Weiningen
Nun kämpfen die Zihlmanns politisch für rumänische Strassenhunde

Die Limmattaler Tieraktivisten aus Weiningen erringen einen Etappensieg für rumänische Strassenhunde.

Alex Rudolf
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Eine Versammlung Federation of Veterinarians of Europe (FVE) drohte laut den Zihlmanns zur Farce zu werden. Alex Spichale

Eine Versammlung Federation of Veterinarians of Europe (FVE) drohte laut den Zihlmanns zur Farce zu werden. Alex Spichale

Alex Spichale

Josef und Silvia Zihlmann arbeiten unermüdlich für das Wohl rumänischer Strassenhunde. Ihr Einsatz brachte ihnen nebst Auszeichnungen der Stadt Gheorgheni im rumänischen Siebenbürgen auch den Titel der Limmattaler des Jahres 2014 ein. Das Weininger Ehepaar gibt sich jedoch nicht mehr zufrieden mit bisherigen Errungenschaften wie etwa dem Aufbau eines Tierheims für 150 Hunde oder die Übernahme der Kosten für das Impfen, Chippen und Kastrieren der Vierbeiner. «Wir greifen nun in das politische Geschehen ein», sagt Josef Zihlmann und streicht seiner Hündin Hera über den Kopf.

Der ehemalige Weininger Bezirkstierarzt, der noch heute seine Praxis in Dietikon betreibt, und seine Frau starteten die Hilfsorganisation «Starromania» als Reaktion auf das vom rumänischen Parlament durchgewunkene Tötungsgesetz. Demnach durften streunende Strassenhunde – wurden sie innert zweier Wochen von niemandem beansprucht – umgebracht werden. Dies führte laut Medienberichten zu regelrechten Gemetzeln. Obwohl das Gesetz inzwischen sistiert wurde, sei die Situation der Streunerhunde in Rumänien noch immer desolat, wie die Zihlmanns sagen.

Mit offenen Armen empfangen

Die Bevölkerung in der Region Siebenbürgen empfange sie jeweils mit offenen Armen, sagt das Ehepaar: «Wir pflegen gute Kontakte zu den Stadtvätern und zu einer Vielzahl anderer Tierschutzorganisationen in ganz Rumänien», so Josef Zihlmann. Auch der von «Starromania» veranstaltete Kongress für Veterinärmediziner sei von rund 60 der 80 in der Region Gheorgheni tätigen Tierärzte besucht worden. Doch stossen Zihlmanns mehr und mehr auf Widerstände – vornehmlich aus der Politik.

Geschäft für Regierung

Einen der Gründe verorten die beiden Weininger im lukrativen Geschäft mit der Chip-Pflicht. Seit Ende vergangenen Jahres schreibt der rumänische Gesetzgeber vor, alle Hunde mit dieser Methode zu markieren. «Die Chips und die Registration sind jedoch überteuert», so Silvia Zihlmann. Kosten von rund 30 Franken seien für dortige Verhältnisse – ein durchschnittliches Monatsgehalt beträgt rund 400 Franken – eine durchaus stolze Summe. «Es handelt sich um ein Millionengeschäft», sagt sie. Das Angebot einer deutschen Organisation, die gratis Chips zur Verfügung stellen wollte, habe der Staat ausgeschlagen. «Weil wir gegen die korrupten Methoden der Behörden ankämpfen, werden wir zu einer Bedrohung», resümiert Josef Zihlmann.

Dies bekamen die Tierschützer erst Anfang Juni zu spüren. Damals hielt die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) mit Sitz in Brüssel ihre Generalversammlung im rumänischen Iași ab, rund 400 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Bukarest gelegen. In einem der Workshops befassten sich die Teilnehmer mit der Situation der Strassenhunde. «Claudiu Dumitriu, ein bekannter Tierschützer, mit dem wir in Rumänien eng zusammenarbeiten, wurde von dieser Veranstaltung ausgeschlossen», so Silvia Zihlmann. Begründet habe die FVE diesen Schritt nicht. Mehrere Anfragen der Zihlmanns fruchteten nicht. «Unserer Ansicht nach soll das noch immer grosse Elend in den rumänischen Tierheimen unter dem Deckel gehalten werden», so Josef Zihlmann. Schliesslich veröffentlichten sie auf der «Starromania»-Facebook-Seite einen offenen Brief. Darin forderten die Weininger ihre 2600 Personen umfassende Fangemeinde auf, sich beim FVE schriftlich gegen den Ausschluss auszusprechen. «Die Resonanz war überwältigend. Das Schreiben wurde rund 400 Mal auf den Sozialen Medien geteilt und die FVE erreichten eine Vielzahl von Zuschriften», sagt der Tierarzt.

Wogen sollen geglättet werden

Nancy De Briyne, stellvertretende Direktorin der FVE, bestätigt den Eingang dieser Schreiben. Zu den Gründen, die zu Dimitrius Ausschluss geführt haben, nimmt sie zwar keine Stellung. «Nach Rücksprache mit der organisierenden rumänischen Sektion wurde Dimitriu jedoch akzeptiert und trat mehrmals als Redner auf», sagt sie auf Anfrage. «Wir setzen uns, wie auch ‹Starromania›, für mehr Transparenz und gezielte Hilfe für Strassenhunde ein.» Den Eindruck, dass zwischen der Regierung und den Tierschutzorganisationen Spannungen bestehen, teilt De Briyne. «Wir hoffen, dass durch die in Rumänien abgehaltene Konferenz diese Wogen ein wenig geglättet worden sind.»

«Ein Riesenerfolg und ein erster Schritt», so Silvia Zihlmann. Dies sei vor allem wichtig gewesen, weil die dort anwesenden Tierärzte über das Leid der rumänischen Strassenhunde hätten informiert werden müssen. «Denn fragt man bei der Regierung nach, versichert diese, dass Strassenhunde kein Problem mehr seien», so Josef Zihlmann. «Bei unserer Arbeit haben wir jedoch tiefe Einblicke in das Elend und wissen, dass noch lange kein ethischer Umgang mit Streunern gepflegt wird», ergänzt Silvia.