. Diesen Monat fällt der letzte Vorhang.

Bettina Hamilton-Irvine
Drucken
Teilen
Am Samstag wird sich das Dietiker Sounddock 14 zum letzten Mal mit Gästen füllen. Danach muss der Club dem Stadtteil Limmatfeld weichen.

Am Samstag wird sich das Dietiker Sounddock 14 zum letzten Mal mit Gästen füllen. Danach muss der Club dem Stadtteil Limmatfeld weichen.

ZVG

Es war morgens um 3 Uhr nach einem Konzert, als Jonas Küng sich entschied, rund um seinen Live-Musikclub Sounddock 14 noch ein bisschen Abfall einzusammeln, damit sich die Nachbarn nicht ärgern mussten. Ein letzter Gast schlurfte an ihm vorbei, nickte ihm kurz zu und meinte: «Giuseppe, gell, gut aufräumen.»

Seine Tochter Romina Küng lacht, als sie die Anekdote erzählt. Es ist nur eine von vielen Geschichten, die der Familie in Erinnerung bleiben wird, wenn ihr Club nach sieben Jahren Betrieb demnächst für immer seine Türen schliesst. Sie hätten so viel erlebt, dass sie locker ein Buch damit füllen könnten, sagt Romina Küng. Auch einen Titel wüssten sie dafür schon: «Giuseppe, gut aufräumen.»

Zu einem Buch wird es aber vorerst nicht kommen. Zu viel gibt es noch zu tun, bis die Familie voraussichtlich Ende August das Feld räumt: Inventar muss verkauft, Administratives erledigt und Verträge gekündigt werden, es muss aufgeräumt, entsorgt und geputzt werden. Im September soll dann die Konzerthalle abgerissen werden. Sie macht Platz für die Entwicklung des Limmatfelds. Wo heute noch das Sounddock 14 steht, wird bald ein weiteres Gebäude des neuen Dietiker Stadtteils gebaut. Die Familie Küng hat sich unterdessen damit arrangiert, dass dies früher geschieht, als ursprünglich angenommen – einst ging man auf diesem Baufeld von einem Baustart im Jahr 2016 aus.

Der letzte Live-Musikclub

Sie seien müde und zurzeit vor allem froh, wenn dann alles vorbei sei, sagt Romina Küng. Kein Wunder: Betreibt die Familie doch neben dem Sounddock 14 auch noch das Baumaterialiengeschäft Burmak, in dem sowohl die Eltern als auch die beiden Töchter arbeiten; der Sohn wird demnächst ebenfalls dazustossen. «Jetzt konzentrieren wir uns vorerst wieder mehr aufs Geschäft», sagt Romina Küng. So richtig wehmütig über das Ende des Sounddocks 14 seien sie heute nicht mehr.

Das war nicht immer so. Noch vor einem Jahr belastete das Ringen um die Zukunft ihres Musikclubs die Familie sehr. Erst der definitive Entschluss, den Club ganz zu schliessen und die zermürbende und erfolglose Suche nach einem neuen Standort aufzugeben, brachte Erlösung. «Das ist wie bei einer Trennung vom Partner», sagt Romina Küng. «Wenn man den Entschluss dazu gefasst hat, hat man den grössten Teil der Trauerarbeit schon hinter sich.» Dass es schliesslich keinen anderen Ausweg mehr gegeben habe und ihnen der letzte Entscheid sozusagen abgenommen worden sei, darüber seien sie unterdessen fast froh.

Sicher sei es schade, dass es nach dem Ende des Sounddocks 14 keinen Live-Musikclub im Limmattal mehr geben werde, sagt Romina Küng. Dies höre sie auch immer wieder von Gästen. Doch vor allem freue sie sich heute an den Erinnerungen an die letzten sieben Jahre im Sounddock 14. «Ich will die Zeit auf keinen Fall missen. Wir sind schon etwas stolz auf das, was wir auf die Beine gestellt haben.» Dass ihre Familie aus dem Nichts und ohne Erfahrung einen professionellen Konzertbetrieb aufgezogen habe, das sei ein gutes Gefühl.

Noch einmal steigt die Show

Doch bevor der letzte Vorhang fällt, steigt am kommenden Samstag noch das Abschlusskonzert mit der Band Smokie. Es ist bereits so gut wie ausverkauft. Nun überlegt sich die Familie Küng, diesmal ausnahmsweise ein paar Leute mehr zuzulassen. Denn: «Wir wollen einfach noch ein letztes Mal ein richtig gutes Fest haben», so Romina Küng.

Und danach? «Ich freue mich vor allem darauf, wieder einmal richtig ausgeschlafen zu sein», sagt Romina Küng und lacht. Zudem werde sie es geniessen, wieder mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben – und auch einmal selber ein Konzert zu besuchen. «Früher war ich lustigerweise gar keine Konzertgängerin, wir alle nicht», sagt sie. Doch dies werde sich in Zukunft bestimmt ändern.

Pläne für ein Nachfolgeprojekt nach dem Sounddock 14 hat die Familie zurzeit keine. Romina Küng schüttelt den Kopf: «Entweder machst du etwas richtig, oder gar nicht.»

Abschlusskonzert mit Smokie: 15. Juni. Verkaufsbörse: 7. und 14. Juli. Weitere Informationen unter www.sounddock14.ch