Unter dem Begriff «Foodwaste» rückte das achtlose Wegwerfen von noch geniessbaren Lebensmitteln in den Fokus der Öffentlichkeit. Mit der Birmensdorferin Hélène Vuille und der Urdorferin Sonja Gehrig brachte das Limmattal gleich zwei Kämpferinnen dieser Bewegung hervor. Sie riefen Projekte ins Leben, mithilfe derer Tagesfrischprodukte von Grossverteilern an Randständige verteilt und übrig gebliebene Nahrungsmittel eingesammelt und Empfängern von Zusatzleistungen abgegeben werden.

Mit dem Geroldswiler Remo Furrer kommt nun ein drittes Angebot hinzu. Der 24-Jährige hat gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Vignesh Pajerla eine Tauschbörse für überschüssige Lebensmittel entwickelt. Zwar gibt es bereits verschiedene Plattformen, doch würden diese grösstenteils andere Ziele verfolgen. Etwa die Weiterverwendung von Esswaren aus Supermärkten oder die Abgabe an Bedürftige, sagt er. Bei seiner soll man mit der nicht mehr benötigten Nahrung aber auch Geld verdienen können. «Dadurch entsteht ein Anreiz, diese nicht wegzuwerfen.»

Es braucht Platz zum Handeln

«Jeder kennt doch die Situation: Man fährt in die Ferien und der Kühlschrank ist vor der Abreise noch voll. Oder man hat Reste, nachdem man eine Party organisiert hat. Dann fragt man sich: Wohin damit?» fragt Furrer rhetorisch. Auf der von ihm entwickelten Website www.wastee.net soll diesem Problem nun Abhilfe geschaffen werden. Wer ein Profil auf dem Portal eingerichtet hat, kann von den Nahrungsmitteln, die er nicht mehr braucht, ein Foto hochladen und einen Preis festlegen, für den er die Esswaren abgeben möchte.

Dabei gelten klare Regeln: «Gemüse und Früchte müssen in gutem Zustand und die restlichen Produkte in ungeöffneter Verpackung sowie noch vor Ablauf des Verfallsdatums sein», so Furrer. Gekochte Lebensmittel oder solche in angebrochenen Verpackungen könnten nicht zum Verkauf angeboten werden.

«Wir empfehlen, rund die Hälfte des originalen Kaufpreises zu verlangen», so Furrer, denn so ergebe sich eine Win-win-Situation. Der Verkäufer verdiene mit seinen Resten ein wenig Geld und der Käufer komme günstig zu Lebensmitteln. Mit wenigen Klicks können das Foto hochgeladen und der Standort sowie der Preis angegeben werden. Dann ist das Produkt für alle Nutzer sichtbar. Haben sich die beiden Parteien auf einen Preis geeinigt – «auch ein wenig Handeln muss möglich sein» – vereinbaren sie, wann und wo die Ware übergeben werden soll.

Bäckereien sollen «Wastee» nutzen

Damit dieses Konzept funktioniere und die Menschen ihre Lebensmittel auch tatsächlich ausschreiben, sei es zentral, dass genug Personen im nahen Umfeld bei «Wastee» mitmachen. Einerseits könne man so gezielt nach einem Produkt suchen. «Andererseits kann man auch ‹schneuggen› und einfach schauen, was in der Umgebung denn so angeboten wird», so Furrer. Ziel sei aber auch, dass kleinere Unternehmen der Lebensmittelbranche wie etwa Bäckereien oder Konditoreien das Angebot nutzen. «Diese können so ihren täglichen Überschuss zu einem Rabatt verkaufen.»

Anfänglich ist die Nutzung noch kostenlos. «Später werden wir monatlich etwa einen Franken berechnen», so Furrer. Er hofft, dass die Idee Anklang findet, denn es brauche eine grosse Anzahl Teilnehmer, damit das Konzept funktioniere. Zuversichtlich ist er jedoch. «Bei ‹Wastee› kann man mit nachhaltigem Denken auch noch ein kleines Taschengeld verdienen. Das ist bislang einzigartig und auch eine echte Motivation», so Furrer.

Die Nahrungsmittel-Plattform ist nicht die erste Erfindung, mit welcher der junge Geroldswiler auf sich aufmerksam macht. Vor gut zwei Jahren lancierte er den «Mobido», kurz für «mobile door opener», der in der deutschen Wissenschaftssendung «Galileo» präsentiert wurde. Es handelt sich um einen Schlüsselanhänger, der so geformt ist, dass man mit ihm auch Türen öffnen kann. «Er ist für Menschen, welche die Bakterien und Keime, die an Türgriffen haften, umgehen wollen», so Furrer. Nachdem sein Mobido in der deutschen Sendung vorgekommen war, konnte er sich vor Anfragen kaum retten. Dies sei ein Überraschungserfolg gewesen.

Und so funktioniert der Mobido.

Und so funktioniert der Mobido.