Eigentlich kämpfen sie für dieselbe Sache: den Erhalt von Bruno Webers Werk. Viel von ihrer Energie geht aber seit langer Zeit durch ihren Kampf gegeneinander verloren. Auf der einen Seite: Maria Anna Weber, die Witwe des Künstlers, sowie der Verein Freunde Bruno Weber Park, in dessen Vorstand auch Weber sitzt. Auf der anderen Seite: die Bruno-Weber-Stiftung mit der Präsidentin Isabelle Cart an der Spitze. Jetzt ist ein weiteres Level des Zwistes erreicht, und es scheint, als ob das Tischtuch zwischen den Protagonisten endgültig zerschnitten ist.

In einer Medienmitteilung von Mittwochnachmittag teilten Sabine Billeter, Präsidentin des Vereins, und Martin Christen vom Vereinsvorstand mit, dass per Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau vom 19. Juni 2017 «der Stiftungsrat zur sofortigen Rückgabe des bildnerischen Werks Bruno Webers an die rechtmässige Eigentümerin Maria Anna Weber sowie auf die Übernahme der Gerichts- und Parteikosten in der Höhe von rund 16 600 Franken verpflichtet» wird. Da sich Cart weigere, der Aufforderung nach sofortiger Herausgabe nachzukommen, drohe nun die Vollstreckung, so die Mitteilung.

Besitzerin den Zugang verwehrt

In dem Streit geht es um rund 300 Gemälde und tausende von Skizzen, Grafiken, Lithografien und Zeichnungen des 2011 verstorbenen Dietiker Künstlers. Jahrzehntelang lagerten sie im grossen Atelieraum des Wohnatelierhauses im Bruno-Weber-Park. Im Juli 2015 wurde auf Anweisung der Stiftungsratspräsidentin Isabelle Cart und ihres Ehemanns, des Stiftungsratsvizepräsidenten Eric Maier, zur sicheren Archivierung das gesamte bildnerische Werk in einen Lagerraum neben dem Wassergartensaal gezügelt und damit Weber entzogen.

Was man wissen muss: Beim Wassergartensaal mit Umgebung handelt es sich um Stiftungseigentum. Der Rest des Parks ist im Besitz der Witwe. «Die rechtmässige Eigentümerin und Alleinerbin Maria Anna Weber verlangte einen jederzeitigen Zugang zu diesem Raum, damit sie für sich und die Steuerbehörde die Inventarliste vervollständigen und für Ausstellungen Werke herausgeben konnte», heisst es in der Mitteilung.Der Zugang sei ihr aber verwehrt worden. Schliesslich reichte Weber im Oktober 2016 Klage beim Bezirksgericht Baden ein.

Aufgrund einer superprovisorischen Verfügung des Gerichtspräsidenten wurde im Dezember 2016 mittels Fotografien ein Inventar aller vom Stiftungsrat archivierten Werke erstellt. Mit Entscheid vom 16. Januar 2017 wurde das Gesuch «um Erlass vorsorglicher Massnahmen» vom Gerichtspräsidenten abgewiesen.Gegen diesen Entscheid legte Weber im Februar 2017 beim Aargauer Obergericht Berufung ein.

Mit dem Entscheid vom Juni gab dieses Weber in allen Punkten recht. Der Stiftungsrat «wird unter Androhung einer Ungehorsamsstrafe nach Art. 292 StGB verpflichtet, alle sich in ihrem Besitz befindlichen, beweglichen, von Bruno Weber geschaffenen Werke per sofort der Gesuchstellerin (also Maria Anna Weber, Anm. d. Red.) herauszugeben.» Die Gerichtskosten und die Parteientschädigung sind vom Stiftungsrat zu übernehmen.

Isabelle Cart weigert sich

Laut Webers Anwalt hätte die Stiftungsratspräsidentin Cart am Mittwoch um 8 Uhr die Werke übergeben müssen. Mit Hinweis auf die «Kurzfristigkeit» habe sie sich aber geweigert. Jetzt sei ihr «unter Androhung einer Strafanzeige mit Beizug der Polizei ein ‹letzter› zweiter Termin am 10. Juli, 8 Uhr mitgeteilt» worden. Wie sehr die Fronten verhärtet sind, davon zeugt auch eine Formulierung von Billeter und Christen in der Mitteilung. Der Stiftungsrat scheine in Bezug auf die sofortige, bedingungslose Herausgabepflicht «nach wie vor uneinsichtig» zu sein. So würden unberechtigte Forderungen gestellt und Ausflüchte gesucht, um die Werke nicht sofort herausgeben zu müssen.