Weiningen
Nun kann der 6,6-Millionen-Chindsgi kommen

Nach harscher Kritik und vielen Gegenanträgen stimmen die Weininger an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung dem Zusatzkredit für den Kindergarten Föhrewäldli mit 73 zu 57 Stimmen zu.

Alex Rudolf
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1,34 Millionen Franken Mehrkosten: das geänderte Kindergarten-Neubauprojekt in der Fahrweid. Das ursprüngliche Projekt wies deutliche Mängel auf.Visualisierung/ZVG

1,34 Millionen Franken Mehrkosten: das geänderte Kindergarten-Neubauprojekt in der Fahrweid. Das ursprüngliche Projekt wies deutliche Mängel auf.Visualisierung/ZVG

Visualisierung: Unger und Treina AG

«Sie ersparen uns heute aber auch gar nichts», resümierte der Weininger Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) die ausserordentliche Gemeindeversammlung vom Donnerstagabend. Nach über zwei Stunden teils emotionaler Diskussion folgte kurz nach 22 Uhr im Quartierzentrum Föhrewäldli das Verdikt. 73 der 134 anwesenden Stimmberechtigten sprachen sich für den Zusatzkredit in der Höhe von 1,34 Millionen Franken für den Bau des Kindergartens Föhrewäldli aus. Gemeinsam mit dem bereits am 5. Juni des vergangenen Jahres an der Urne gesprochenen Betrag von 5,3 Millionen Franken kostet dieser also nun rund 6,6 Millionen Franken.

Haarsträubend und diletantisch
Diese Mehrkosten gefielen den anwesenden Stimmberechtigten ganz und gar nicht. Und: Ungeschoren davonkommen lassen, wollten sie den Gemeinderat nicht. In teils harschen Wortmeldungen rügten einige Votanten die bisherige Planung, nannten diese «haarsträubend», «dilettantisch» und «unheimlich». Diese Kommentare wurden gefolgt von einer Reihe von Rückweisungsanträgen.

Diese Reaktionen hatten es in sich. Doch lief beim Projekt auch einiges schief. Der geplante Kindergartenbau erfüllte die Empfehlungen des Verbands Kindergarten Schweiz bezüglich Raumhöhe und natürlicher Belichtung nicht. Zudem verteuerten die statischen Probleme, welche die Nähe zum Quartierzentrum Föhrewäldli hervorbrachte, und die nun erfüllten Normen zur Erdbebensicherheit das Projekt.

Auch ein unabhängiger Expertenbericht, der die bisherige Planung und deren Mehrkosten durchleuchtete, brachte einige Planungsfehler hervor. Demnach trage die Bauherrschaft, also der Gemeinderat, eine gewisse Mitschuld, da er es versäumt habe, die Kontrollfunktion wahrzunehmen, schreibt die Rechnungsprüfungskommission in der Weisung.

Kostendach von 6 Millionen
Neben den Mehrkosten sorgten auch weitere Rückschläge für Gesprächsstoff. So bestehen zwischen dem Weininger Gemeinderat und dem Zürcher Gemeindeamt unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Finanzkompetenz der Versammlung. Während das Gemeindeamt es für nötig hält, eine Urnenabstimmung durchzuführen, sieht die Weininger Exekutive diese Kompetenz bei der Versammlung. Haug verwies gestern darauf, dass die Kreditkompetenz nicht überschritten werde und die Entscheidung somit bei der Gemeindeversammlung liege. «Dies auch vor dem Hintergrund, dass der ursprüngliche Baukredit bereits an der Urne angenommen wurde.» Auch könne im Nachhinein nicht eine Urnenabstimmung verlangt werden, was fälschlicherweise in der Weisung so vermerkt war.

Zurück zu den zahlreichen Anträgen der Versammlung: In einem wurde verlangt, den Zusatzkredit zurückzuweisen, in einem Weiteren wurde beabsichtigt, das ganze Projekt bachab zu schicken und das erste, günstige Projekt nochmals aus der Schublade zu holen. Ein weiterer Antrag verlangte ein Kostendach von 6 Millionen Franken. Und dann tauchte noch die Idee auf, auf den Bau der vier Wohnungen gänzlich zu verzichten, die im dritten und vierten Obergeschoss erstellt werden sollten. «Wir haben ein bewilligtes Projekt vor uns, das nicht ohne weiteres abgeändert werden kann», so Haug. Doch liessen sich die Weininger nicht bändigen und die Anträge trudelten weiter ein.

900 000 oder 1,34 Millionen?
Ein Votant, der selber Architekt sei, zeigte sich überzeugt, dass dieses Projekt ohne weiteres günstiger gebaut werden könne. Er schlug vor, über einen Zusatzkredit von lediglich 900 000 Franken anstelle der 1,34 Millionen Franken zu befinden. Dieser Vorschlag wurde in einer Abstimmung auch tatsächlich dem ausgearbeiteten Projekts des Gemeinderates gegenübergestellt, verlor dieses Duell jedoch mit 80 zu 21 Stimmen. Gleich anschliessend fand auch die Schlussabstimmung statt, die mit 73 zu 57 Stimmen zugunsten des Zusatzkredits ausging.