Schlieren
Notter: «Muslimische Grabstätte wird nicht in die Ecke verbannt»

Alt-Regierungsrat und Präsident der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) Markus Notter begrüsst das Vorhaben des Schlieremer Stadtrats, eine muslimische Grabstätte zu schaffen. Das weitere Friedhofselement empfindet er als unspekatulär.

Melanie Su
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Alt-Regierungsrat Markus Notter ist in Dietikon geboren und aufgewachsen.

Alt-Regierungsrat Markus Notter ist in Dietikon geboren und aufgewachsen.

Chris Iseli

Herr Notter, der Schlieremer Stadtrat will ein Grabfeld für muslimische Bestattungen errichten. Wie bewerten Sie seitens der GMS diesen Schritt?

Markus Notter: Die GMS begrüsst diesen Schritt natürlich ausserordentlich. Nachdem Zürich und Winterthur schon muslimische Grabfelder eingerichtet haben, würde mit Schlieren ein weiterer wichtiger Ort, wo viele Muslime wohnen, dazustossen.

Ist es Aufgabe einer Stadt, allen Minderheiten einen eigenen Friedhof anzubieten?

Seit 1874 garantiert die Bundesverfassung jedem Menschen einen Anspruch auf ein schickliches Begräbnis und das Führen der Friedhöfe ist seitdem Aufgabe der Gemeinden. Wir haben heutzutage eine sehr heterogene Bevölkerung. In den Friedhöfen gibt es doch schon die verschiedensten Begräbnisarten: Erdbestattung, Urnengrab, Urnennische, Gemeinschaftsgrab - da fällt ein weiteres Element nicht weiter auf. Es gehört zweifellos dazu, auch Muslimen eine Bestattung anzubieten.

Was ist das Ziel - ein muslimisches Grabfeld in jeder Stadt?

Nein, natürlich braucht es das nicht überall in den kleinsten Gemeinden. Nur dort, wo aufgrund der Bevölkerungszusammensetzung der Bedarf besteht, also vor allem in den grösseren Gemeinden. Die GMS war in Kontakt mit den Behörden in verschiedenen Gemeinden, auch in Schlieren. Wir fragen auch regelmässig nach dem neusten Stand. Wir haben zwischen den Muslimen und den Behörden vermittelt und Gespräche geführt. Letztendlich hat aber Schlieren aus eigener Überzeugung gehandelt.

Sie als Dietiker wissen, in Dietikon leben viele Muslime. Aber im Gegensatz zu Schlieren bewegt sich in Dietikon nichts. Müsste es dort nicht auch ein Grabfeld geben?

Wir sind auch mit Dietikon in Kontakt, warten noch auf eine Antwort der Stadt. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich auch in Dietikon was tun wird.

Was sagen Sie zum Argument, dass doch Verstorbene aller Religionen gemeinsam ihre letzte Ruhe finden sollen?

Es ist nicht so, dass die muslimische Grabstätte gross abgetrennt wäre vom Rest oder gar in die Ecke «verbannt». Eine kleine Hecke wird es dazwischen geben, sonst nichts. Auf den ersten Blick erkennt man gar keinen Unterschied. Das Ganze ist eine völlig unspektakuläre Änderung, es gehört zu einem laufenden Prozess dazu.